Die Titelanwärter zeigen sich

Nach 30 von 50 Qualifikationsrunden zeichnen sich in der Eishockey-NLA gleich mehrere Trendwenden ab. Mit Servette geht es abwärts, Zug mausert sich zum Spitzenteam, und Rapperswil-Jona zittert nach einem überzeugenden Start wieder.

Matthias Hafen/Thomas Werner
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NHL-Profi John Tavares und der SC Bern nähern sich fast unbemerkt der Tabellenspitze. (Bild: ky/Thomas Oswald)

NHL-Profi John Tavares und der SC Bern nähern sich fast unbemerkt der Tabellenspitze. (Bild: ky/Thomas Oswald)

EISHOCKEY. Der NHL-Lockout brachte die Schweizer Meisterschaft zu Beginn der Saison durcheinander. Nun deutet bezüglich des Playoff-Rennens aber vieles auf den Courant normal hin. Doch es gibt Ausnahmen.

1. Fribourg

Fribourg strebt vehement seinen ersten Meistertitel an. Die Westschweizer hatten schon in der vergangenen Saison das Potenzial dazu, blieben aber in den Playoff-Halbfinals an Bern hängen. Präsident Laurent Haymoz hielt an Trainer Hans Kossmann fest und sollte bis heute recht behalten damit. Kurz vor der Nationalmannschaftspause erklomm Fribourg die Leaderposition. Diese hatte der Club, der noch 2005/06 die Ligaqualifikation gegen den damaligen NLB-Club Biel bestritt, schon vergangene Saison längere Zeit inne. Was noch fehlt, ist die Bestätigung im Playoff.

2. Servette

Der Formkurve beim zuvor souveränen Leader Servette zeigt nach unten. In den vergangenen sieben Spielen setzte es fünf Niederlagen ab. Seit Anfang Dezember müssen die Genfer auch auf ihren NHL-Profi Logan Couture verzichten, der aus familiären Gründen in seine Heimat Kanada zurückkehrte. Seither hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Servette ernsthaftes Interesse daran bekundet, den NHL-Superstar Sidney Crosby zu verpflichten. Und für einen Club, der vergangene Saison mit einem ähnlichen Kader noch im Playout spielte, hält sich Servette bravourös.

3. Bern

Im Schatten der Romands spielt sich der SC Bern immer weiter Richtung Spitze. Ende Oktober war er noch Sechster und drohte den Anschluss an die Spitzenteams zu verlieren. Von einer Krise sprachen die einen, von einer Bewährungsprobe die anderen. Seither geht es mit dem SC Bern bergauf – und das konstant. Ende November war er bereits Fünfter, nun Dritter. In den vergangenen sieben Spielen gewann Bern sechsmal. Die einzige Niederlage setzte es gegen Fribourg ab.

4. ZSC Lions

Nach 13 Gegentoren aus zwei Spielen bewiesen die ZSC Lions zuletzt mit einem 5:1 gegen Lugano, einem 4:1 gegen Ambri und einem 2:1 gegen Kloten wieder defensive Stabilität. Obwohl die Clubleitung lange mit der Verpflichtung eines Lockout-Spielers zuwartete und erst nach Verletzungen im Kader reagierte, gehörten die Zürcher früh zu den stärksten Teams. Das dürfte ein Vorteil sein, sollte die Saison in der NHL doch noch anfangen. Und für den anderen Fall bemühen sich die ZSC Lions noch immer um Superstar Sidney Crosby.

5. Zug

Nach Rafael Diaz war auch Damien Brunner Richtung NHL entschwunden, Zug war auf dem Weg Richtung Playout. Der Lockout in Nordamerika brachte nicht nur die beiden Nationalspieler zurück, es bescherte Zug mit dem Schweden Henrik Zetterberg, Brunners Teamkollegen in Detroit, gleich noch eine Weltgrösse. Sie führten Zug an die Spitze heran. Bleibt offen, was passiert, wenn der Lockout endet. Das Trio ist für fast 40 Prozent von Zugs Skorerpunkten verantwortlich.

