Die Übermacht ist zu Besuch

Der FC Basel empfängt heute in der Champions League um 20.45 Uhr Real Madrid. Der Schweizer Meister hat noch eine Rechnung offen, kassierte man in Madrid doch eine 1:5-Niederlage. Die Revanche dürfte aber schwierig werden.

Andy Sager
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Die Real-Madrid-Stars Ronaldo (links) und James Rodriguez bereiteten sich am Dienstag im St. Jakob-Park aufs heutige Spiel gegen Basel vor. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

Die Real-Madrid-Stars Ronaldo (links) und James Rodriguez bereiteten sich am Dienstag im St. Jakob-Park aufs heutige Spiel gegen Basel vor. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

FUSSBALL. Der FC Basel will sich für die 1:5-Pleite gegen Real Madrid revanchieren. Im September war das Team von Trainer Paulo Sousa dem Titelverteidiger hoffnungslos unterlegen. Dies zu einer Zeit, als sich die Spanier in einer Baisse befanden. Dummerweise – aus Basler Sicht – haben die Madrilenen die Formschwäche überwunden. 14 Siege konnte der spanische Rekordmeister zuletzt aneinanderreihen, mit einem Torverhältnis von 56:8. Zu Recht wird Madrid zu einer der besten Mannschaften der Welt gezählt. Gerade die Offensivabteilung sucht ihresgleichen. Coach Carlo Ancelotti schafft es in seiner zweiten Saison immer besser, der Equipe seine Handschrift zu verpassen. Sollte heute alles in gewohnten Bahnen ablaufen, werden die Spanier den 15. Sieg einheimsen.

Doch Fussball wäre nicht Fussball, wenn immer alles wie erwartet ablaufen würde. Mit einem Sieg gegen Madrid würde Basel europäisch überwintern. Sollte Liverpool zeitgleich in Ludogorets Punkte lassen, stünden die Basler in den Achtelfinals.

Real so gut wie sicher Erster

Am meisten könnte den Baslern in die Karten spielen, dass Madrid bereits für die Achtelfinals qualifiziert ist. Auch der Gruppensieg sollte nur noch Formsache sein. Es ist anzunehmen, dass Ancelotti einigen Spielern eine Pause gönnt. Die Kräfte werden in der Liga gebraucht: Rivale Barcelona ist nur zwei Zähler hinter dem Leader.

Sicher ausfallen werden die verletzten Luka Modric und Jesé. Ebenfalls nicht angereist sind Sami Khedira und Pepe, die regenerieren sollen. Auch einer der beiden Stars Cristiano Ronaldo oder Gareth Bale darf sich wohl ausruhen. Die Crux gegen Madrid ist aber, dass selbst die Ersatzleute überragende Klasse haben. Modric wurde zuletzt vom aufblühenden Isco ersetzt. Raphaël Varane, der Frankreich jüngst als Captain zum 1:0 gegen Schweden köpfelte, ist ein ebenbürtiger Ersatz für Pepe. Und für die Aussen stehen Javier Hernandez und der wieder genesene Asier Illarramendi bereit. Zugegebenermassen nicht vom Format eines Ronaldo oder Bale, doch mit unbestrittener Klasse.

Zu sehr vernachlässigen werden die Gäste das Spiel aber nicht. Immerhin winken 1,2 Millionen Franken Siegprämie. Was für Madrid angesichts der rund 720 Millionen Franken Jahresumsatz nur ein Sahnehäubchen wäre, würde das Budget für Basel immerhin auf etwa 61 Millionen Franken anheben. Mit diesem Bonus wäre etwa der Jahreslohn eines Marco Streller gedeckt. Ohnehin spielen die Clubs in finanziell anderen Ligen. Basel könnte jeden der 26 Spieler im Kader doppelt aufstellen und hätte laut «Transfermarkt.ch» nicht so viel Marktwert auf dem Platz, wie wenn Ronaldo alleine dasteht.

Basel kann die Grossen ärgern

Basel hat jedoch von den vergangenen zehn Heimspielen in europäischen Wettbewerben sieben gewonnen. Oft genug hat das Team bewiesen, dass es gegen grosse Clubs bestehen kann. Liverpool musste vor zwei Monaten mit einem 0:1 heimreisen. Vor einem Jahr hatte Chelsea gleich zweimal das Nachsehen. In der Saison 2011/12 liess man Manchester United dank eines 3:3 und eines 2:1 in der Gruppe hinter sich. Selbst das Achtelfinal-Hinspiel gegen Bayern München konnte Basel gewinnen.

Ein Vergleich mit dem Basel von damals hinkt zugegebenermassen. Doch das Team ist qualitativ nach wie vor gut besetzt und agiert als Einheit – jeweils besonders mit der Aussicht auf eine europäische Sternstunde.