Diese Ignoranz hat der Giro nicht verdient

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Der Giro d’Italia ist spektakulärer als die Tour de France. Viele Leaderwechsel, Favoriten in der Offensive und in der Krise, Passfahrten auf fast 3000 Meter und nicht absehbare Umstürze prägen das Velorennen durch Italien. Im Vergleich zum Giro ist die Tour de France eine monotone Angelegenheit. Der Favorit der Tour durch Frankreich hat immer eine Mannschaft, die so stark ist, dass sie alle Angriffe auf ihren Captain im Keim erstickt. Chris Froome wird die Tour de France deshalb auch in diesem Jahr gewinnen. Der Brite greift nie an. In den Bergen hält er den Schaden im Rahmen, in den Prüfungen gegen die Uhr verschafft er sich die entscheidende Differenz.

Auch der 100. Giro d’Italia, der gestern zu Ende ging, war sehenswert. Zumal das italienische Staatsfernsehen RAI «sein» Rennen meisterhaft inszeniert. Aber ausserhalb Italiens ist das Interesse an der zweitwichtigsten Rundfahrt sehr dürftig.

Es liegt nicht an der Sportart. Die Tour de France hatte im vergangenen Jahr weltweit fast dieselbe Beachtung wie die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Die Tour de Suisse war 2016 auf Google die am häufigsten gesuchte Schweizer Veranstaltung. Der Radsport ist mithin keine Randerscheinung, auch wenn das Interesse vorwiegend von den älteren Semestern ausgeht.

Der Giro d’Italia ist ein Opfer der Allmacht der Tour de France, deren Organisatoren im globalen Radsport mehr zu sagen haben als der internationale Verband. Der Sieger von Paris–Roubaix ist populärer als der Gewinner des Giro d’Italia. Wer richtet den Kopfsteinklassiker aus? Richtig, die Amaury Sport Organisation, der Veranstalter der Tour de France. Seite 10

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