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Costa Rica ist die Schweiz Mittelamerikas

Morgen (20 Uhr, SRF zwei) treffen die Schweizer auf Costa Rica. Es ist das fortschrittlichste Land Zentralamerikas, was Wirtschaft und Sauberkeit angeht. Nicht nur deshalb erinnert es an die Schweiz.
Sandra Weiss, Puebla
Touristen bestaunen den Regenwald in Monteverde, einem Ort im bergigen Nordwesten Costa Ricas. (Bild: Simon Dannhauer/Getty (Monteverde, 25. Januar 2017))

Touristen bestaunen den Regenwald in Monteverde, einem Ort im bergigen Nordwesten Costa Ricas. (Bild: Simon Dannhauer/Getty (Monteverde, 25. Januar 2017))

Nicht umsonst trägt Costa Rica den Beinamen «Schweiz Mittelamerikas». In dem kleinen, beschaulichen Land nehmen die Dinge normalerweise ihren ganz gemächlichen Gang. «Pura vida» – «pralles Leben» lautet die Standardformel bei Begrüssung und Abschied in dem fünf Millionen Einwohner zählenden Land. Und das ist durchaus ein Lebensmotto der Ticos, wie die Bevölkerung genannt wird. Während in den 70er- und 80er-Jahren in den Nachbarländern blutige Diktaturen herrschten und von linken Guerillagruppen bekämpft wurden, glänzte Costa Rica durch Ruhe und Demokratie. Noch heute bestimmen in weiten Teilen Mittelamerikas Staatskrisen, Drogenhandel, Umweltzerstörung und Armut die Schlagzeilen.

Costa Rica hingegen erzielt Rekordeinnahmen durch den Ökotourismus, lockt ausländische Hightech-Investitionen an und gibt sich derzeit ganz der grossen sportlichen Leidenschaft, dem Fussball, hin. Selbst in jedem noch so kleinem Kaff gibt es mindestens einen Fussballplatz, auf dem die Dorfbewohner kicken – vom Kindergartenteam bis zur Altherrenmannschaft.

2014 wurde Costa Rica zum Weltmeisterbesieger

Vor vier Jahren schaffte das Land eine kleine Sensation, als es an der WM in der Gruppenphase den Gruppensieg vor drei Ex-Weltmeistern errang und sogar bis ins Viertelfinale einzog. Dort wurde es erst im Elfmeterschiessen von der niederländischen Elf geschlagen. Für das Match wurde sogar landesweit ein Feiertag verhängt, damit alle die historische Partie verfolgen konnten. Spieler wie der Torhüter Keylor Navas wurden damals wegen ihrer beeindruckenden Leistung von europäischen Spitzenclubs eingekauft. Plötzlich mussten die Ticos um die Qualität ihrer eigenen Liga fürchten. An der diesjährigen WM ist Costa Rica nach Niederlagen gegen Brasilien und Serbien bereits ausgeschieden.

Ansonsten macht Costa Rica nicht oft Schlagzeilen, und wenn, dann meistens positive. So will das Land bis 2021 Wegwerfplastikverpackungen verbieten und CO2-neutral werden. Und das könnte durchaus klappen: In Sachen Umwelt- und Klimaschutz gehört Costa Rica international zu den Vorreitern. Im öffentlichen Nahverkehr kommen bereits mit Wasserstoff betriebene Busse zum Einsatz, und 98% des Stroms stammen aus sauberen Quellen, allen voran Wasserkraft (69%), gefolgt von Wind (16%) und Geothermik aus Vulkanen (11%). Statt sich eine Armee zu leisten, investiert Costa Rica in die Bildung, was beispielsweise Chiphersteller Intel dazu bewog, dort gleich ein regionales Forschungszentrum einzurichten. Zuletzt sind allerdings dunkle Wolken am Horizont aufgezogen. Die Gewaltkriminalität wächst, weil die Drogenmafia inzwischen auch auf Costa Rica ausweicht, seit die USA mehr Druck auf die benachbarten Schmuggelhochburgen Honduras, Guatemala und El Salvador ausüben. Auch Haushaltsdefizit (6% des BIP) und Staatsschulden wachsen, und die soziale Marktwirtschaft, die einer grossen Mittelklasse ein gutes Auskommen bescherte, gerät durch die Globalisierung unter Druck.

Konservative Partei auf dem Land im Aufwind

Anfang des Jahres wurde gewählt, und eine Schockwelle ging durch die liberale Elite des Landes, als der evangelikale Prediger Fabricio Alvarado an der Spitze der konservativen Partei Nationale Erneuerung in die Stichwahl einzog. Und das in einem Land, in dem der Katholizismus Staatsreligion ist – wenngleich es die Ticos nicht ganz so ernst nehmen mit dem sonntäglichen Kirchgang oder den päpstlichen Moralvorstellungen. Anders als der Prediger der «Wohlstandskirche», der vor allem gegen die gleichgeschlechtliche Ehe mobil machte. Fabricio Alvarado verkörperte die Rückkehr zum Klerikalismus und die staatliche Einmischung in Moralfragen und wurde vor allem von den ärmeren, älteren und ländlichen Bevölkerungsteilen unterstützt. Letztlich setzte sich dann aber doch klar der Bewerber der sozialdemokratischen Bürgeraktion (PAC) durch, der erst 38 Jahre alte Journalist Carlos Alvarado. Damit hat Costa Rica nicht nur den jüngsten Präsidenten der Region, sondern auch die erste schwarze Vizepräsidentin: die 54-jährige Ökonomin Epsy Campbell. Die beiden wollen die verknöcherte Parteipolitik durch gesellschaftliche Mitwirkung und Dialog aufbrechen und fanden ihre Wähler vor allem unter Jüngeren und der urbanen Mittelschicht.

Leicht werden sie es nicht haben. Breiter Widerstand droht gegen geplante Steuererhöhungen. Umweltschützer machen mobil gegen Bergbau, Staudämme und Monokulturen wie den Ananasanbau. Unternehmer und ausländische Investoren üben starken Druck aus, die sozialen und Umweltauflagen zu lockern. Die Frauenbewegung hat die Legalisierung der therapeutischen Abtreibung und der künstlichen Befruchtung erkämpft, aber die Umsetzung scheitert noch allzu oft am Widerstand konservativer Ärzte und unklarer Bestimmungen. Und auch vom einflussreichen Staatsapparat droht Unbill: Geht es nach Alvarado, müssen sich die Funktionäre nämlich einem Sparplan unterziehen.

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