Ski alpin

Die Österreicher reden nach der Schmach von Val d’Isère von einer unwürdigen Teamleistung

Die österreichischen Abfahrer erleben in Val d’Isère ein Debakel - deshalb wird vieles infrage gestellt.

Martin Probst
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Hannes Reichelt ist über die Leistung der Österreicher enttäuscht, aber er sagt: «Angeschlagene Raubtiere sind am gefährlichsten.»

Hannes Reichelt ist über die Leistung der Österreicher enttäuscht, aber er sagt: «Angeschlagene Raubtiere sind am gefährlichsten.»

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Da hilft nur noch Galgenhumor: Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer reagierte auf die Feststellung, dass erst viermal in der Geschichte des Weltcups der beste Abfahrer aus Österreich noch schlechter klassiert war als er am Samstag auf Rang 17, souverän: «War ich beim schlechtesten Abschneiden auch dabei?» Nein, war er nicht. 1988 war Mayer noch nicht geboren. «Das zeigt, dass wir aktuell noch Potenzial nach unten haben.»

Die grössten Pleiten der Österreicher

Erst viermal war der beste österreichsche Abfahrer im Weltcup schlechter klassiert als am Samstag in Val d’Isère.

23.01.1988, Leukerbad – Anton Steiner Rang 22

24.01.1988, Leukerbad – Rudolf Huber Rang 22

05.03.1994, Aspen – Patrick Ortlieb Rang 18

17.01.2009, Wengen – Georg Streitberger Rang 18

03.12.2016 Val d’Isère – Matthias Mayer Rang 17

So keck die Antwort ist, auch Mayer ging die Schlappe der österreichischen Abfahrer nahe. «So ein Resultat tut jedem brutal weh. Da müssen wir uns jetzt zusammenraufen und alles ganz genau analysieren», sagte er. Dabei war sein persönliches Abschneiden okay. Rang 17 in seinem zweiten Weltcuprennen nach seinem schweren Sturz Ende 2015, als er sich den sechsten und siebenten Brustwirbel brach, darf er als Erfolg abbuchen. «Das war okay», sagte er. «Aber die Teamleistung lässt sich so auch nicht schönreden.»

Schonungsloser in der Analyse des Debakels war Mayers Teamkollege Vincent Kriechmayr, der das Rennen auf Rang 18 beendete: «Die Leistung des Teams ist unser unwürdig. Das darf uns nicht noch einmal passieren.»

Doch was ist schiefgelaufen bei den Abfahrern aus Österreich? ORF-Experte Hans Knauss, der 1999 auf der Streif in Kitzbühel die Abfahrt gewann, fragte: «Wo ist die Freude hin, das Selbstvertrauen? Es geht unseren Fahrern auch technisch alles zu schnell.» Wurde also falsch trainiert? Max Franz, am Samstag auf Rang 21 klassiert, sagte: «Eigentlich haben wir ganz gut trainiert. Doch offenbar kann keiner abrufen, was er eigentlich draufhat.» Romed Baumann auf Rang 20 sieht das anders. Er sagte: «Man muss nun mehr als eine Schraube drehen und vieles hinterfragen.»

Die Diskussionen gehen los

Schon die vergangene Weltcup-Saison verlief für Österreichs Abfahrer alles andere als befriedigend. Im Frühling reagierte der Verband und holte mit Werner Franz einen ehemaligen Spitzenabfahrer ins Trainerteam. Er sollte die «Baustelle» im ÖSV bearbeiten. Der Abfahrts-Cheftrainer Florian Winkler sagte vor der Saison zuversichtlich: «Realistisch ist mit dieser Mannschaft, dass man Rennen gewinnen kann und dass man bei der WM um Medaillen mitfährt.» Aber es brauche wohl noch etwas Zeit, bis es so weit ist.

Max Franz: «Offenbar kann keiner abrufen, was er eigentlich draufhat.»

Max Franz: «Offenbar kann keiner abrufen, was er eigentlich draufhat.»

Keystone

Dass der Speedauftakt nun aber derart schlecht ausfiel, befeuert die Diskussionen um falsches Training und falsche Trainer wieder. Sportdirektor Hans Pum sagte: «Ein solches Ergebnis ist für eine Nation wie Österreich nicht zu akzeptieren. So etwas habe ich noch nie erlebt.» Matthias Mayer sagte: «Ob nun etwas passieren muss oder soll, müssen andere entscheiden. Wichtig ist, dass wir nun alles dafür tun, um besser zu werden.» Routinier Klaus Kröll, am Samstag auf Rang 29 klassiert, analysierte: «Uns fehlt der Grundspeed.» Eigentlich etwas, worauf in der Vorbereitung Wert gelegt wurde. Das ist beunruhigend.

Nur einer mochte nicht in die Klagen einstimmen. Hannes Reichelt auf Rang 24 sagte: «Natürlich ist das eine Klatsche. Aber angeschlagene Raubtiere sind am gefährlichsten.» In Gröden wird sich in zwei Wochen zeigen, ob das so ist.