Wattwil
Die Toggenburger Mountainbikerin Ramona Forchini hat ein aufwühlendes Jahr hinter sich: zuerst im Elend, dann Weltmeisterin

Die Saison begann gut für die 26-jährige Wattwilerin. Dann kam Corona. Im Sommer rieten ihr die Ärzte wegen eines übergrossen Lymphknotens zu einer Operation. Sie rappelte sich auf und wurde Ende Saison Weltmeisterin im Marathon.

Daniel Good
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Ramona Forchini gewinnt die Marathon-Weltmeisterschaft in der Türkei.

Ramona Forchini gewinnt die Marathon-Weltmeisterschaft in der Türkei.

Bild: PD

Sie freute sich auf das erste Rennen nach dem Lockdown. Aber Ramona Forchini konnte am Engadin Bike Giro nicht teilnehmen. Ein Infekt setzte sie ausser Gefecht.

In der ärztlichen Kontrolle wurde ein übergrosser Lymphknoten festgestellt. Sie musste Antibiotika nehmen, durfte keinen Sport treiben. Aber es wurde nicht besser. Deshalb sollte sie sich einer Operation unterziehen. Das hätte das Ende der ohnehin schon komprimierten Saison bedeutet. Forchini entschied sich gegen den empfohlenen Eingriff. Sie sagt:

«Dieser Entscheid war mutig. Aber es fühlte sich nicht richtig an, mich unters Messer zu legen.»

Sie boxte sich mit unterstützenden Mitteln wochenlang durch die Krise. Begann ein bisschen, Mountainbike zu fahren. Rennen gab es im August aber noch keine für die U23-Weltmeisterin von 2015.

Im September ging es aufwärts. Zunächst am Bergrennen Chur-Arosa, das sie als Zweite beendete. Später an der Schweizer Marathonmeisterschaft mit 2800 Höhenmetern. Sie litt, wurde im Engadin «nur» Vierte, legte aber den Grundstein für den erfolgreichen Saisonabschluss.

Drittbeste Schweizerin an der Heim-EM

Die Weltcuprennen Ende September in Tschechien kamen zu früh. Aber an der EM Mitte Okotber im Tessin zeigte Forchini, was in ihr steckt. Sie wurde Zwölfte und drittbeste Schweizerin. Sie sagt:

«Das gab mir viel Freude und Selbstvertrauen.»
Ramona Forchini jubelt nach fast vier Stunden Fahrzeit.

Ramona Forchini jubelt nach fast vier Stunden Fahrzeit.

Bild: PD

Prominente Vorgängerinnen

So wurde Ramona Forchini für die Marathon-WM in der Türkei selektioniert. Am 25. Oktober dominierte die Toggenburgerin in Sakarya die Konkurrenz und gewann ihren zweiten WM-Titel. Wenn sie daran denkt, sagt sie:

«Mir gehen tausend Gedanken durch den Kopf. Es ist eine Achterbahn der Gefühle nach allem, was ich in den vergangenen Monaten erlebt habe.»

Forchini hat prominente Vorgängerinnen als Marathon-Weltmeisterin: 2016 gewann Jolanda Neff. 2019 die Französin Pauline Ferrand-Prévot, die bereits dreimal den Titel in der olympischen Cross-Country-Disziplin holte. Auch die beiden Olympiasiegerinnen Sabine Spitz aus Deutschland und Gunn-Rita Dahle aus Norwegen setzten sich auf der langen Distanz schon durch.