Die Odyssee endet in Winterthur

Nach seinem Abgang in St. Gallen suchte Kristian Nushi vergeblich nach einem Club. Ein Intermezzo in den USA später landet er nun beim Challenge-League-Club Winterthur. Mit dem FC St. Gallen ging er nicht im Guten auseinander.

Ralf Streule
Merken
Drucken
Teilen
Kristian Nushi Mittelfeldspieler, neu beim FC Winterthur (Bild: pd)

Kristian Nushi Mittelfeldspieler, neu beim FC Winterthur (Bild: pd)

FUSSBALL. Zuversicht und Enttäuschung hielten sich bei Kristian Nushi in den vergangenen Wochen und Monaten die Waage. Immer wieder keimte beim Mittelfeldspieler die Hoffnung auf, doch noch bei einem Verein unterzukommen, nachdem er im Sommer mit dem FC St. Gallen nicht mehr einig geworden war. Viele Gespräche, auch mit ausländischen Clubs, scheiterten. Nun hält es den 32jährigen Kosovaren doch in der Schweiz. Gestern hat er gemäss eigenen Angaben beim FC Winterthur unterschrieben. Der Club liegt in der Challenge League hinter dem Leader FC Wohlen auf dem zweiten Platz.

«Für mich ist es wichtig, im Rhythmus zu bleiben», sagte Nushi gestern am Telefon. Er sei deshalb sehr glücklich, wieder in einem Profibetrieb trainieren zu können. Er habe einen Vertrag bis Ende Dezember unterschrieben. Er wolle im Winter ablösefrei sein und sich so die Chance offenhalten, allenfalls wieder zu einem Super-League-Club wechseln zu können.

St. Gallen, Washington, Gossau

Mit der Unterzeichnung endet für Nushi eine längere Odyssee. Nach seinem Abgang in St. Gallen war er unter anderem beim FC Aarau Thema gewesen. Die Aargauer aber entschieden sich vor Saisonbeginn für Schweiz-Rückkehrer Dusan Djuric. Danach rechnete Nushi mit einem Engagement in den USA, stand kurz vor der Unterzeichnung bei der D.C. United Washington aus der Major Soccer League. Der Club wollte ihn aber vorläufig nur befristet anstellen – Nushi war das Risiko zu gross, dafür sein Einbürgerungsverfahren in der Schweiz aufs Spiel zu setzen. Dazu kam die Schwierigkeit, ein Engagement in den USA mit seiner Familie zu vereinbaren. Letztlich schien der zweifache Familienvater mit leeren Händen dazustehen. Bis gestern.

In der Zwischenzeit hat sich Nushi, der von Spielerberater Bernt Haas betreut wird, auf eigene Faust fit gehalten: im Fitnesscenter, beim Jogging, aber auch im Training mit Ostschweizer Clubs wie dem SC Brühl oder dem FC Gossau. Ein Engagement bei diesen Vereinen sei aber aufgrund ihrer Ligazugehörigkeit für ihn nicht in Frage gekommen, sagt Nushi. Winterthur sei für ihn derzeit ideal, auch geographisch. So könne er mit seiner Familie weiterhin in der Stadt St. Gallen wohnen bleiben, wo er sich sehr wohl fühle.

Ungereimtheiten beim Abschied

Nushis Abgang beim FC St. Gallen hatte im Sommer viele Anhänger überrascht. Der 32-Jährige war einer der dienstältesten St. Galler gewesen. Fünf Jahre lang hatte er im grün-weissen Dress gespielt, war über 150 Mal zum Einsatz gekommen, meist im Mittelfeld. Dort war der Kosovare nicht immer erste Wahl gewesen, überzeugte bei seinen Einsätzen aber mit viel Engagement. Trainer Jeff Saibene hatte sich stets für einen Verbleib Nushis eingesetzt. Und Ende Saison hiess es seitens des Clubs, dass man ihn gerne weiter beschäftigen würde, er aber einen Einjahresvertrag abgelehnt habe.

Wie es damals dazu gekommen ist, will Nushi auf Anfrage nicht detailliert erklären. Er ist aber mit der sportlichen Leitung offenbar nicht im Guten auseinander gegangen. Er sei enttäuscht, sagte Nushi kürzlich, dass er bei den Vertragsverhandlungen vom Club wenig Wertschätzung erhalten habe. Er erklärte stets, dass er grundsätzlich noch immer gerne in St. Gallen gespielt hätte: «Die Zuschauer, der Verein, die Mitspieler, die Region, all das hat mir gefallen.» Die langwierigen Verhandlungen hätten aber dazu geführt, dass er «keinen Spass mehr hatte». Beim FC St. Gallen heisst es, die Verhandlungen seien transparent und korrekt abgelaufen, man habe Nushi bis zum Schluss einen Einjahresvertrag plus Option angeboten. Details zu den Verhandlungen geben weder der Club noch Nushi bekannt.

Mit guten Leistungen in Winterthur will der Kosovare die Geschichte ohnehin schnell vergessen machen. Mit einer baldigen Rückkehr nach St. Gallen dürfen seine Fans aber nicht rechnen.