Die Swiss Indoors durch die Linse

Hinter den Fernsehbildern der Swiss Indoors steckt viel Arbeit. Mit welchen Tücken Kameraleute klarkommen müssen und weshalb es ihm Juan Martin Del Potro schwer macht, erzählt Tino Zurbrügg, seit zehn Jahren für das Schweizer Fernsehen im Einsatz.

Ralf Streule, Basel
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Tino Zurbrügg fängt in Basel mit seiner Kamera die Emotionen der ­Zuschauer ein. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Tino Zurbrügg fängt in Basel mit seiner Kamera die Emotionen der ­Zuschauer ein. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Ralf Streule, Basel

«Ohne Fernsehen keine Ein­nahmen, ohne Fernsehen keine Veranstaltung.» Als Swiss-Indoors-Direktor Roger Brennwald gestern die Verlängerung der Zusammenarbeit mit der SRF SSR bis 2022 bekanntgab, war er voll des Lobes für die TV-Verantwortlichen, deren Bilder in 180 Ländern ausgestrahlt werden. Welche Arbeit im Detail dahintersteckt, lässt sich bei einem Blick in den Produktionswagen der Tpc AG erahnen, dem technischen Dienstleister von SRF. 16 Leute sitzen hier, wenn es hoch zu und her geht und auf zwei Courts gleichzeitig gespielt wird. Zeitlupen schneiden, Regieanweisungen erteilen, Ton regulieren, Helligkeiten der Kameras abgleichen, Zusammenfassungen erstellen – alles wird unter Hochdruck geliefert. Insgesamt arbeiten 60 Personen für die Produktionen – die bei weitem nicht alle bei SRF gezeigt werden.

Eine ruhigere Arbeit, so scheint es da auf den ersten Blick, erledigen die sechs Kameraleute rund um den Center Court. Aber eine nicht weniger anspruchsvolle, wie sich im Gespräch mit dem 40-jährigen Tino Zurbrügg zeigt.

«Wie ein Sportler die Verschnaufpausen nutzen»

Zurbrügg steht seit zehn Jahren bei SRF-Produktionen hinter der Kamera und weiss: Sogar das Einfangen des gewohnten, meist statischen Blicks quer über das Spielfeld kann herausfordernd sein. Es ist wie beim unterbeschäftigten Torhüter: «Lange dieselbe Einstellung zu halten und dann reagieren, wenn ein Spieler in einer Ecke einen Ball erreichen muss, braucht viel Konzentration.» Besonders nach mehrstündigen, fast ganztägigen Einsätzen – wie dies im Tennis oft vorkomme. Da gelte es, sich wie ein erfahrener Ausdauersportler zurückzuhalten und die kurzen Verschnaufpausen zu nutzen. «Dann kurz innehalten, den Blick mal weg vom nahen Display in die Ferne schweifen lassen» heisse das Rezept. Immerhin: Den «Rotlichtstress», den man als junger Kameramann vor Einschaltungen noch verspüre, habe man bald einmal hinter sich.

Er selbst aber hat in diesen Tagen nicht die Totale im Griff, sondern hat eine andere, «etwas dankbarere» Aufgabe. Er ist mit der kabellosen Handkamera zwischen den Sitzplätzen damit beschäftigt, Zuschauerreaktionen einzufangen. «Man darf nie den Spielverlauf aus den Augen verlieren – um die Emotionen vorauszusehen.» Anders ergeht es hier zum Teil jenen Kameraleuten, die am Rand des Spielfelds für Nahaufnahmen besorgt sind. «Oft merkt man dort kaum, wer den Punkt gemacht hat, da man nur auf einen Spieler fokussiert ist.» Besonders bei Juan Martin Del Potro, der mimisch kaum reagiere, könne man da schon mal kurz verwirrt sein, ob nun ein Break- oder ein Spielball anstehe.

Müssen nicht Skirennen bezüglich Kameraführung spannender sein? «Nicht unbedingt», findet Zurbrügg. Zwar sei ein Schwenk über die Piste anspruchs- und damit reizvoller, was Bildausschnitt, Zoom und Bildschärfe angehe. «Beim achzigsten Fahrer aber relativiert sich das irgendwann.»

Der Weltmeister-Stoppschwung in Nahaufnahme

Was im Tennis einen Reiz ausmache: Je nach beteiligten Spielern werde auf andere Details fokussiert. Bei Rafael Nadal vielleicht auf dessen nervöse Bewegungen vor dem Aufschlag. «Und derzeit bei David Goffin auf sein angeschlagenes Knie.» Näher bei den Stars ist er hingegen bei Skirennen als Kameramann im Ziel­gelände. Dies musste er vergangenes Jahr an der WM in St. Moritz lernen. Bei jedem Skifahrer wisse er in etwa, in welcher Region er ausschwinge. Den Schwung von Beat Feuz nach dessen Abfahrtssieg aber unterschätzte er etwas. Und wurde prompt mit Schnee eingedeckt. «Das war so nicht geplant.» Es lieferte aber ein spektakuläres, weltmeisterliches Bild.