Disneyland macht halt im Bergdorf

Die Welt des Langlauf-Weltcups ist eine kleine und leise. Zumindest, wenn man sie mit der Welt des Alpinsports oder gar einer Weltsportart wie Fussball vergleicht.

Ralf Streule
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Die Welt des Langlauf-Weltcups ist eine kleine und leise. Zumindest, wenn man sie mit der Welt des Alpinsports oder gar einer Weltsportart wie Fussball vergleicht. Und dennoch: Wenn die kleine Langlauf-Welt in die noch kleinere Welt des schmalen Val Müstair einbricht, bietet sich ein besonderes Schauspiel. Das Dorf Tschierv, bestehend aus wenigen Engadinerhäusern, einem Schulhaus und einer Steinkirche, wird während des Tour-de-Ski-Sprints in eine Art winterliches Disneyland verwandelt. An hohen Kränen sind Drahtseile für eine fahrbare Kamera aufgespannt. Kommentatorenhäuschen stapeln sich neben dem Bergbach, Scheinwerfer leuchten am helllichten Tag Interview-Plattformen aus. Daneben, auf dem kleinen Fussballplatz vor dem Chasa Cumünala, reihen sich klobige Wachs-Trucks der Norweger, Schweden und anderer Nationen. Dazwischen lockern Athleten auf Spinning-Rädern die Beine, das ganze hinterlegt mit Sound aus vielen Lautsprecherboxen.

Doch der Ausnahmezustand beginnt bereits am Morgen in Zernez im Engadin: Hier nehmen Dutzende Postautos die Zuschauer aus dem Unterland auf, kurven über den Ofenpass, ins abgelegene Tal, wo man gewöhnlich nur hinkommt, wenn man zu einer Wanderung in den Nationalpark aufbrechen will.

Trotz allem: Den Berghütten-Charme hat der Langlaufanlass an vielen Ecken behalten können. Zum Beispiel im Festzelt, wo Volksmusik aus dem nahen Südtirol ertönt. Und ankündigt, wohin das Disneyland der Langläufer als nächstes zieht.