6. Kloten

Im Sommer in der Existenz bedroht, belegt Kloten immer noch einen Playoff-Platz. Angesichts fehlender Konstanz wird die Mannschaft von Tomas Tamfal allerdings wohl bis Februar hart um diesen kämpfen müssen. Aber auch neben dem Eis wartet viel Arbeit. Mit Dennis Hollenstein und Samuel Walser werden zwei hoffnungsvolle Stürmer am Saisonende den Club verlassen. Wolfgang Schickli, der Geschäftsführer und sportlich Verantwortliche, kam in die Kritik. Jetzt ist es am neu verpflichteten Sportchef André Rötheli, eine Mannschaft mit Perspektiven zu formen.

7. Lugano

Auf dem Papier stellt Lugano eine Mannschaft, die für das Playoff gesetzt scheint. Leistungsschwankungen sind aber dafür verantwortlich, dass die Tessiner in der Tabelle zwischenzeitlich gar unter den Trennstrich fielen. Beigetragen zum Auf und Ab haben auch zahlreiche Verletzungen. So musste Lugano zuletzt gar auf die Oldies Petteri Nummelin und Paul Di Pietro setzen. Letzterer ist überzeugt, dass die Mannschaft nebst Talent auch über ausreichend Entschlossenheit und Kaltblütigkeit verfügt, um ganz vorne mitzuspielen. Der Beweis fehlt noch.

8. Davos

Zuletzt verpasste Davos in der Saison 1988/89 das Playoff. Damals begann der tiefe Fall in die 1. Liga. Seit dem Wiederaufstieg in die NLA 1993 schloss Davos die Qualifikation nie schlechter als im siebten Rang ab. Nun belegen die Bündner Platz acht und machen nicht den Anschein, als würden sie sich bald vom Trennstrich abheben. Die Lockout-Spieler Joe Thornton und Rick Nash sind nicht mehr so unwiderstehlich wie 2004/05, als sie massgeblich zum Titelgewinn der Bündner beitrugen. Der verletzte Nash wurde gar durch den Schweden Loui Eriksson ersetzt.

9. Biel

Neben Zug ist Biel der grösste Profiteur des NHL-Lockouts. Tyler Seguin und Patrick Kane halten die Mannschaft praktisch im Alleingang im Kampf um einen Playoff-Platz. Die beiden NHL-Stars vereinen fast einen Viertel aller Bieler Skorerpunkte. Dass Biel derzeit trotzdem unter dem Trennstrich klassiert ist, spricht nicht für die wirkliche Stärke des Kaders. Nur wenn der NHL-Lockout anhält, bleibt Biel ein Playoff-Anwärter.

10. Rapperswil-Jona

Mit sieben Punkten Rückstand auf Platz acht ist für Rapperswil-Jona noch nichts verloren. Doch die Leistungskurve zeigt nach unten. Ende Oktober grüssten die St. Galler noch von Platz fünf. Es folgten neun Niederlagen, aber nur noch drei Siege. Mit den verpflichteten NHL-Profis Jason Spezza und Michael Del Zotto hatten die Ostschweizer wenig Glück. Ihr Unterhaltungswert kann zwar gross sein, doch beide sind sich zu schade, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Del Zotto ist in die USA zurückgereist – offiziell wegen einer Rückenverletzung und nur vorübergehend.

11. Ambri

Ambri erreichte die Mehrheit seiner Siege in den Monaten November und Dezember. Die Leventiner besiegten nicht nur die direkten Konkurrenten Langnau und Rapperswil-Jona, sie sind derzeit auch imstande, Spitzenteams wie Zug zu bezwingen. Seit der Verpflichtung von NHL-Goalie Cory Schneider von Vancouver spielt Ambri defensiv solider. Vieles spricht für einen Aufstieg in der Tabelle. Das immer noch inferiore Kader und die Inkonstanz der Mannschaft dürften Ambri aber zum siebtenmal in Folge von der Playoff-Qualifikation abhalten.

12. Langnau

Langnau schlittert auf sein grösstes, sportliches Debakel seit dem Abstieg in die NLB 1988 zu. Erst einmal – 2005/06 – beendeten die Emmentaler die Qualifikation als Letzte. Damals holten sie im Durchschnitt 0,59 Punkte pro Spiel. Der Schnitt in dieser Saison beträgt 0,57 Punkte. Dank des Modus mit der Ligaqualifikation gegen den NLB-Besten ist Langnau vom Abstieg aber noch weit entfernt. Und mit der Entmachtung von Trainer John Fust erhofft sich die Clubführung eine Trendwende. Es wäre nicht die erste in dieser NLA-Meisterschaft.

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