DOMPTEUR: «Hinten dicht, vorne schnell»

Werner Bösch, der Trainer des Handball-Rekordmeisters LC Brühl, bändigt seit 2015 einen Haufen Verrückter. Die St. Gallerinnen spielen fast schon so, wie es sich der Trainer vorstellt.

Daniel Good
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Werner Bösch coacht Brühl am St. Galler Stadtwerk-Cup: Nur wenig fehlte zum Turniersieg. (Bild: Urs Bucher)

Werner Bösch coacht Brühl am St. Galler Stadtwerk-Cup: Nur wenig fehlte zum Turniersieg. (Bild: Urs Bucher)

Interview: Daniel Good

Beinahe wäre es dem LC Brühl am Wochenende gelungen, zum ersten Mal das clubeigene Turnier mit internationalen Spitzenteams für sich zu entscheiden. Im Final des seit 1986 ausgetragenen Stadtwerk-Cups unterlagen die St. Gallerinnen dem Bundesligaverein aus Metzingen bloss mit einem Tor Differenz.

Werner Bösch, wann gewinnt Brühl den Stadtwerk-Cup zum ersten Mal?

Ehrlich gesagt, ich hoffe nie. Das Turnier findet unter dem Motto «internationaler Spitzenhandball» statt. Von diesem Niveau sind wir doch weit entfernt.

Am Sonntag fehlte aber nicht viel im Final gegen einen Club aus der Bundesliga.

Logisch hatten wir so gute Chancen wie noch nie, erstmals zu gewinnen. Es hätte aber auch anders herauskommen können. Viel fehlte nicht und wir wären möglicherweise nur Vierter geworden.

Als Standortbestimmung kam Ihnen der Stadtwerk-Cup sicher recht. Sie haben hohe Ziele in dieser Saison. Wo sehen Sie sich im nationalen Vergleich?

Wir sind auf einem guten Weg, auch wenn noch einige Arbeit auf uns wartet. Wenn wir das Maximum aus uns herausholen, können wir die Meisterschaft und den Cup gewinnen. Die entscheidenden Spiele im Cup finden im Februar statt, der Playoff-Final im Mai. Da bleibt uns noch etwas Zeit für die Feinabstimmung.

Schon Anfang Jahr stehen mit den Auswärtspartien gegen Titelverteidiger Nottwil und Zug wichtige Spiele in der NLA auf dem Programm.

Ich freue mich auf diese Gradmesser. Fast alle unsere Spielerinnen sind fit. Ich denke, mit Leistungen wie am vergangenen Wochenende haben wir gute Chancen. Am Stadtwerk-Cup spielten wir gegen Teams mit zahlreichen Profis.

Sie sagten einmal, Sie hätten es als Trainer des LC Brühl mit einem Haufen Verrückter zu tun. Wie arbeiten Sie?

Es warten immer neue Herausforderungen auf den Trainer. Den älteren Spielerinnen, die fast meinen Jahrgang haben, erkläre ich, weshalb wir dies und das tun. Wenn sie es nicht verstehen, können sie mich fragen. Aber erst nach dem Training. Es ist eine coole Aufgabe mit Spielerinnen mit viel Qualität.

Sie sind im Sommer des vergangenen Jahrs mit einem Dreijahresplan angetreten mit dem Ziel, 2018 wieder Meister zu werden. Hat sich der LC Brühl entwickelt, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Wir spielen immer mehr so, wie ich mir guten Handballsport vorstelle: Hinten dicht, vorne schnell. Mit dem Plan, Meister zu werden, ist es immer so eine Sache. Wenn die Konkurrenz investiert wie möglicherweise Nottwil, wird es schwierig, den Plan umzusetzen. Die Vereinsführung muss sich die Frage stellen, ob der LC Brühl dagegenhalten will oder weiterhin auf junge Spielerinnen setzt. Will man unbedingt den 30. Meistertitel oder bleibt man ein Ausbildungsclub?.

Können Sie sich vorstellen, über 2018 hinaus Cheftrainer des LC Brühl zu sein?

Ja. Ich arbeite gerne mit jungen Spielerinnen. Es hängt aber von Perspektiven ab. Wo will sich der Verein mittelfristig positionieren?

Sie sind seit einigen Jahren auch Betreuer der Schweizer U16- und U18-Auswahl. Wo steht der Schweizer Frauenhandball im internationalen Vergleich?

Wir haben einen kleinen Schritt nach vorne gemacht. Aber es fehlt immer noch sehr viel. Und daran ist mittelfristig nichts zu ändern. Wenn eine Spielerin ins Ausland geht, muss sie auch auf Einsatzminuten kommen. Sonst nützt das nicht viel.