Die Westschweiz will CO2-neutrale Olympische Winterspiele veranstalten

«Sion 2026» soll neue energetische Massstäbe setzen und ein Trauma überwinden. Christian Constantin steuert eine halbe Million Franken bei.

Samuel Schumacher
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Ständerat Hans Stöckli und «Sion 2026»-Präsident Jean-Philippe Rochat träumen von einer Schweizer Olympiade.

Ständerat Hans Stöckli und «Sion 2026»-Präsident Jean-Philippe Rochat träumen von einer Schweizer Olympiade.

KEYSTONE

Eine Olympiade «im Herzen der Schweiz»: Das versprechen die Initianten der Westschweizer Kandidatur für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026. Es ist noch keine 20 Jahre her, seit die Walliser mit ihrem Projekt für die Winterspiele 2006 spektakulär scheiterten. Kopfschüttelnd und mit Tränen in den Augen nahmen Alt-Bundesrat Adolf Ogi und seine Mitkämpfer damals im Juni 1999 zur Kenntnis, dass sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) von den Schweizer Ideen nicht bezirzen liess. Die Spiele gingen stattdessen ans italienische Turin.

Dieses nationale Trauma will man jetzt endlich überwinden. Das IOC soll erkennen, dass die Schweizer Alpen den perfekten Rahmen für die Winterspiele bieten. Neben dem Projekt «Sion 2026 – Spiele im Herzen der Schweiz» gibt es auch einen Bündner Vorschlag: «Graubünden und Partner 2026». Die Bündner lassen die Bevölkerung am 12. Februar erst noch über den Projekt-Kredit von 25 Millionen abstimmen.

Die Westschweizer haben das nötige Kleingeld für die Projektphase von den vier mitwirkenden Kantonen bereits zusammen. Der Kanton Wallis zahlt vier Millionen, Waadt und Bern je eine Million und Freiburg eine halbe Million. Und auch die olympische Gastgeberstadt Sion steuert eine Million bei. «Sion 2026» steigt als erste Kandidatur offiziell ins Rennen um die Gunst des Schweizer Olympia-Komitees, das im April 2018 entscheiden will, welcher Schweizer Vorschlag gegen die internationale Konkurrenz antreten darf.

Constantin zahlt halbe Million

Gestern Nachmittag lancierten die Westschweizer ihre Kandidatur auf dem Berner Bundesplatz offiziell – mit Raclette, Pressekonferenz und Gratis-Skipässen für die Medienschaffenden. Anwesend war nicht nur Unternehmer und FC-Sion-Präsident Christian Constantin, der das Projekt mit mehr als 500 000 Franken aus der privaten Tasche mitträgt, sondern auch allerlei Schneesport-Stars und Polit-Prominenz.

Die Message war klar: Die Westschweiz ist bereit, und zwar mehr als beim gescheiterten Olympia-Pitch 1999 und mehr als die Konkurrenz aus dem Bündnerland. An 21 Standorten zwischen Biel (Hockey) und Visp (Curling), zwischen Verbier (alpine Disziplinen) und Lausanne (Eiskunstlauf) sollen die Spiele stattfinden, fast ausschliesslich in bereits bestehenden Bauten. Als olympische Bündner Exklave wäre auch St. Moritz mit der weltweit einzigen Natureis-Bobbahn mit dabei. Neu gebaut würde die Skisprungschanze in Kandersteg, die Eisschnelllaufhalle in Aigle und natürlich das olympische Dorf.

Die öV-Games

Um das Herzstück der Spiele will sich Christian Constantin persönlich kümmern. Der Architekt plant auf dem Gelände der stillgelegten Tamoil-Raffinerie in der Walliser Gemeinde Collombey eine Öko-City, die nach ihrer Zwischennutzung als olympisches Dorf Wohnraum für 20 000 Menschen böte. Doch nicht nur das olympische Dorf soll energetisch neue Massstäbe setzen. Die Westschweizer wollen die gesamten Spiele CO2-neutral durchführen.

Der Berner Ständerat Hans Stöckli, auf dessen Initiative hin sich die ursprünglich 3 Westschweizer Olympia-Projekte zur gemeinsamen Kandidatur «Sion 2026» zusammenschlossen, glaubt fest, dass das möglich ist: «Ein Grossteil der Besucher und Athleten kann mit dem öffentlichen Verkehr aus ganz Europa anreisen und sich problemlos mit dem öV zwischen den Standorten bewegen», betont Stöckli. Für die temporären Bauten wolle man mehrheitlich auf Holz statt auf Zelte setzen und damit die Energiekosten niedrig halten. Unklar bleibt aber, wie die Flüge, die nötig sind, um die Athleten aus der ganzen Welt in die Westschweiz zu fliegen, ins Öko-Konzept passen. «Ich will nicht das Versprechen abgeben, dass wir auch die Flugverbindungen in die Bilanz aufnehmen», gibt er zu.

Flugverbindungen hin oder her: Die Winterolympiade 2026 gehört in die Schweiz, davon ist Christian Constantin überzeugt. «Unser Land braucht die Olympiade, um junge Athleten aufbauen zu können, die uns 2026 stolz machen werden», sagt der Unternehmer. Beim medienwirksamen Hockey-Zielschiessen auf dem Eisfeld vor dem Event-Zelt verfehlte Constantin das «Sion 2026»-Tor zwar knapp, genau wie «Sion 2026»-Vereinspräsident Jean-Philippe Rochat. Der Walliser Staatsrat und Olympia-Unterstützer Jean-Michel Cina traf dann immerhin den Pfosten. Das ist schon mal ein Anfang.