Doppelter Boden für den FC St. Gallen: Die Zwillinge Remo und Philipp Bienz steigen mit wohl gegen 2,5 Millionen Franken beim Klub ein

Dank einer Kapitalerhöhung bei der FC St.Gallen Event AG stehen dem Klub 3,69 Millionen Franken mehr zur Verfügung. Die meisten der bisherigen Aktionäre haben ihre Aktien aufgestockt. Und als neue Aktionärin steigt die Fortimo Business AG der Gebrüder Bienz ein. «Die Bewegung, die beim FC St. Gallen in den vergangenen Jahren entstanden ist, ist grossartig», sagt Remo Bienz.

Ralf Streule
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Remo und Philipp Bienz vom Immobilien-Unternehmen Fortimo.

Remo und Philipp Bienz vom Immobilien-Unternehmen Fortimo.

pd


Es sind gute Zeiten für den FC St. Gallen. Sportlich läuft’s – und in der Bilanz des Geschäftsjahrs 2019/20 weist der Klub ein Plus von rund 1,75 Millionen Franken aus. In Coronazeiten ist dies ein überraschendes Ergebnis, zumal jedes Heimspiel vor nur 1000 Zuschauern den Klub rund eine halbe Million kostete. Mitgeholfen haben beim positiven Abschluss auch die Transfers von Dereck Kutesa und Dejan Stojanovic im vergangenen Jahr, noch nicht aber jene von Cedric Itten und Silvan Hefti, wie der Präsident Matthias Hüppi erklärt.

Die Fortimo Business AG wird zweitgrösster
Aktionär der FC St. Gallen Event AG

Die sportlichen und strukturellen Erfolge helfen bei der Suche nach weiteren Mitteln. Um dem Klub in unsicheren Zeiten noch mehr Boden zu geben, hat sich die FC St. Gallen Event AG breiter aufgestellt. Gestern wurde bekannt, dass das Aktienkapital um 3,69 Millionen Franken vergrössert wird. Zum einen haben die meisten bisherigen Aktionäre ihr Kapital aufgestockt, zum anderen kommen neu Remo und Philipp Bienz mit ihrem Immobilienunternehmen Fortimo als Aktionäre dazu.

Die Verteilung des neuen Aktionariats des FC St.Gallen

Aktionäre Beteiligung
Edgar Oehler 19,7
Steffen Tolle 9,57
Rolf Schubiger 9,57
Ernst Eisenhut 5,38
Martin Jäger 4,25
Brauerei Schützengarten AG 4,25
Jérôme und Patric Müller 10,63
Roland Gutjahr 10,63
Thoma Immobilien Treuhand AG (Patrick Thoma) 10,63
Fortimo Business AG (Philipp und Remo Bienz)(neu) 15,38

Hüppi: «Wir schaffen es mit lokalen Unternehmern.»

Die Fortimo Business AG hält neu 15,38 Prozent des gesamten Event-AG-Aktienkapitals. Die Zwillingsbrüder sind in Tübach aufgewachsen, hatten sich zwar beim HC Arbon dem Handball verschrieben, haben den FC St. Gallen aber schon in der Vergangenheit mehrfach im Sponsoring unterstützt. Remo Bienz sagt:

Remo Bienz

Remo Bienz

pd
«Die Bewegung, die beim FC in den vergangenen Jahren entstanden ist, ist grossartig.»

Er spricht von Werten wie Bodenständigkeit und Leidenschaft, welche die Firma mit dem Klub verbinde. Die Gebrüder sind gemäss Hüppi die perfekte Ergänzung des bisherigen, breit aufgestellten und in der Ostschweiz verankerten Aktionariats:

FC-St. Gallen-Präsident Matthias Hüppi.

FC-St. Gallen-Präsident Matthias Hüppi.

Claudio Thoma / freshfocus
«Es ist einzigartig: Was andere Klubs mit ausländischen Investoren zu stemmen versuchen, schaffen wir mit lokalen Unternehmern. Unsere Aktionäre stärken das wirtschaftliche Fundament unseres Klubs in einer sehr fordernden Zeit.»

Event AG hat Kapitalwert von 16 Millionen Franken

Einige Zahlen: Die bisherigen 1230 Aktien werden um 369 auf 1599 Aktien aufgestockt, jede einzelne hat einen Nennwert von 1000 Franken, aber einen realen Kapitalwert von 10000 Franken. Damit ist das Kapital der Event AG um 3,69 auf 15,99 Millionen Franken gestiegen.

