Die Schweizer müssen anderen dienen

An der diesjährigen Tour de France nehmen nur vier Schweizer teil. Sie alle müssen für ihre Captains Helferdienste verrichten und haben keine Chance auf einen Podestplatz. Selbst für den vierfachen Weltmeister Fabian Cancellara dürfte es schwierig werden, eigene Akzente zu setzen.

Markus Zahnd
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«Ich wäre gerne einen Prolog gefahren», sagt Fabian Cancellara. (Bild: epa/Peter Deconinck)

«Ich wäre gerne einen Prolog gefahren», sagt Fabian Cancellara. (Bild: epa/Peter Deconinck)

Rad. Mit dem Gesamtsieg an der Tour de France haben die Schweizer schon länger nichts mehr zu tun. Der letzte Podestplatz liegt bereits elf Jahre zurück, als der Wiler Alex Zülle hinter Lance Armstrong Zweiter wurde. So war für die Höhepunkte aus Schweizer Sicht in den vergangenen Jahren meist Fabian Cancellara verantwortlich – und der Berner will das auch in der bevorstehenden Ausgabe wieder sein. Allerdings dürfte es für ihn heuer nicht einfach werden, sich positiv in Szene zu setzen und erneut das gelbe Leadertrikot zu erobern.

Um die Rundfahrt abwechslungsreicher zu gestalten, verzichten die Organisatoren auf einen Prolog, die Tour wird dieses Jahr mit einem Mannschaftszeitfahren eröffnet. «Sicher wäre ich gerne einen Prolog gefahren», sagt der Berner. Aber er weiss auch, dass er mit seinen Qualitäten als Roller auch in Flachetappen gewinnen und sich so vielleicht doch das Leadertrikot erobern kann. «Warten wir einmal ab», so Cancellara.

Tempomacher für die Schlecks

Sein primäres Ziel ist ohnehin der Gesamtsieg seines Teams. Dafür in Frage kommen dürfte einer der Brüder Schleck. Cancellara wird den beiden Luxemburgern als Tempomacher zur Seite stehen und damit wertvolle Dienste als Helfer verrichten, so wie er es auch 2008 für Carlos Sastre getan und dem Spanier damit den Gesamtsieg ermöglicht hat. In den vergangenen zwei Austragungen verhalf er Andy Schleck jeweils zum zweiten Platz.

Auch die anderen drei Schweizer werden an der wichtigsten Landesrundfahrt keine eigenen Interessen wahrnehmen dürfen. David Loosli ist im Lampre-Team einer der Helfer von Damiano Cunego. Der Italiener hofft in der Frankreich-Rundfahrt auf ein besseres Ende als in der Tour de Suisse, als ihm Levi Leipheimer in der letzten Etappe noch knapp den Gesamtsieg entriss. Steve Morabito, der im vergangenen Jahr als 31. der bestklassierte Schweizer war, und Michael Schär stehen im vom Zürcher Unternehmer Andy Rihs finanzierten BMC Racing Team ganz in Diensten ihres australischen Captains Cadel Evans.

Mathias Frank nicht dabei

Von BMC eher überraschend kein Aufgebot erhalten hat Mathias Frank. Der Luzerner war an der Tour de Suisse auf Platz sechs der beste Schweizer und gilt als Hoffnungsträger für grössere Rundfahrten. Bis der 24-Jährige aber so weit ist und das Erbe eines Zülle antreten kann, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern.