Die Qualifikation für den Europacup beschert St.Otmars Handballern gute Neuigkeiten in schwierigen Zeiten

Mannschaftstrainings sind bei St.Otmars Handballern weiterhin tabu. Eine Erfolgsmeldung gibt es dennoch.

Ives Bruggmann
Drucken
Teilen
Spielertrainer Bo Spellerberg (Mitte) führte St. Otmar in der vergangenen Saison in den Europacup.

Spielertrainer Bo Spellerberg (Mitte) führte St. Otmar in der vergangenen Saison in den Europacup.

Ralph Ribi

Das letzte Mannschaftstraining der St.Galler NLA-Handballer liegt mehr als 40Tage zurück. Das Saisonende kam Mitte März abrupt, der Verband sagte die letzten Hauptrundenspiele sowie das Playoff auf Grund der Corona-Einschränkungen ab. Auch ein Meister für die Saison 2019/20 wurde nicht erklärt, ebenso wenig gab es Auf- oder Absteiger. Kurz darauf folgte das Trainingsverbot. Seither halten sich die Spieler St.Otmars mit Ausnahme einer kurzen Pause individuell fit. Kurzarbeit wurde eingeführt. Es ist ein grauer Alltag für die St.Galler Handballer. Nach persönlich abgestimmten Plänen von Athletiktrainer Pascal Kaiser liegt es an jedem Spieler, zu Hause sein Programm abzuspulen.

Da kommt eine Erfolgsmeldung wie jene von gestern gerade recht: St.Otmar nimmt offiziell als eine von vier Mannschaften am Europacup teil. «Die Spieler freuen sich sehr, wieder international zu spielen», sagt Präsident Hans Wey. Es sei eine Bestätigung für die gute Saison, die St.Otmar bis zum Saisonabbruch abgeliefert habe. Und: «Es zeigt, die Fortschritte, die wir zuletzt gemacht haben.» Ungewiss ist derzeit – wie so vieles in der Sportwelt – wann der Challenge Cup startet.

St.Otmar knapp vor Suhr und Wacker Thun

Auf die vier Europacupteilnehmer Kadetten Schaffhausen, Pfadi Winterthur, Kriens-Luzern und St.Otmar verständigte sich der Schweizerische Handballverband (SHV) gemeinsam mit den NLA-Vertretern der Swiss Handball League. Als Basis diente die Tabelle bei Meisterschaftsabbruch. Die zehn NLA-Clubs entschieden sich mehrheitlich dafür, den Zwischenstand vom 13.März 2020 als Abschlusstabelle zu werten. Sechs von zehn Mannschaften hatten bis dahin bereits 25 von 27 Hauptrundenpartien absolviert. St.Otmar belegte mit 29 Punkten aus 25 Partien den vierten Platz, knapp vor Suhr Aarau und Wacker Thun.

Der Saisonstart in die kommende Meisterschaft ist für Anfang September vorgesehen. «Wir gehen davon aus, dass der Spielbetrieb dann wieder aufgenommen werden kann. In welcher Form auch immer», sagt Wey. Bis dahin hält sich der Verein an die Vorgaben des Bundesrates. Am kommenden Mittwoch legt Bundesrätin Viola Amherd ein Exit-Konzept für den Sport vor. Darin soll der schrittweise Ausstieg aller Sportarten geregelt werden. Da Spielertrainer Bo Spellerberg noch bis Ende Juni unter Vertrag steht, ist es möglich, dass er nochmals bei St.Otmar trainieren wird. Kurz nach dem Saisonende hatte er St.Gallen verlassen, um mit seiner Tochter in seine Heimat Dänemark zurückzukehren.

Spellerberg muss die Wohnung noch räumen

Die Mannschaftstrainings, sofern diese irgendwann bewilligt werden, finden jedoch bereits unter der Leitung des neuen Trainers Zoltan Cordas statt. «Aber Bo Spellerberg ist natürlich jederzeit willkommen. Er hat ein Anrecht darauf, bei uns zu trainieren, solange der Vertrag läuft», sagt Wey.

Nach St.Gallen müsse Spellerberg ohnehin nochmals zurückkommen, so Wey. «Schliesslich hat er hier immer noch seine Wohnung.» Weil Spellerberg befürchtete, dass Dänemarks Grenzen wegen des Coronavirus schliessen, blieb ihm keine Zeit, den Umzug vollständig zu vollziehen.

Keine Transfers in der aktuellen Phase

Die Verantwortlichen von St.Otmar haben für die Spieler und den Staff der ersten Mannschaft Kurzarbeit beantragt. Diese wurde per Mitte März bewilligt und läuft bis auf weiteres. Zugute kommt St. Otmar in der aktuellen Situation, dass die Planung des Kaders schon seit längerer Zeit zum grossen Teil abgeschlossen sind. Neuer Trainer wird der Österreicher Zoltan Cordas. Neben Spielertrainer Bo Spellerberg ist Flügelspieler Julian Rauch der einzige Abgang. «Die Mannschaft steht», sagt St. Otmars Präsident Hans Wey. In dieser unsicheren Zeit sei nicht der Moment, um über Transfers nachzudenken. Die Coronakrise fordere St. Otmar, jedoch sei aus finanzieller Sicht alles unter Kontrolle, so Wey. Von Seiten der Sponsoren gab es bisher keine negativen Bescheide. «Wir sind uns der schwierigen Bedingungen für die Zukunft bewusst. Wir hoffen dennoch auf die Solidarität unserer Partner», sagt Wey. (ibr)