Aufgrund der prozentualen Verschiebungen im Aktionariat lassen sich zwei Rückschlüsse ziehen: Edgar Oehler fällt von gut 25 auf 19,7 Prozent und dürfte damit als einziger sein Kapital nicht aufgestockt haben. Er hält weiter etwa 3,15 Millionen Franken und bleibt damit der Aktionär mit dem grössten Aktienanteil. Und: Die Fortimo Business AG dürfte mit gegen 2,5 Millionen Franken eingestiegen sein.

Rolf Schubiger sagt im Namen der bisherigen Aktionäre:

Rolf Schubiger, Aktionär.

Rolf Schubiger, Aktionär.

Bild: Archiv/Ralph Ribi
«Wir wollen mit der Kapitalerhöhung ein Zeichen setzen, dass wir Vertrauen in den FCSG haben und mit grosser Freude hinter dem Klub stehen. Deshalb unterstützen wir ihn auch in schwierigen Zeiten.»

Man sehe optimistisch in die Zukunft und schaffe ein solides Fundament für eine erfolgreiche Zukunft für und mit dem FCSG.

Die Idee einer Kapitalerhöhung wurde besonders vor dem Hintergrund der Coronakrise vorangetrieben, wäre aber wohl auch sonst umgesetzt worden, sagt Hüppi. Der Präsident warnt aber zugleich:

«Wirtschaftlich müssen wir weiter optimieren, die Eigenkapitalstruktur stärken, jederzeit die Zahlungsfähigkeit und Liquidität sichern und gezielt Transfereinnahmen generieren, ohne den sportlichen Erfolg zu unterminieren.»

Die Event AG hält die Hälfte der FC St. Gallen AG, in der auch die Publikumsaktionäre einen grossen Teil ausmachen. Ende 2019 war auch in der FC St. Gallen AG eine Kapitalerhöhung angekündigt gewesen. Diese wurde aufgrund der Coronakrise zurückgestellt. An der Generalversammlung vom 20. November soll sie aber neu beantragt werden. «Die Umsetzung der Kapitalerhöhung erfolgt, wenn sich die Lage mit der Pandemie weitestgehend normalisiert hat», heisst es beim Klub. Über allem stehe der Auftrag, den FC St. Gallen «sicher durch diese stürmischen Zeiten zu manövrieren».

Trotz Corona: Ein Gewinn für den FC St.Gallen

Der FC St.Gallen meldet, dass die wirtschaftliche Situation nach einem leicht positiven Halbjahresabschluss seit Ende Februar 2020 durch den coronabedingten Saisonunterbruch und wegen der Bundesmassnahme für Grossveranstaltungen stark beeinträchtigt worden sei. Trotzdem weist der Club einen konsolidierten Gewinn von 1,754 Millionen Franken aus. Die Verantwortlichen verweisen zum einen auf eine «unvergleichlich grosse» Solidarität von Fans und Sponsoren; zum anderen sei der Club sportlich erfolgreich, was zu höheren Zuschauereinnahmen und Rangprämien führe. Des Weiteren verzeichnet der FCSG Transfereinnahmen, und das Geschäftsmodell werde laufend optimiert, was Effizienz- und Kosteneinsparungen zur Folge habe und letztlich Arbeitsplätze sichere.

«Die Wirtschaft, aber auch die Swiss Football League und der FC St.Gallen befinden sich in einer anspruchsvollen und herausfordernden Lage», warnen die Verantwortlichen aber. Für die kommenden Jahre bestünden viele unbekannte Faktoren. Für den FCSG seien dies die Vorschriften in Bezug auf die Stadionnutzung, die Durchführung der laufenden Saison sowie die wirtschaftliche Entwicklung der Partner und Sponsoren. «Mit etwas Rückenwind, einem blauen Corona-Auge und grosser Zuversicht sind wir in die neue Saison 2020/21 gestartet.» Wirtschaftlich müssen man jedoch weiter optimieren, die Eigenkapitalstruktur stärken, jederzeit die Zahlungsfähigkeit und Liquidität sichern und gezielt Transfereinnahmen generieren, ohne den sportlichen Erfolg zu unterminieren. (dwa)