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Die deutsche Nummer 1: Manuel Neuer

Deutschlands Goalie Manuel Neuer hat wegen einer Verletzung acht Monate lang kein Pflichtspiel absolviert. Trotzdem wird er heute (17.00, SRF zwei) gegen Mexiko im Tor des Weltmeisters stehen.
Carsten Meyer
Hat den Ball unter Kontrolle: Goalie Manuel Neuer. (Bild: Alexander Hassenstein/Getty (Moskau, 13. Juni 2018))

Hat den Ball unter Kontrolle: Goalie Manuel Neuer. (Bild: Alexander Hassenstein/Getty (Moskau, 13. Juni 2018))

Manuel Neuer ist ein Fliegenfänger. Das hat er gerade kürzlich wieder im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Eppan (Südtirol) unterstrichen. Da sass der 32-Jährige bei der letzten PK vor der Abreise auf dem Podium und sprach über die WM-Vorbereitung im Allgemeinen sowie sein Befinden im Speziellen. Doch immer wieder schwirrte eine Fliege um den Bayern-Goalie herum, die ihn sichtlich irritierte – bis er dem Treiben mit einem beeindruckenden Reflex ein Ende setzte. Das Tier blieb selbstverständlich unverletzt, suchte aber umgehend das Weite.

Was dieser Tage aber noch viel wichtiger ist: Neuer zeigt auch bei anderen Flugobjekten (Bälle!) keine Spur von Unsicherheit. Das war im täglichen Training zu sehen – aber auch in den Testspielen gegen Österreich (1:2) oder Saudi-Arabien (2:1). «Es ist, als wäre Manu nie weggewesen», konnte Goalie-Trainer Andreas Köpke freudig konstatieren.

Null Pflichtspiele in acht Monaten

Dabei war Neuer zuletzt so lange weg, dass es erhebliche Zweifel gab, ob er überhaupt wieder rechtzeitig auftauchen würde. Sein dritter Mittelfussbruch zwang ihn zuletzt zu einer langen Pause. Die Anzahl seiner Pflichtspiele in den vergangenen acht Monaten: null.

Und es gibt durchaus Menschen, die recht standhaft die Meinung vertreten, das sei etwas wenig Spielpraxis vor einer WM. Einer der prominentesten Anhänger dieser These ist Oliver Kahn, einer von Neuers Vorgängern im Tor der Deutschen und der Bayern. Sein zurückhaltendes Urteil: «Ob Manuel wirklich in den entscheidenden Momenten auf allerhöchstem Niveau spielen kann, wird sich zeigen.»

Was die Diskussion besonders brisant macht: Deutschland hat ja nicht nur den besten Goalie der Welt (ein fitter Neuer) in seinen Reihen – sondern in Marc-André ter Stegen vielleicht auch den zweit- oder drittbesten. Über die genaue Rangfolge streiten die Gelehrten noch. Sicher ist aber: Wenn man wie Ter Stegen die unangefochtene und gefeierte Nummer 1 beim FC Barcelona ist, braucht man für die Strafraumbeherrschung kein Navigationsgerät.

Neuer oder Ter Stegen? Die Fans sind gespalten

Die deutschen Fans waren in dieser Frage zuletzt jedenfalls gespalten. Als das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) vor Neuers Comeback beim Österreich-Spiel Anfang des Monats die Zuschauer fragte, wer das Tor hüten solle, stimmten 55 Prozent für Ter Stegen. Man kann jedoch nicht gerade behaupten, dass dies bei Bundestrainer Joachim Löw bleibenden Eindruck hinterlassen hätte. Auf die ZDF-Umfrage angesprochen, brummte er sichtlich gelangweilt: «Das ist mir eigentlich egal, was da irgendwer abstimmt.»

Neuer ist sein Captain. Und seine klare Nummer 1. Spielpraxis hin oder her. Breite Zustimmung erntet er aus den Reihen des deutschen Kaders. Innenverteidiger Jérôme Boateng, der wie Neuer bei Bayern München unter Vertrag steht, lobt Ter Stegen zwar («hat sich super entwickelt»), sagt aber auch klipp und klar: «Es ist schon ein Unterschied, ob Manuel Neuer im Tor steht oder ein anderer.»

Als langjähriger Teamkollege konnte Boateng diesbezüglich umfassende Feldstudien aus nächster Nähe unternehmen. Zum Beispiel bei der WM vor vier Jahren, als die Deutschen auf dem Weg zum Titelgewinn durchaus Probleme offenbarten. Im Achtelfinal gegen Algerien (2:1 nach Verlängerung) musste Neuer öfter den Libero der alten Schule geben und bei seinen Ausflügen Kopf und Kragen riskieren. Im Viertelfinal gegen Frankreich (1:0) zeigte der vierfache Welt-Torhüter Reflexe, die man fast als Beweis für ausserirdisches Leben herangezogen hätte. Und im Endspiel gegen Argentinien (1:0 nach Verlängerung) schien seine blosse Anwesenheit die Gegner derart zu irritieren, dass sie feinste Chancenware im Regal verstauben liessen.

Es heisst ja oft, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Manuel Neuer will in Russland den Gegenbeweis antreten.

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