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Dompteur Favre

Sie passen zusammen wie die Faust aufs Auge. Aber sie harmonieren. Im französischen Fussball sind Trainer Lucien Favre und Stürmer Mario Balotelli in Nizza ein Erfolgsduo.
Daniel Good

Morgen bestreitet Nice daheim gegen den Champions-League-Teilnehmer Lyon das Spitzenspiel in der Ligue 1. Die Mannschaft aus Nizza ist nach acht Runden Leader. Diese Entwicklung ist erstaunlich, offenbart aber einmal mehr die Qualitäten des Trainers Lucien Favre, der seit Sommer in Nizza unter Vertrag steht. Denn nach der vergangenen Saison musste Nice mit Hatem Ben Arfa seinen besten Spieler an den Serienmeister Paris St-Germain abgeben – und als Ersatz kam der verrückte und kaum zu bändigende Mario Balotelli. Aber es läuft. Nice siegt, und Balotelli trifft. Bereits sechsmal in dieser Saison. Schon im ersten Saisonspiel erzielte er zwei Tore.

Der Rüpel und der Gentleman

Favre ist ein Monsieur vom Scheitel bis zur Sohle, Balotelli ein Rüpel. Der Schweizer legt Wert auf Tugenden wie Anstand, Pünktlichkeit, Teamgeist und Ehrlichkeit. Balotelli ist ein Ausbund an Arroganz und wartet mit Extravaganzen auf, die es im Sport noch nie gab. Der Italiener verjubelte schon mehr Geld als manch exaltierter Sohn eines Ölscheichs. Den Teamkollegen geht er auf den Geist, die Trainer verzweifeln an ihm. Auch Jürgen Klopp, der auch Sozialpädagoge hätte werden können, kam in Liverpool nicht zu Rande mit dem 26-Jährigen, der einer der Grössten im Weltfussball sein könnte.

Nach dem Aus in Liverpool war Balotelli im Sommer ohne Club. Niemand wollte sich die Finger verbrennen am Mann, der aus Langeweile die Junioren von Manchester City mit Dartpfeilen bewarf. Balotelli liess sich auch schon mit dem Taxi von London nach Manchester bringen, weil er Angst hatte, sich zu verfahren. Dies sind Eskapaden der freundlicheren Sorte. 2012 trat Balotelli einem Gegenspieler, der am Boden lag, absichtlich auf den Kopf.

In Südfrankreich führt er sich nun aber fast wie ein Lamm auf. Vor einer Discothek krachte er zwar mit einem Bentley in einen Pfosten. Aber das Auto gehörte seinem Agenten Mino Raiolo, der mit dem Transfer von Paul Pogba zu Manchester United einmal mehr sehr viel verdient hat.

Auf dem Rasen ist Balotelli ein Gewinn, auch wenn Favre vom Transfer der Wundertüte nicht begeistert war. Der prominente Schützling ist noch nicht fit, zudem fehlt Balotelli nach dem missglückten Gastspiel in Liverpool die Spielpraxis.

Der Spieler ist unberechenbar

Aber Balotelli, der 33fache Nationalspieler, hat Klasse. Und Favre ist bereit, Geduld aufzubringen. Er werde Balotelli jede Bewegung und jeden Laufweg erklären, sagte der 58jährige Schweizer. Man erhält den Eindruck, Favre sei als Erster in der Lage, Balotelli auf den richtigen Weg zu führen. Aber der Spieler ist unberechenbar. Die Idylle in Nizza ist spätestens dann in Gefahr, wenn wieder Angebote von grossen Clubs für Balotelli kommen.

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