«Du bist die einzige, die so was benutzt»

WG-Serie Teil 2/5: Seit September wohnt die 22jährige Nina Bader in Zürich-Oerlikon. Richtig daheim fühlt sich die Amriswilerin allerdings noch nicht. Dass sie in der Wohngemeinschaft die einzige Frau ist, spielt für sie keine Rolle.

Rahel Haag
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Fehlender Putzplan: Seit Dezember hat die WG von Nina keinen Putzplan mehr. Sauber ist es trotzdem. (Bilder: Rahel Haag)

Fehlender Putzplan: Seit Dezember hat die WG von Nina keinen Putzplan mehr. Sauber ist es trotzdem. (Bilder: Rahel Haag)

ZÜRICH-OERLIKON. Dass die 22jährige Nina Bader noch nicht so richtig in ihrer WG angekommen ist, sieht man ihrem Zimmer an. «Es ist alles noch ziemlich kahl», sagt sie selbst. Seit September wohnt sie nun mit zwei Männern in einer Viereinhalb-Zimmer-Wohnung in Zürich-Oerlikon. «Die meisten meiner Sachen sind noch bei meinen Eltern in Amriswil.» In der Wohngemeinschaft sei sie eigentlich nur unter der Woche anzutreffen. «Am Wochenende bin ich oft daheim und besuche Freunde.» Ja, daheim sei sie hier noch nicht, das stimme wohl.

Dennoch geniesst die junge Frau ihre neuen Freiheiten. «Ich studiere Politikwissenschaften in Zürich und das Pendeln hat jeden Tag viel Zeit gefressen.» Nun könne sie nach der Vorlesung mit ihren Kommilitonen auch mal spontan etwas trinken gehen.

Allein unter Männern

Dass sie mit zwei Männern zusammen wohne, sei kein Problem. «Zum Glück erfüllt keiner der beiden das typische Männer-Klischee.» Markus (21) und Ivo (21) seien sehr ordentlich und würden beide gerne und vor allem gut kochen. Der einzige Nachteil: Wenn Nina beispielsweise der Nagellackentferner ausgehe, bekomme sie nur zu hören: «Du bist hier die einzige, die so etwas benutzt.»

Für die Einkäufe sei jeder selbst zuständig, doch Besitzansprüche gebe es selten. «Die Lebensmittel im Kühl- und Vorratsschrank teilen wir, wenn wir gemeinsam kochen», sagt Nina. Quittungen würden nur aufgehoben, wenn es sich um grössere Anschaffungen wie zum Beispiel Putzmittel handle. «In solchen Fällen teilen wir die Kosten später auf.» Für die Dekoration der Wohnung seien vor allem sie und Markus zuständig. «Neue Möbel besorgt aber hauptsächlich Ivo.»

Auch das Putzen sei bisher reibungslos verlaufen. «Bis im Dezember hatten wir noch einen Putzplan, doch dann fing an der Uni die Prüfungsphase an, da waren wir alle ein wenig im Stress.» Doch es habe auch so geklappt. «Irgendjemand hat am Ende immer geputzt.» Ein neuer Putzplan sei aber in Arbeit. «Damit es wieder ausgeglichener ist.»

Frühaufsteher und Langschläfer

Auffällig sind in der Wohngemeinschaft die unterschiedlichen Tagesabläufe. Ivo sei beispielsweise häufig unterwegs. «Oft kommt er erst sehr spät nach Hause und kommt am nächsten Tag manchmal kaum aus dem Bett», sagt Nina. Der zweite Mitbewohner sei das pure Gegenteil. «Markus geht früh ins Bett und steht jeden Morgen um sieben auf.»

Abends würden die drei nach Möglichkeit gemeinsam kochen. Durch die unterschiedlichen Tagesabläufe sei das aber schwierig. «Dass wir zu dritt am Tisch sitzen, kommt relativ selten vor», sagt Nina. Nach dem Essen verschwinde dann jeder in seinem Zimmer, um noch etwas für die Uni zu tun. Lange blieben die Türen aber nicht zu. «Alle 30 Minuten streckt jemand seinen Kopf herein und fragt, wie's so läuft.» Diese Abwechslung schätze sie sehr.

Exquisiter Kaffeegenuss

Das Highlight der Studenten-WG steht in der Küche und gehört Markus: Eine Kaffeemaschine von De Longhi. «Viele Besucher sind echt neidisch, wenn sie die entdecken.» Das edle Gerät produziere extrem guten Kaffee. «Ich trinke wenig Kaffee, aber Markus schüttet pro Tag mindestens drei Tassen in sich hinein.»

Bild: Klitcommander

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