Die Rollen sind verteilt

St. Gallen hat in Sitten 0:1 verloren – auch, weil Yannis Tafer einen Elfmeter nicht verwertete. Schon länger scheint ein deutlich deklarierter Penaltyschütze zu fehlen. Jeff Saibene widerspricht. Es sei klar, dass Tafer die Penalties ausführe.

Patricia Loher
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Yannis Tafer Spieler FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

Yannis Tafer Spieler FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. Das Spiel in Sitten war zwar ein Dämpfer aber «kein Rückschlag», wie Trainer Jeff Saibene 24 Stunden später sagt. Nach dem 2:0 zum Saisonstart gegen Aufsteiger Lugano verlor seine Mannschaft am Sonntag beim FC Sion mit 0:1 – nach einem umstrittenen Penalty-Gegentor und einem Elfmeter in der Schlussphase, den St. Gallens Yannis Tafer an die Latte setzte. Mit der Organisation und dem Abwehrverhalten sei er zufrieden gewesen, so Saibene. Zumal Sion eine Mannschaft stelle, «die sich wohl in den Top drei» einreihen werde. Natürlich, auch der Trainer hat Verbesserungspotenzial ausgemacht. In Ballbesitz war die Fehlerquote zu hoch, St. Gallen verlor viele Bälle leichtfertig und schaffte es vor allem deswegen nicht, den hohen Rhythmus des Gegners zu brechen. Zudem wäre es im Tourbillon auch möglich gewesen, den einen oder anderen Konter besser auszuspielen.

St. Gallen mit mehr Abschlüssen

Wie sehr St. Gallen zeitweise unter Druck geraten war, zeigt die Statistik: Laut der Swiss Football League (SFL) begingen die Gäste 22 Fouls, Sion bloss 12. Zum Vergleich: Gegen Lugano kam St. Gallen auf 12 Foulspiele, der Gegner auf 16. Auch der Ballbesitz spricht Bände: Die Walliser verzeichneten 58 Prozent, die Ostschweizer 42 Prozent. Erstaunlich aber ist, dass in der Bilanz der SFL St. Gallen zehn Abschlüsse in Richtung Tor des Gegners abgab, Sion nur acht.

Vorwürfe an Tafer, der ab der 23. Minute den verletzten Geoffrey Tréand ersetzte und kurz vor Spielschluss die Chance auf das 1:1 verpasste, gab es in St. Gallen keine. «Zuletzt war er immer sehr sicher», so Saibene. Auffällig ist, dass es in der vergangenen Saison nicht immer Tafer war, der zu den Penalties antrat. Am meisten Elfmeter führte Roberto Rodriguez aus. Der in die Serie B abgewanderte Mittelfeldspieler übernahm in Cup und Meisterschaft sechsmal die Verantwortung und verwertete viermal. Einmal setzte auch Albert Bunjaku an, verschoss aber. In der Saison davor versuchten sich Goran Karanovic, Alhassane Keita, Rodriguez und Dzengis Cavusevic. Seit dem Abgang von Oscar Scarione scheint ein deutlich deklarierter Penaltyschütze zu fehlen. Saibene aber sagt, die Sache sei geregelt: «Tafer tritt die Penalties. Wenn er sich nicht gut fühlt, kann Danijel Aleksic die Verantwortung übernehmen.»

Tréand fällt aus – neu mit Lang?

Am nächsten Samstag empfängt St. Gallen die Young Boys, die, gemessen an ihren Ansprüchen, schlecht in die Saison gestartet sind. Nach Unentschieden beim FC Zürich und zu Hause gegen Luzern werden die Berner in St. Gallen bereits unter Druck stehen. Während ihr Trainer Uli Forte allenfalls auf Guillaume Hoarau und sicher auf Alexander Gerndt verzichten muss, fehlt Saibene am Samstag Tréand, der sich in Sitten das Innenband im linken Knie überdehnt hat. Möglicherweise fällt der Franzose bis zu drei Wochen aus.

Vielleicht gehört am Nationalfeiertag St. Gallens bis anhin letzte Neuverpflichtung schon dem Kader an. Der frühere Vaduzer Steven Lang hat gestern die medizinischen Tests bestanden. St. Gallen hofft nun, dass der 27jährige Mittelfeldspieler gegen die Young Boys spielberechtigt sein wird.