Diplomat als Obmann

Nach den Dauerquerelen im Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) soll nun Mario aus der Melser Schwingerfamilie John wieder für Ruhe im Sägemehl verantwortlich sein und im März 2012 den oft als Polterer betitelten Ernst Schläpfer als Obmann zumindest bis 2014 interimistisch ablösen.

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NOS Praesident Mario John posiert am 13. August 2010 zu Hause in Chur. Bild Nadja Simmen

NOS Praesident Mario John posiert am 13. August 2010 zu Hause in Chur. Bild Nadja Simmen

Nach den Dauerquerelen im Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) soll nun Mario aus der Melser Schwingerfamilie John wieder für Ruhe im Sägemehl verantwortlich sein und im März 2012 den oft als Polterer betitelten Ernst Schläpfer als Obmann zumindest bis 2014 interimistisch ablösen. «Ich traue mir zu, den Verband mit Unterstützung durch den Zentralvorstand führen zu können», gibt sich der 56jährige Präsident des Nordostschweizer Schwingerverbandes (NOS) vor dem Kampf mit den Bösen aus den andern Teilverbänden zuversichtlich.

Schläpfer Ernst aus Wolfhalden und John Mario liegen altersmässig nur ein Jahr auseinander. Dadurch trafen sie schon als Jungschwinger mehrmals aufeinander. Die Rollen waren immer klar verteilt. Als Bub konnte der kleine Mario gegen den kräftigeren Ernst zweimal stellen, danach verliefen die sportlichen Karrieren ziemlich unterschiedlich. Dem durchschnittlich begabten St. Galler gelang gegen den dominanten Appenzeller kein Sieg. Der eine sicherte sich in der Folge zweimal den königlichen Muni, der andere gewann insgesamt 32 Kränze. «Wir haben uns aber immer gut verstanden. Ich hoffe, das bleibt so», sagt der Dauerverlierer in den selten brisanten Vergleichen.

Verantwortung übernehmen

Doch weil man sich im Leben bekanntlich meistens zweimal trifft, wird künftig vieles anders sein. John Mario, dessen Bruder Manfred die Nordostschweizer bis 2002 präsidiert hatte, dürfte im Nationalsport den Chefposten übernehmen. «Ich wäre gerne NOS-Präsident geblieben. Aber ich habe den Rekurs von Jörg Abderhalden mitgetragen und bin bereit, dafür Verantwortung zu übernehmen.» An jener Sitzung des Zentralvorstandes, die Schläpfer Ernst zum Rücktritt bewog, hatte sich John Mario wie vier seiner Kollegen gegen den gewichtigen Obmann gestellt. Thema war der Vergleich mit Abderhalden Jörg, der nun dem Verband zehnmal zur Verfügung stehen muss. Es habe keine andere Lösung gegeben, so John.

Als lösungsorientierter Diplomat mag er den Hinweis, er werde sowieso gewählt, weil sich mit den möglichen Obmann-Anwärtern kein Schwingerstaat bilden lasse, nicht kommentieren. Vor allem will er aber nicht die «Brutus»-Rolle übernehmen. Schläpfer Ernst steht bei ihm weiter hoch im Kurs. Den Eindruck, er hätte sich im Familienstreit mit Abderhalden Jörg verbündet und dessen nicht unbestrittenem Götti bildlich gesprochen den Dolchstoss verpasst, scheut John wie die Traditionalisten unter den Schwingern das Sponsoring. «Es entstünde ein völlig falsches Bild. Ich habe mich nicht gegen Ernst ausgesprochen, sondern in einer Sachfrage aus Überzeugung anders gestimmt. Und wurde wie viele von seiner Reaktion überrascht.»

Werbung soll dezent bleiben

Der mögliche Neue weiss genau, dass der Alte wegen seiner unbestrittenen Verdienste für das Schwingen viele in der Sache gleichdenkende Anhänger im Schlepptau hat. Auch unter seiner Führung werden die Werbemöglichkeiten limitiert bleiben und in der Arena keine Logos zu sehen sein. Aber er wird wegen seiner Ruhe, der Fähigkeit, zuhören zu können und des kommunikativen Stils anders wahrgenommen als Schläpfer Ernst. Dass sich der Vorgänger beim Nachfolger schon kollegial per Mail gemeldet hat, stimmt John Mario positiv. (uhu) sport 19