Dompteur ohne Peitsche

Anders Eldebrink steht vor der schwierigsten Aufgabe seiner Karriere. Er muss die taumelnde Mannschaft von Rapperswil-Jona in der höchsten Liga halten. Kraft sucht der Trainer in der Ruhe.

Matthias Hafen/Rapperswil-Jona
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EISHOCKEY. Der Zirkus hat in Rapperswil-Jona Tradition. Am oberen Zürichsee startete schon manche Dompteurenkarriere. Wer das Premierenpublikum überzeugt, darf mit dem heimischen Circus Knie auf Tournée. Im Eishockey ist Rapperswil-Jona hingegen kein Massstab. Und doch muss sich Anders Eldebrink in diesen Tagen vorkommen, als wäre er im Zirkus: mitten in der Manege, während um ihn herum unzählige Schimmel wild im Kreis herumlaufen.

NLB-Leihgaben und Junioren

45 Spieler hatte Rapperswil-Jonas Trainer in dieser Saison schon unter sich. Die Mannschaft, mit der er aktuell gegen den Abstieg kämpft, hat nicht mehr viel mit jener zu tun, die er noch beim Saisonstart zur Verfügung hatte. Zum einen musterte Eldebrink mit Robbie Earl, Duri Camichel, Franco Collenberg und Loïc Burkhalter selber Spieler aus, die nicht nach seiner Pfeife tanzten. Zum anderen blieben die St. Galler vom Verletzungspech nicht verschont. So griff Rapperswils Coach im vierten Playout-Spiel gegen Biel am Dienstag gezwungenermassen auf sieben Leihspieler aus der NLB sowie zwei Junioren zurück.

«Ich hatte praktisch eine neue Mannschaft», sagte Eldebrink nach der 3:4-Niederlage. In der wichtigsten Phase der Saison steht ihm nur noch ein Flickwerk zur Verfügung. Wenn man Eldebrink fragt, wonach er sich aktuell sehne, dann erzählt er von seinen Klotener Zeiten. Drei Jahre lang habe er dort fast mit den gleichen Linien gespielt. Schön sei das gewesen. Diese Kontinuität strebt er auch bei Rapperswil-Jona an. Doch dafür standen ihm bisher der stete Abstiegskampf und das knappe Budget im Weg.

Lob statt Kritik für die Spieler

Immerhin: Selbst nach Biels 2:2-Ausgleich in der Playout-Serie blieb der Trainer ruhig, lobte seine Spieler, anstatt sie zu kritisieren. «In den entscheidenden Momenten ruhig zu bleiben, war schon als Spieler meine Stärke», sagt er. Mit diesem Rezept will Eldebrink sein Team heute in Biel wieder auf die Siegerstrasse bringen. Denn auch in der Manege bringt man die Schimmel nur mit Ruhe unter Kontrolle.

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