Die Parasportlerin Celine van Till gehört zur Corona-Risikogruppe, trotzdem sagt sie: «Ich habe schon viel Schlimmeres erlebt»

Weil sie an Asthma leidet, gehört die Parasportlerin Celine van Till zur Corona-Risikogruppe. Deshalb lebt sie bereits seit Wochen völlig isoliert von ihren sozialen Kontakten und trainiert in der Heimquarantäne.

Simon Häring
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Leichtathletin Celine van Till sieht das Positive an der Coronakrise.

Leichtathletin Celine van Till sieht das Positive an der Coronakrise.

Bild: Daniel Mitchell

Das Datum Anfang März war im Kalender dick angestrichen, und Dubai sollte der Ort werden, an dem Celine van Till den Quotenplatz für die Paralympischen Spiele sichert. Doch am Abend vor der Abreise wurden die Wettkämpfe abgesagt, der Bundesrat erklärte wegen der Coronakrise die ausserordentliche Lage, die Flüge wurden gestrichen. Eine Enttäuschung, aber keine Überraschung, sagt die Genferin. Weil sie Asthmatikerin ist, gehört sie zur Risikogruppe und trainiert schon seit Wochen praktisch nur noch in ihrer Wohnung, auf einem Spinningvelo und an einem Kraftgerät, das ihr der Nationaltrainer von Swiss Paralympic zur Verfügung stellt.

Auf soziale Kontakte verzichtet van Till fast gänzlich, hält über Telefon und Internet Kontakt mit Familie und Freunden. Nur selten verlässt sie ihre Wohnung, für Einkäufe und Trainings auf einer Tartanbahn, die sie in ihrer Nachbarschaft entdeckt hat. «Es ist keine ganze Bahn, sondern nur eine 100-Meter-Strecke», sagt van Till. Völlig verwuchert sei diese und normalerweise für Trainings ungeeignet. Aber in Zeiten wie diesen nimmt man, was man bekommt. Ein Leitspruch, der van Till schon lange begleitet. Seit sie 2008 vom Pferd stürzte, lebt die 28-Jährige mit eingeschränktem Sehvermögen und Gleichgewichts- und Koordinationseinschränkungen.

2012 war Celine van Till Miss Handicap.

2012 war Celine van Till Miss Handicap.

Eduard Meltzer / BLZ

Training zur Erhaltung der Mobilität

Als ehemalige Miss Handicap engagiert sie sich auch neben dem Sport für die Integration von Behinderten in die Gesellschaft. Sie hält Referate, weil sie Menschen inspirieren möchte, das Beste aus ihrer jeweiligen Situation zu machen, und positiv zu denken. So, wie sie es vorzuleben versucht. Sich nun weiter fürs Training zu motivieren, falle ihr leicht, sagt sie: «Ich muss dranbleiben, sonst verliere ich an körperlicher Mobilität.» Und: «Ich habe noch sehr viel Schlimmeres erlebt.» Jeder Tag, jedes Training sei eine neue Herausforderung. Und eine Chance, das Beste daraus zu machen.

Und so mag es kaum überraschen, dass van Till auch der Verschiebung der Paralympischen Spiele Positives abgewinnt. Weil sie erst vor zwei Jahren vom Reiten zur Leichtathletik gewechselt hat, habe sie noch Potenzial, sich in allen Bereichen zu verbessern. «Für mich ist das eine Gelegenheit. Ich habe schon sehr früh das Positive erkannt», sagt van Till, die nach der Verschiebung der Wettkämpfe in Dubai eine Woche pausierte. Sie bereite sich nun eben einfach auf die Paralympischen Spiele 2021 vor, ein Jahr mehr oder weniger? Davon geht die Welt von Celine van Till nicht unter.

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