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Achtelfinal oder Heimreise: Die Zeit der Spielereien

Die Schweizer Fussballnationalmannschaft schliesst heute mit der Partie gegen Costa Rica die WM-Gruppenphase ab. Sie soll nur ein Zwischenstopp sein auf dem Weg zu höheren Zielen – Ausblick erlaubt.
Etienne Wuillemin, Nischni Nowgorod
Die Schweizer Nationalmannschaft während des Abschlusstrainings im Stadion von Nischni Nowgorod. (Bild: Laurent Gillieron/KEY)

Die Schweizer Nationalmannschaft während des Abschlusstrainings im Stadion von Nischni Nowgorod. (Bild: Laurent Gillieron/KEY)

So viel Ehrlichkeit muss sein: Valon Behrami setzt eine ernstes Gesicht auf. Und sagt: «Es ist wichtig, sich mit der Geschichte der letzten Tage etwas vertiefter auseinanderzusetzen. Wir müssen darüber reden. Aber jetzt ist nicht die Zeit dafür.» Die Geschichte der letzten Tage? Der ausschweifende Jubel mit dem Doppeladler. Wofür jetzt Zeit sein sollte? Schweizer Fussball-Geschichte schreiben an der WM!

Die Schweizer sind in Nischni Nowgorod angekommen. Ein Zwischenstopp soll die Stadt nur sein auf dem Weg zu höheren Zielen. Es ist deutlich zu spüren: Die Qualifikation für den Achtelfinal stellt nach diesem tollen WM-Auftakt (1:1 gegen Brasilien, 2:1 gegen Serbien) niemanden mehr zufrieden. Auch wenn Vladimir Petkovic nicht mehr ganz so forsch vom «Ziel Viertelfinal» reden mag wie noch vor der Begegnung mit der Seleção. Vor dem letzten Gruppenspiel ist auch die Zeit der kleinen Spielereien. Auf welchen Gegner könnte die Schweiz im Achtelfinal treffen? Mexiko? Oder doch Deutschland? Es ist gewiss kein Nachteil, dass schon vor dem Anpfiff des letzten Gruppenspiels gegen Costa Rica klar ist, welchen Rivalen den Sieger und den Zweiten der Schweizer Gruppe erwartet. Dass ein Achtelfinal gegen Mexiko für die Schweiz aussichtsreicher wäre als einer gegen Deutschland, versteht sich von selbst.

Grosse Figuren, grosses Rätsel

Vier Schweizer Spieler sind mit einer gelben Karte vorbelastet. Stephan Lichtsteiner, Fabian Schär, Xherdan Shaqiri und Behrami. Bei einer weiteren Verwarnung wären sie in der nächsten Partie gesperrt. Erst nach dem Viertelfinal werden die einzelnen gelben Karten gelöscht. Frage an Behrami: Wenn Sie Trainer wären, würden Sie sich selbst einsetzen? «Ich kann nur eines sagen: Wenn ich Trainer wäre, hätte ich mit dem Spieler Valon Behrami wohl meine liebe Mühe.» Behrami lacht. Er lacht gerne über sich selbst. Dann schiebt er nach: «Ich will immer dabei sein. Und wenn ich dabei bin, denke ich nur an den Moment. Wenn ich Gelb kriege, ist das egal. Ich kann nicht im Kopf haben, was später passiert. Das sollte überhaupt niemand haben.» Es ist nicht auszuschliessen, dass Petkovic seinem Leader eine Pause gönnt. Obwohl er sagt: «Ich lebe im Moment. Und ich beziehe gelbe Karten nicht in meine Überlegungen ein.»

Überhaupt: Für Spieler und Trainer soll nur Costa Rica zählen. Man darf ihnen zutrauen, dass das Vorhaben gelingt. «Ich kann schlecht lauter wunderbare Qualitäten eines Gegners aufzählen, der bis jetzt null Punkte hat», sagt Petkovic, «aber die Spieler haben ihren Stolz. Und das macht sie gefährlich.» Die bisherigen zwei Schweizer WM-Spiele haben einige Erkenntnisse geliefert. Am erstaunlichsten ist wohl, wie gefestigt das Team ist. Auch von Rückständen lässt es sich nicht aus dem Tritt bringen. Es kann unter maximalem Druck noch einmal zusetzen. Das spricht für eine hervorragende Mentalität. Wobei Petkovic sagt: «Es ist ein Lob wert, gegen gute Gegner ins Spiel zurückzukehren. Aber wir sollten das nicht zu oft provozieren. Eine noch bessere Mentalität wäre, wenn wir in Führung gehen.» Das Phänomen des Langsamstarts ist nicht neu. Auch gegen Polen im EM-Achtelfinal brauchte die Schweiz beispielsweise eine Halbzeit, um aufzuwachen. Es ist Zeit, das zu ­ändern.

Heikle Aufgabe für Petkovic

Überzeugt haben in der Schweizer Equipe bisher einige. Yann Sommer ist der Torhüter mit grosser Ausstrahlung. Manuel Akanji der neue Abwehrpatron, er hat die grossen Hoffnungen sogar noch übertroffen. Behrami ist der grossartige Kämpfer, sein Wert ist unverändert hoch. Beim Duo Shaqiri/Granit Xhaka ist zu hoffen, dass die Formkurve nochmals ansteigt. Steven Zuber ist emsig, aber manchmal noch überhastet. Die Aussenverteidiger sind gut – abzüglich der ersten Viertelstunde gegen Serbien. Bleiben der Trainer und die Offensive. Petkovic hat zur Genüge bewiesen, wie gut er einzelne Spiele, aber auch Strömungen über Wochen lesen kann. Jetzt ist er erneut gefordert. Er muss für sich beantworten, ob er Blerim Dzemaili und Haris Seferovic weiterhin so sehr vertrauen mag wie fast immer. Petkovic ist nicht zu beneiden um die Aufgabe.

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