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Die Renaissance von Djokovic

Novak Djokovic erreicht zum fünften Mal einen Wimbledon-Final. Der Serbe gewinnt den am Freitag vertagten Halbfinal gegen die Weltnummer 1 Rafael Nadal in fünf Sätzen – ein unglaublicher Moment nach seiner schwierigen Zeit.
Jörg Allmeroth, London
Starker Auftritt auf dem Rasen von Wimbledon: der Serbe Novak Djokovic. Bild: Clive Mason/Getty (London, 13. Juli 2018)

Starker Auftritt auf dem Rasen von Wimbledon: der Serbe Novak Djokovic. Bild: Clive Mason/Getty (London, 13. Juli 2018)

Er steckte noch vor ein paar Monaten tief in der Krise, der ehemalige Beherrscher der Tenniswelt. Doch ausgerechnet auf der berühmtesten Grand-Slam-Bühne erlebt die Renaissance von Novak Djokovic nun ihren vorläufigen Höhepunkt: In einem der grossen Allzeitklassiker im All England Club bezwang Djokovic seinen ewigen Rivalen Rafael Nadal am Samstagnachmittag mit 6:4, 3:6, 7:6 (11:9), 3:6 und 10:8. Der 31-jährige Serbe, gegenwärtig die Nummer 21 der Welt, verwandelte seinen zweiten Matchball nach 5 Stunden und 15 Minuten, es war der zweitlängste Halbfinal der Wimbledon-Geschichte, einen Tag nach dem 6:35-Stunden-Marathon zwischen Kevin Anderson und John Isner. Die Partie war am Freitag nach drei Sätzen unterbrochen worden. Nun kämpft Djokovic heute (15 Uhr, SRF Info) gegen Anderson um seinen vierten Wimbledon-Titel.

«Ich hoffe, wir können am Sonntag einigermassen auf den Beinen stehen», sagte Djokovic, «es ist schon ein unglaublicher Moment für mich jetzt, nach dieser schwierigen Zeit.» Djokovic hatte nach den French Open 2016, dem Moment, in dem er seinen letzten noch fehlenden Grand-Slam-Titel gewonnen hatte, völlig Kurs und Konzept und auch seine engsten Berater verloren, auch Boris Becker, den Cheftrainer. Im Frühling hatte er allerdings wieder seinen früheren Weggefährten Marijan Vajda an seine Seite geholt und sich langsam an die Weltspitze zurückgefightet. Mit Anderson, dem Finaldebütanten in Wimbledon, verbinden sich für Djokovic angenehme Erinnerungen, denn er gewann zwei vorherige Partien an der Church Road, darunter auch ein erinnerungswürdiger Comeback-Erfolg im Achtel­final 2015 nach 0:2-Satzrückstand.

Rafael Nadal und Novak Djokovic hatten sich schon am ersten Tag ihres Zweiteilers ein artistisches Duell voller Finten und Finessen, aber auch mit unglaublicher Dynamik und Wucht geliefert. Es wirkte auf die Centre-Court-Gemeinde wie eine Erholung nach dem sechseinhalbstündigen Schlaggewitter, das die Marathonkämpfer Anderson und John Isner zuvor auf der Hauptwiese des All England Club produziert hatten.

«Das Tennis ist auf dem Centre-Court angekommen. Oder besser: zurückgekommen», kommentierte am BBC-Mikrofon Altmeister Boris Becker. Besonders das Tiebreak im dritten Satz mit seiner turbulenten Dramaturgie riss die Fans förmlich von den Sitzen, hin und her wogten die Vorteile, Satzbälle kamen und gingen für beide Superstars – ehe sich Djokovic dann diesen Durchgang und einen 2:1-Satzvorsprung holte.

Aussergewöhnliche Sperrstunde

Weiter konnte es allerdings nicht gehen für die beiden Spitzenkräfte, für das Duo aus der berühmten Big-Four-Gruppe, denn ab 23 Uhr gilt sozusagen Sperrstunde für das Tennisunternehmen Wimbledon. Als die Turniermacher vor knapp einem Jahrzehnt ihr Centre-Court-Dach installierten, mussten sie den Anliegern aus dem Distrikt Merton versprechen, nicht länger als eben bis eine Stunde vor Mitternacht den Tennisbetrieb aufrechtzuerhalten.

Eine vergleichbare Situation wie an diesem Freitag und Samstag gab es allerdings noch nie seit der Einführung des mobilen «Regenschirms» über dem Centre-Court. Wobei das Dach in diesem Fall nur genutzt wurde, um das Flutlicht einschalten zu können – Regen gab es keinen, so wie auch an fast allen anderen Tagen dieser sonnigen Grand-Slam-Festspiele 2018.

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