Drei junge Meister an der Violine

KREUZLINGEN/BREGENZ. Das Internationale Violinfestival junger Meister ist mit drei romantischen Solowerken an zwei Abschlusskonzerten in Kreuzlingen und Bregenz zu Ende gegangen. Ju-Ni Lee spielte Szymanowski, Solenne Paidassi Saint-Saëns, Valeriy Sokolov Brahms.

Katharina von Glasenapp
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Eineinhalb Wochen lang hat das Internationale Violinfestival junger Meister für facettenreiche Geigentöne am Bodensee gesorgt: in Konzerten mit Klavierbegleitung und gemeinsam mit der Kammerphilharmonie Graubünden, in Vorspielabenden und einem teils öffentlichen Meisterkurs mit dem polnischen Geiger und Pädagogen Krzysztof Wegrzyn. In zwei grossen Abschlusskonzerten im Dreispitz in Kreuzlingen und im Festspielhaus Bregenz (auf dieses Konzert bezieht sich die Besprechung) präsentierten sich drei junge Künstler an der Seite der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz unter der Leitung von Stefan Sanderling. Peter Vogel, der Präsident des veranstaltenden Internationalen Konzertvereins Bodensee, dankte allen jungen Künstlern und Sponsoren, die dieses Festival ermöglicht und getragen hatten.

Drei unterschiedliche Solisten

Viel kommt da zusammen: Drei grosse romantische Solokonzerte an einem Abend, mit drei höchst unterschiedlichen Persönlichkeiten im Vordergrund. Ein Orchester, das dem Konzertverein seit langem verbunden ist, das begleiten soll und doch höchst diffizile Aufgaben hat; ein Dirigent, der sehr aufmerksam zuhört und mitgestaltet; ein Publikum, das sich begeistern lässt von der jugendlichen Meisterschaft.

Die schwierigste Aufgabe hatte wahrscheinlich Ju-Ni Lee, in Wuppertal geboren, Schweizerin mit koreanischen Wurzeln, in der Interpretation des ersten Violinkonzerts von Karol Szymanowski. Es ist sehr üppig instrumentiert, durchkomponiert, ungeheuer farbig im Orchester, dabei nicht sehr eingängig in den Themen und lässt der Solovioline nicht viel Freiraum. Ju-Ni Lee musizierte mit leuchtendem Ton, konzentriert, eingebunden ins Orchester in feinen Klangmischungen mit den Bläsern. Schwebende Töne wechselten sich mit der gewichtigen Solokadenz ab, gewaltige Klangballungen drohten jedoch manchmal, sie zu erdrücken.

Wirkte die Asiatin sehr in sich verschlossen, so wusste die Französin Solenne Paidassi mit ihrer charmanten Ausstrahlung, ihrem kraftvollen und doch ungeheuer flexiblen Bogenstrich zu begeistern. Auch das so ganz anders gearbeitete, melodienreiche dritte Violinkonzert ihres Landsmanns Camille Saint-Saëns half ihr dabei. Sie konnte Temperament zeigen, entwickelte im langsamen Satz einen wunderbar innigen Dialog mit den Holzbläsern und gestaltete das Finale nach dunkel dramatischem Beginn als festlichen Tanz. Ihre extrem hoch angesetzte Geigenhaltung verleiht ihrem Spiel zusätzlich etwas Himmelsstürmendes.

Leichtfüssiger Brahms

Ganz anders wiederum ist das einzige Violinkonzert von Johannes Brahms, das der junge ukrainische Geiger Valeriy Sokolov interpretierte. Gelassen in sich ruhend steht er beim blühend gestalteten Orchestervorspiel, mit gutem Bodenkontakt meistert er die kraftvollen Aufschwünge des Solos, findet aber auch fein wispernde Töne. Sokolov, ausgebildet an der Menuhin School of Music in England und bei Ana Chumachenco, ist ein Star unter den Geigern und wirkt dabei ungeheuer bescheiden, geerdet, verwachsen mit der Musik und seinem Instrument. Der ihm stets aufmerksam zugewandte Stefan Sanderling führt das Konstanzer Orchester in grossen Streicheraufschwüngen und warmen Bläserklängen, lässt dem Solisten Raum in den schwebenden Passagen des Adagios. Der Finalsatz klingt bei aller Brahms-Wucht leichtfüssig und brillant. In Bregenz bedankte sich Valeriy Sokolov mit einer Solosonate von Ysaye.

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