Die Rückkehr zur Normalität

Die seit dem vergangenen August anhaltende Siegesserie von Jolanda Neff ist gebrochen. Ausgerechnet an ihrem Heimrennen auf der Lenzerheide setzt es für die 22jährige St. Gallerin mit Platz vier eine bittere Niederlage ab.

Daniel Good/Lenzerheide
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MOUNTAINBIKE. Im Mountainbike-Sport werden fünf Fahrerinnen zur Siegerehrung aufgerufen – nicht nur drei wie in anderen Sportart. Das war gestern am Weltcup auf der Lenzerheide das Glück von Jolanda Neff. Nach einem schlechten Rennen büsste sie über zwei Minuten auf die norwegische Siegerin Gunn-Rita Dahle Flesjaa ein und musste sich mit dem vierten Rang begnügen.

Der Blick Neffs verriet schon in der ersten Runde, dass es für die Seriensiegerin der vergangenen Monate ein schwieriges Rennen geben würde. Nach der ersten von sieben Runden wies Neff als 13. schon einen Rückstand von 45 Sekunden auf. Normalerweise brummt sie der Konkurrenz als Solistin an der Spitze ein solches Handicap auf. Neff war auch noch gestürzt in einer frühen Phase des Rennens. «Ohne Verschulden der Konkurrenz», sagte Neffs Vater Markus. «Sie war einfach nicht bereit.»

Missglücktes Heimspiel

Tochter Neff hatte den dritten Weltcupwettkampf der Saison zum wichtigsten persönlichen Rennen deklariert. Sie ist Werbeträgerin der Ferienregion Lenzerheide, ihr steht am Streckenrand eine Wohnung zur Verfügung, und sie trainierte schon oft auf der Rennstrecke. Im vorigen Jahr nahm sie der gestrigen Siegerin Dahle Flesjaa im Swiss Cup eine Minute ab. Im gestrigen Weltcup lag sie nach zwei Runden mehr als eine Minute hinter Leaderin Dahle Flesjaa zurück. «Ich will nichts entschuldigen. Ich war einfach zu wenig schnell. Wir müssen nun analysieren, was alles falsch lief», sagte Neff. Sie hatte ein hinten und vorne mit Federn ausgerüstetes Bike benutzt. Normalerweise verwendet sie nur ein vorne gefedertes Gefährt. «Auch das hat sich vielleicht ausgewirkt auf meine Leistung. Auch das müssen wir genauer anschauen», sagte Neff weiter.

In der vorletzten Runde kämpfte sich die in Thal wohnende Neff zwar noch auf den dritten Platz vor, im Finale geriet sie aber wieder in Schwierigkeiten. «Es tut mir vor allem leid für die vielen Zuschauer, die mich an der Strecke unterstützt haben», sagte Neff. Gekämpft hat sie wie immer. Aber es war nichts mehr zu sehen und zu spüren von der stupenden Lockerheit und der grandiosen technischen Versiertheit, mit der Neff die Konkurrenz zu deklassieren pflegt. Seit dem vergangenen August hatte sie im Rahmen des Weltcups nicht mehr verloren. Seither war die überlegene Leaderin in der Weltrangliste auch U23-Weltmeisterin, Gesamtweltcupsiegerin und die erste Goldmedaillengewinnerin an den Europaspielen geworden.

Das war wohl ein bisschen des Guten zu viel für die bescheidene Person aus dem St. Gallischen.

Ein Déjà-vu

Womöglich tut ihr die Rückkehr zur Normalität gut. Denn eine ähnliche Niederlage hat Neff schon einmal gut überstanden. Vor vier Jahren war sie an der Junioren-WM im Champéry im Unterwallis als grosse Favoritin wegen einer Krankheit ebenfalls nur Vierte geworden. Sie dachte nachher sogar daran, den Bettel hinzuschmeissen. Die Leidenschaft für den Sport war aber stärker. Wenn Neff aus der gestrigen Niederlage die richtigen Lehren zieht, wird sie in Zukunft noch besser. Denn dem Druck ist sie eigentlich immer gewachsen gewesen.

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