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Die Toronto Raptors als stilbildender Champion

Die Toronto Raptors werden sensationell erstmals NBA-Meister. Ihr Triumph könnte nachhaltig verändern, welche Strategien in der Liga verfolgt werden.
Nicola Berger
Kawhi Leonard war der wertvollste Spieler der Playoffs. Aber noch ist unklar, ob er bei den Toronto Raptors bleiben wird. (Bild: Larry W. Smith/EPA (Oakland, 13. Juni 2019))

Kawhi Leonard war der wertvollste Spieler der Playoffs. Aber noch ist unklar, ob er bei den Toronto Raptors bleiben wird. (Bild: Larry W. Smith/EPA (Oakland, 13. Juni 2019))

Die ganze Saison über waren die Golden State Warriors der grosse Favorit auf den NBA-Titel gewesen, das Team war so gut besetzt, dass die dritte Meisterschaft in Serie nur Formsache war. Eigentlich. Doch gegen Ende des sechsten Playoff-Finalspiels vom Donnerstagabend war alles anders. Nach Kevin Durant mussten die Warriors auch auf die fleischgewordene Dreipunktwurf-Maschine Klay Thompson verzichten, er hatte sich am Knie verletzt. Ohne die beiden All-Stars hatten die Golden State Warriors den Toronto Raptors offensiv nur wenig entgegenzusetzen, sie verloren die Partie mit 110:114 – und auch die Meisterschaft.

Es brauchte diese Blessuren und ein ziemlich glückhaftes Weiterkommen in der zweiten Playoff-Runde gegen die Philadelphia 76ers, doch die Raptors sind ein würdiger Meister. Ihr General Manager Masai Ujiri riskierte mit der Entlassung des erfolgreichen Trainers Dwayne Casey und dem Tauschgeschäft für den eigenwilligen Star Kawhi Leonard im Sommer 2018 enorm viel (siehe Ausgabe vom 18. April), doch das Wagnis hat sich letztlich ausbezahlt: Die Toronto Raptors haben den ersten Titel der Klubgeschichte geholt, sie sind der erste ausserhalb der USA beheimatete NBA-Champion der Historie.

Die Schlüsselfigur war Kawhi Leonard, der wertvollste Spieler der Playoffs. Nicht zu unterschätzen ist, wie entscheidend der Umgang der Raptors mit ihm war. Der 27-jährige Leonard wurde in der Regular Season oft geschont. Bestritten die Raptors innert 48 Stunden zwei Partien, stand Leonard stets maximal einmal auf dem Parkett. Von 82 Spielen bestritt Leonard nur deren 60. Dafür war er im Playoff frisch – es ist ein Modell, das in der NBA zum Usus werden dürfte: Dass die besten Teams die Belastung ihrer wichtigsten Spieler reduzieren, weil die Playoff-Qualifikation ja ohnehin Formsache ist. «Load Management» lautet der PR-Begriff dafür, den manche Fans als Betrug am zahlenden Zuschauer zurückweisen.

NBA vor stürmischem Transfersommer

Wie auch immer: Das Tollhaus Toronto wird in den kommenden Tagen aus dem Feiern nicht mehr herausfinden, der unerwartete Titel will zelebriert sein. Doch auch auf den Champion warten wegweisende Wochen. Der Vertrag von Leonard läuft aus, es hiess lange, er liebäugle mit einem Wechsel in seine Heimat Kalifornien zu den Los Angeles Clippers – ein Abgang würde eine Titelverteidigung unvorstellbar machen. Überhaupt steht die NBA vor einem sehr stürmischen Transfersommer, viele grosse Namen befinden sich auf dem Markt – darunter auch Durant und Thompson von den Warriors, deren mögliche Abgänge das Ende der Dynastie Golden States bedeuten könnten. Es käme für das Team zur Unzeit – die Partie vom vergangenen Donnerstag war die letzte in der Oracle-Arena in Oakland, das Ende einer Ära, im Sommer steht der Umzug nach San Francisco an. Doch Kevin Durant fällt mit einer gerissenen Achillessehne möglicherweise die ganze Saison 2019/20 aus, was seinen Weggang verzögern könnte. Und Klay Thompson hat immer wieder betont, bleiben zu wollen.

Gehen mehr Teams Risiken ein?

Auch auf dem Markt für Tauschgeschäfte sind grosse Namen zu haben, unter anderem der Center Anthony Davis, der die New Orleans Pelicans seit Monaten verlassen will. Der Umstand, dass das Pokerspiel Torontos so prächtig aufgegangen ist, könnte mehr Mannschaften dazu bewegen, Risiken auf sich zu nehmen – und sei es nur für eine einzige magische Saison, für einen Frühsommer wie im Rausch.

Die Raptors haben am Donnerstag nicht nur den Warriors den Titel entrissen – mit ihrer Vorgehensweise könnten sie Wegbereiter für ein neues Zeitalter in der National Basketball Association sein.

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