Die Schweizer sind begehrt

Nicht erst seit den Erfolgen auf den verschiedenen Juniorenebenen sind Schweizer Fussballer bei ausländischen Vereinen hoch im Kurs. Der Weg vieler eidgenössischer Söldner führt dabei nach Italien, wo so viele Schweizer spielen wie noch nie.

Lukas Plaschy/Rom
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Gökhan Inler (rechts) hat sich in Udinese durchgesetzt und steht nun vor einem Wechsel zu einem grösseren Club der Serie A. (Bild: epa/Lancia)

Gökhan Inler (rechts) hat sich in Udinese durchgesetzt und steht nun vor einem Wechsel zu einem grösseren Club der Serie A. (Bild: epa/Lancia)

Fussball. Soll noch jemand behaupten, Schweizer Männer seien wenig attraktiv. Blerim Dzemaili wechselt zum Champions-League-Teilnehmer Napoli. Reto Ziegler und Stephan Lichtsteiner werden in der kommenden Saison das prestigeträchtige Trikot von Rekordmeister Juventus Turin überstreifen und auch Gökhan Inler wird Udinese wohl für einen der italienischen Grossclubs verlassen. Insgesamt zwölf Schweizer stehen derzeit auf der Lohnliste eines Serie-A-Vereins, fünf sind in der zweithöchsten Liga, der Serie B, engagiert. Schweizer Fussballer sind in Italien ein Importschlager.

Doch weshalb zieht es so viele Schweizer Profis in die einst als «schönste Liga der Welt» verschriene Serie A? Bei den Schweizern stimme das «Preis-Leistungs-Verhältnis», sagt Luca Valdiserri von der Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera». Der Sportjournalist berichtet seit mehr als 20 Jahren über den Fussball in Italien und verfolgte auch die U21-EM in Dänemark. Valdiserri zeigt sich von den jungen Schweizern tief beeindruckt. «Trotz multikultureller Zusammensetzung sind die Schweizer als kompakte Einheit aufgetreten und haben technisch und taktisch hervorragenden Fussball gespielt.» Es gebe ihm zu denken, wenn er sehe, wie stark sich Länder wie Weissrussland, Tschechien oder die Schweiz an diesem Turnier präsentiert hätten, während sich Italiens U21 nicht einmal habe qualifizieren können. Valdiserri sagt, dass man in Italien immer noch das Gefühl habe, die eigenen Fussballer seien das Mass aller Dinge: «Bis vor kurzem kannte niemand hier Spieler wie den Slowaken Marek Hamsik oder Gökhan Inler. Heute sind das Topstars der Serie A.»

Technisch und taktisch stark

Auch Dino Lamberti sagt, dass Schweizer Fussballer für italienische Clubs interessanter geworden sind. Der Ostschweizer ist seit 15 Jahren im internationalen Fussballgeschäft tätig und vertritt als Spielerberater die Interessen der Udinese-Akteure Inler und Almen Abdi. «Die Ausbildung in der Schweiz ist hervorragend. Technisch und taktisch sind unsere jungen Spieler somit bestens für höhere Ausgaben vorbereitet.» Nachholbedarf sieht Lamberti allerdings im mentalen Bereich. «Ab einem gewissen Niveau sind spielerisch alle gut, aber im Profifussball spielt sich vieles im Kopf ab.» Lamberti erzählt eine Anekdote von Inler. Dieser habe sich bei Udineses Captain und Nationalspieler Antonio Di Natale dadurch Respekt verschaffen müssen, indem er im Training auch mal hart in die Zweikämpfe eingestiegen sei. Die Serie A sei eben «ein Haifischbecken», in dem nur die Leistung zähle, so Lamberti.

«Italien ist eine Topliga. Hier wird guter Fussball gespielt», sagt Lichtsteiner. Der 27jährige Zentralschweizer muss es wissen. Seit 2008 verdient der 39fache Nationalspieler sein Geld in Italien. Nach drei Saisons bei Lazio Rom wechselt der rechte Aussenverteidiger nun für zehn Millionen Euro Ablöse zu Juventus Turin. Lichtsteiner fühlt sich in Italien sichtlich wohl. Mittlerweile würden viele Schweizer auch in Grossclubs Schlüsselpositionen besetzen, und damit steige automatisch auch die Reputation, nennt Lichtsteiner Gründe für den aktuellen Boom. Zudem habe es ihm damals bei seinem Wechsel zu Lazio Rom geholfen, dass mit Valon Behrami bereits ein anderer Schweizer dort erfolgreich tätig gewesen sei.

Konzept der kleinen Schritte

Er persönlich habe in seiner Karriere bisher das Konzept der kleinen Schritte bevorzugt: «Hätte ich als 21-Jähriger statt von den Grasshoppers zu Lille direkt zu einem europäischen Grossclub gewechselt, hätte mir dies in meiner fussballerischen Entwicklung wahrscheinlich mehr geschadet als genützt.» Man müsse sich zuerst in der Schweiz durchsetzen, erst dann sei man reif für den Sprung ins Ausland, rät Lichtsteiner den jungen Schweizern.