Der Herr der Ringe reist direkt aus der Quarantäne nach Tokio

IOC-Präsident Thomas Bach besucht erstmals seit dem Coronaausbruch die Olympiastadt in Japan. In den verbleibenden neun Monaten bis zur vorgesehenen Eröffnung der Sommerspiele verbleibt trotz grosser Zuversicht in der Olympischen Machtzentrale viel Ungewissheit.

Rainer Sommerhalder
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Die neue Realität auch für IOC-Präsident Thomas Bach: ein getrübter Blick hinter der Maske.

Die neue Realität auch für IOC-Präsident Thomas Bach: ein getrübter Blick hinter der Maske.

Andrew Medichini / AP

Demonstrativ zeigt sich Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, selbst an der virtuellen Pressekonferenz mit Maske im Gesicht. Die grossen Sportverbände muss niemand lehren, welche Symbolkraft Bilder haben. Und deren Chefs wissen genau, wie sie beim Gefolge punkten können: mit dem grosszügigen Verteilen von Geld.

So lautete Bachs wichtigste Botschaft aus der Sitzung der IOC-Führung, dass das Olympische Solidaritätsprogramm seine Ausschüttungen an Athleten und nationale olympische Komitees wie Swiss Olympic für die kommende Vierjahresperiode trotz Coronakrise um 16 Prozent auf 590 Millionen US-Dollar erhöht. Direkt an die rund 25000 unterstützten Athletinnen und Athleten weltweit gehen sogar 25 Prozent höhere Zuschüsse.

Auf Interesse stiess diese Meldung in der anschliessenden Fragerunde nicht. Hier waren andere Themen im Fokus, allen voran die Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Auch für Bach steht derzeit Japans Hauptstadt im Zentrum, denn seit einer Woche befinden sich er und wenige weitere IOC-Mitarbeitende in Lausanne in einer Art selbst auferlegter Quarantäne. Ab Sonntag steht ein viertägiger Besuch eines kleinen Teams aus der Olympischen Schaltzentrale in Tokio an – der erste von Bach seit Ausbruch der Pandemie. Auf die Frage, ob im Austausch mit den japanischen Organisatoren und Behörden auch eine Absage der Spiele erörtert werde, antwortete der Deutsche mit einem entschiedenen «Nein!».

Die Planungen zeigen in eine ganz andere Richtung. Am Samstag fand mit einem Wettkampf der besten 30 Kunstturner aus Japan, den USA, Russland und China erstmals seit Beginn der Coronakrise ein internationaler Sportanlass im Olympialand statt. Und dies erst noch vor 2100 Zuschauern.

Japan plant auch mit ausländischen Zuschauern

Das IOC ist überzeugt, dass man den Sportlern im kommenden Juli dank einer grossen Toolbox von Massnahmen gegen das Virus «die Teilnahme in einer sicheren Umgebung» bieten kann. Japans Regierung erwägt sogar, die geltende 14-tägige Quarantäne für alle Reisende aus dem Ausland für das Olympiapublikum aufzuheben. Ob selbst Zuschauer aus Risikoländern zugelassen werden sollen, wird ebenfalls diskutiert.

Die derzeitige Realität bietet allerdings noch die eine oder andere Herausforderung. Japan hat gestern mit 1173 Fällen die höchste Anzahl Ansteckungen seit Mitte August verzeichnet. Rund ein Drittel dieser positiven Tests ereignete sich in der Hauptstadt. Das Land steht, trotz nach wie vor verhältnismässig tiefen Ansteckungszahlen, vor einer dritten Welle nach April und August. Und die gerade weltweit steigenden Zahlen führen zu weiteren Schwierigkeiten beim Qualifikationsprozess der Sportler. Noch immer sind 43 Prozent der Quotenplätze für Olympia nicht vergeben. Erst am Dienstag musste die Weltmeisterschaft der Ringer in Belgrad abgesagt werden, weil zu wenig Athleten überhaupt anreisen können. Der Weg nach Tokio bleibt zumindest für die Teilnehmenden ziemlich weit.

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