DOPING IM BOXSPORT: Schwergewichts-Profiboxen mit akutem Doping-Problem

Das Schwergewichts-Profiboxen bekundet ein akutes Doping-Problem. Der Schweizer Arnold Gjergjaj bezwang schon mehrere gedopte Gegner.

Richard Stoffel/sda
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Gjergjaj befürwortet strengere Doping-Kontrollen im Profiboxen. (Bild: Jeystone)

Gjergjaj befürwortet strengere Doping-Kontrollen im Profiboxen. (Bild: Jeystone)

Prominente Fälle gab es innerhalb der letzten Monate zuhauf. Im Schwergewicht wurden zuletzt der letztjährige Europameister Erkan Teper aus Deutschland, Lucas Browne (nach WBA-WM-Titelgewinn) sowie Alexander Powetkin nach Titelkämpfen jeweils überführt. In der Mehrheit der Fälle wurde mit Steroiden versucht, die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Ob es bei Powetkin «nur» das in Russland flächendeckend eingesetzte Meldonium gewesen sein soll, ist zudem ungewiss.

Die positiven Testergebnisse wurden teilweise erst nach Monaten oder noch später veröffentlicht - wenn überhaupt. Bei Powetkin, 2000 in Sydney Olympiasieger und 2013 erfolgloser Herausforderer des langjährigen Schwergewichts-Champions Wladimir Klitschko, wurde erst in diesen Tagen vom WBC die positive Probe nach dessen letzten Kampf vom April 2015 bekannt gegeben. Damals hatte der Russe in einem Fight um den sogenannten WBC-Silbergürtel den Polen Mariusz Wach vorzeitig besiegt. Jener Wach, der einst selbst in der Doping-Probe eines WM-Kampfes (2014) gegen den langjährigen Champion Wladimir Klitschko wegen Steroiden hängen geblieben war.

Tagwach-Dopingkontrolle für Gjergjaj
Der WADA-Code wird bei den führenden Profibox-Weltverbänden, aber auch bei Kontinental- und Landesverbänden so gut wie nicht übernommen. Doping-Kontrollen gibt es fast ausschliesslich nur bei Titelkämpfen. Zusätzliche Trainingskontrollen von nationalen Anti-Doping-Agenturen wie in der Schweiz bilden die Ausnahme.

Eine Doping-Abschreckung existiert im Profiboxen de facto nicht. Denn Sperren gelten beim einen oder anderen Verband teilweise gar nur für dessen internationale Titelkämpfe.

Der Schweizer Arnold Gjergjaj hat im Verlaufe seiner Karriere als Profi (29:0 Siege, 21 vorzeitig) schon selbst gegen drei nachweislich gedopt gewesene Gegner gekämpft, zwei davon in seinen letzten beiden gewonnen Kämpfen um den EM-Titel der Nicht-EU-Staaten. Sowohl der Russe Dennis Bachtow (Leistungsförderer Methylhexaneamine) als auch der Bosnier Adnan Redzovic (Anabolika), ein alter Kumpel des kürzlich gleich gelagert in die Doping-Schlagzeilen geratenen deutschen WBA-Supermittelgewichts-Weltmeisters Felix Sturm, verloren gegen Gjergjaj den Titelkampf dennoch.

Redzovic wurde beispielsweise von Anfang Oktober 2014 vom europäischen Profiboxverband (EBU) für zwei Jahre gesperrt, bestritt aber bereits im Mai 2015 in Frankfurt wieder einen offiziellen Profiboxkampf.

Gjergjaj: «Ich fand es damals gegen Redzovic schon seltsam, als er nach der 3. Runde nach einem Niederschlag langsam aufgestanden war und dann plötzlich noch stärker als zuvor in den Kampf zurückkam. Doch in der 9. Runde traf ich ihn so hart, dass er sich nicht mehr bewegen konnte.»

Gjergjaj befürwortet strengere Doping-Kontrollen im Profiboxen. «Denn ein gedopter Boxer erschleicht sich nicht nur körperlich, sondern auch mental einen Vorteil.»

Dass die strengere Kontroll-Praxis hierzulande ausgerechnet Gjergjaj selbst trifft, weiss er als Schweizer Spitzensportler schon länger. Unlängst wurde Gjergjaj um 6.00 Uhr morgens daheim in Pratteln zur Trainingskontrolle gebeten. Nicht unbedingt zur Freude von seinem Trainer und Manager Angelo Gallina, da am gleichen Tag im Sparring ein knallharter Auslastungs-Tag im Programm stand.