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DOPINGNATION: Viel Milde für Russland

Russland hat die olympische Familie in Sotschi betrogen. Dennoch scheint das IOC den Athleten eine goldene Brücke nach Pyeongchang zu bauen. Der Einfluss Russlands im Weltsport dürfte der Grund sein.
Jörg Mebus (sid)
Das russische Team an der Olympia-Eröffnungszeremonie 2014 in Sotschi. (Bild: Barbara Walton/EPA)

Das russische Team an der Olympia-Eröffnungszeremonie 2014 in Sotschi. (Bild: Barbara Walton/EPA)

Jörg Mebus (SID)

Fünf Monate vor den Winterspielen in Pyeongchang ist ein Start eines russischen Teams in Südkorea wahrscheinlicher denn je. Das ist das zentrale Ergebnis der IOC-Session in Lima, wo die wichtigsten Entscheidungsträger im Weltsport fleissig an einer goldenen Brücke für Russland nach Asien bauten. Jenem Russland, das vor knapp vier Jahren an den Heimspielen in Sotschi die olympische Familie schamlos betrogen hat wie nie jemand zuvor.

In Lima verankerte die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees Geldstrafen für Dopingsünder in der Verfassung. Kurz zuvor hatten erste Medien berichtet, dass sich das IOC wohl mit einer hohen Geldstrafe gegen Russland begnügen und auf einen Pyeongchang-Bann verzichten wolle. Zufall? Wohl kaum.

Auch Wada krebst zurück

Craig Reedie, der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und auch IOC-Mitglied, kritisierte die Forderung von 17 Nationalen Anti-Doping-Agenturen nach einer Verbannung aller Russen von den Spielen in Südkorea deutlich – eine Forderung, die die Wada vor den Sommerspielen in Rio noch höchstselbst gestellt hatte. Das Fundament für ein nachsichtiges Handeln gegenüber der Staatsdopingnation Russland ist also gelegt. Sollte das IOC, das noch in diesem Herbst entscheiden will, tatsächlich erneut Milde gegenüber Russland walten lassen, stellt sich die Frage: Warum riskiert das IOC, auch das letzte Stück seiner Glaubwürdigkeit zu verspielen?

In der Hängepartie rund um die russischen Athleten vor den Spielen in Rio kam das Gerücht auf, der russische Geheimdienst habe eine Akte mit belastendem Material über Präsident Thomas Bach und andere IOC-Grössen zusammengestellt. Wen das zu sehr an einen schlechten Krimi erinnert, für den könnte es wahrscheinlicher sein, dass die immense Macht von Wladimir Putin und seinen Gefolgsleuten im Weltsport der ausschlaggebende Faktor ist. Der russische Präsident begreift den Sport als grosse Werbemassnahme für sein Reich, entsprechend ernst nimmt er ihn.Wladimir Potanin, einer der reichsten Männer Russlands, gab im Frühling 2014 dem Forbes-Magazin einen Einblick in das Machtsystem. «Wenn du Geld für die Organisationen gibst, bedeutet das, dass du die Möglichkeit erhältst, Wettkämpfe durchzuführen und in Führungspositionen zu kommen.» Russland verschafft sich also zunächst Einfluss und erzeugt dadurch Abhängigkeit. Der Energie-Riese Gazprom gehört zu den Hauptsponsoren der Fussball-Verbände Fifa und Uefa. Neben Potanin, der für die Olympischen Spiele in Sotschi mehrere Hundert Millionen Euro in die Errichtung des Skiresorts Rosa Chutor pumpte, verpulvern weitere Oligarchen im Sinne von Mütterchen Russland und Väterchen Putin irrsinnige Summen auf der Spielwiese Sport. Alischer Usmanow, ein weiterer russischer Milliardär, ist Präsident des Welt-Fechtverbandes FIE. Russland hat derzeit drei IOC-Mitglieder, nur die Schweiz hat mit deren vier mehr. Nur zur Erinnerung: Bach muss sich 2021 zur Wiederwahl stellen.

Auch die Fifa hat Angst vor Russlands Macht

Dass die Fussball-WM 2018 trotz aller Skandale in Russland stattfinden wird, dafür ist auch Witali Mutko verantwortlich. Der mehr als umstrittene Vizepremier zieht jede Menge Strippen, obwohl er auf Initiative der hauseigenen Governance-Kommis­sion nicht mehr dem Fifa-Council angehören darf. Die Chef­aufseher, die dies zu verantworten hatten, wurden, nach nicht einmal einem Jahr im Amt, vom Hof gejagt. Fifa-Präsident Gianni Infantino und seine Generalsekretärin ­Fatma Samoura hatten zuvor versucht, die unabhängige Kommission vom Anti-Mutko-Kurs abzubringen, weil sonst laut Samoura «Infantinos Präsidentschaft in Frage gestellt» und die WM 2018 in Russland «zum Desaster» würde. Auch in der Fifa ist die Angst vor Russlands Macht gross. Auch ihr ist Machtkalkül wichtiger als Inte­grität.

Der Schwimm-Weltverband Fina ehrte Putin 2014 mit dem höchsten Orden des Verbandes, kurze Zeit nach der Annexion der Krim. Im Judo-Weltverband IJF ist Putin Ehrenpräsident. Chef des Verbandes ist der Ungar Marius Vizer, ein enger Vertrauter des Kreml-Chefs. Und kurz vor der Session in Lima brachten die Schweizer IOC-Mitglieder René Fasel und Gian Franco Kasper im Falle einer Eskalation des Atomstreits auf der koreanischen Halbinsel einen interessanten Ersatz-Gastgeber ins Spiel: Sotschi!

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