Dopen nutzlos im Fussball? Wer's glaubt.

Nun kommt es für den VfB Stuttgart knüppeldick.

Christian Brägger
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Nun kommt es für den VfB Stuttgart knüppeldick. Als wären der letzte Rang in der Bundesliga und der drohende Abstieg nicht schon schlimm genug, hat eine 2007 einberufene Expertenkommission herausgefunden, dass im Club in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren mit verbotenen Substanzen der Leistung auf die Sprünge geholfen worden sein soll. Auch Freiburg, der zweite Verein der Region, ist mit dem selben Vorwurf konfrontiert. Dies ergab das langjährige Aktenstudium über die sportmedizinische Abteilung der Universität Freiburg, welche die beiden Bundesligaclubs über all die Jahre medizinisch betreute – oder gar versorgte.

Der frühere Stuttgarter Nationalspieler Karlheinz Förster sagte daraufhin, dass es damals in seiner Karriere Momente gegeben hätte, in denen man als Spieler dem Körper Unvernünftiges antat. Doch was heisst schon unvernünftig: Fitspritzen? Schmerzmittel? Oder eben leistungsfördernde Mittel?

Robin Dutt, der Sportchef der Stuttgarter, bezeichnet jedenfalls Doping im Fussball als «nicht effektiv». Ein Profi wäre dumm, würde er versuchen, seine Leistung zu optimieren. Weil es bei dieser Misch-Sportart schlichtweg nichts nütze. Dumm ist aber vielmehr Dutts Aussage. Denn überall, wo geschwitzt wird, wo Fitness, Kraft, Ausdauer und auch Konzentration über längere Zeit vonnöten sind, kann Doping helfen. Und was dem Radsportler so vertraut ist, muss das dem Fussballer so fremd sein?

Jürgen Klopp, der Dortmunder Trainer, ging gar noch einen Schritt weiter: «Wenn die Spieler etwas gekriegt haben, dann haben sie es sicher nicht gewusst.» Aha. So war das also: Der Fussballer als fremdgesteuertes, unmündiges Objekt, der das tut, was ihm geheissen wird. Ansonsten heisst es einfach Maul halten und spielen.

christian.braegger@tagblatt.ch

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