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«Wir sind nicht beim Fussball»: Dieser homosexuelle Schiedsrichter ist eine Kultfigur im Rugby – und er gibt den Spielern den Tarif durch

An den derzeit laufenden Six Nations ist Nigel Owens eine Kultfigur. Der homosexuelle Referee wird von allen Seiten für seine deutlichen Ansagen geschätzt. Er hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich.
Sergio Dudli
Nigel Owens steht derzeit an den Six Nations im Einsatz. (Bild: EPA)

Nigel Owens steht derzeit an den Six Nations im Einsatz. (Bild: EPA)

1996 wollte sich Nigel Owens das Leben nehmen. «Hätte mich die Polizei nicht so schnell gefunden, wäre ich an der Überdosis gestorben», sagt der heute 47-Jährige. Den Grund für seinen Selbstmordversuch verschwieg er. «Neun Jahre später habe ich mich getraut, meiner Mutter und meinen Freunden zu erzählen, dass ich homosexuell bin.»

Die ganze Welt hört ihm zu

2007 wagte der Rugby-Schiedsrichter den Gang an die Öffentlichkeit. Ein homosexueller Referee in einem Sport, in dem muskelbepackte, bärtige Hünen um einen Ball kämpfen? Das ruft selbst im 21. Jahrhundert noch Kritiker auf den Plan. Aber Owens sagt:

«Ich kann es nicht in Worte fassen, wie gut mein Outing aufgenommen wurde. Für die Menschen im Rugby spielt meine Sexualität keine Rolle.»

Er habe sich wie neu geboren gefühlt – elf Jahre nach dem Versuch, sich das Leben zu nehmen. Owens fühlt sich akzeptiert, die Spieler schätzen ihn für seine Ehrlichkeit. «Du darfst als homosexueller Schiedsrichter nie den Humor verlieren und musst auch mal über dich selbst lachen können», schrieb Owens einst in der englischen Zeitung «Independent».

«Du bist so oder so hässlich»

Um die Aussage zu unterstreichen, bediente er sich einer Anekdote. «Einmal wollte ich in die Garderobe. Einer der Spieler war noch nackt. Er meinte, jetzt müsse er sich etwas anziehen. Ich antwortete, dass es für mich keine Rolle spiele. Er sei so oder so hässlich.» Die ganze Kabine habe gelacht. «Und genau so muss es sein», sagt Owens, der in diesen Wochen an den Six Nations, der inoffiziellen EM, im Einsatz steht.

Auf dem Feld ist Owens für seine lockeren Sprüche bekannt. Im Rugby sind die Schiedsrichter verkabelt, die TV-Zuschauer bekommen vieles mit. Im Gegensatz zu anderen Sportarten gilt der Referee als unantastbar, reklamierende Spieler sind rar. «Wir sind nicht beim Fussball» – dieser Satz ist zu Owens Markenzeichen geworden. «Rugbyspielern haftet das Macho-Image an. Aber unser Sport ist einer für Gentlemen», so der Waliser.

Owens beste Sprüche

Auf dem Feld ist der Schiedsrichter im Rugby eine Respektsperson. Daher kann er sich auch erlauben, deutliche Ansagen zu machen - wie diese sechs Zitate von Nigels Owens beweisen:

Am liebsten teilt der Waliser gegen den Fussball aus. Immer wieder zieht er Vergleiche mit dem für seine verweichlichten Spieler bekannte Sportart:

«Wenn ich nochmals so eine Schwalbe sehe, kannst du in zwei Wochen wiederkommen. Dann findet hier ein Fussballspiel statt. Also pass auf!»

Im Rugby gilt es als Unding, sich verbal mit dem Schiedsrichter anzulegen. Bei wiederholtem Beklagen kann Owens deutlich werden:

«Bei deiner nächsten Reklamation verwarne ich dich. Wir sind nicht beim Fussball, ist das klar?»

Rugby ist für seinen harten, aber stets fairen Körpereinsatz bekannt. Es wird auch seitens der Referees stets darauf geachtet, dass es zur Sache geht:

«Wenn ihr kuscheln wollt, macht das nach der Partie. Bis dahin spielen wir weiter Rugby.»

Zwei-Meter-Schränke mit gut und gerne 150 Kilogramm Kampfgewicht - das ist Rugby. Dennoch macht Owens klar, dass er der Chef ist:

«Ihr seid alles erwachsene Männer. Aber ich behandle euch nur so, wenn ihr euch entsprechend verhaltet.»

Schiedsrichter gelten als unantastbar, ihre Entscheidungen werden respektiert. Trifft ein Akteur den falschen Ton, kriegt er das zu hören:

«Wenn du so mit mir redest, wirst du bald kein Teil dieses Spiels mehr sein. Und jetzt geh! Ich will nichts mehr von dir hören.»

Owens teilt aber nicht nur aus, sondern beweist immer wieder, dass er auch über sich selbst lachen kann:

«Für mich stand immer fest, dass ich Referee werde. Ich war schon in der Schule unbeliebt.»

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