FC Basel
Die Mannschaft von Trainer Paulo Sousa bleibt ein Sprungbrett

Seit dem 1:1 in Liverpool steht er auf Platz 15 der europäischen Klubrangliste – an der Transferstrategie ändert der FC Basel deswegen aber nichts.

Sebastian Wendel
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Drei Kandidaten für einen luktrativen FCB-Transfererlös: Fabian Schär, Derlis Gonzalez und Fabian Frei (von links)

Drei Kandidaten für einen luktrativen FCB-Transfererlös: Fabian Schär, Derlis Gonzalez und Fabian Frei (von links)

Keystone

Das 1:1 an der Liverpooler Anfield Road ist noch keine Stunde alt, da sagt Georg Heitz: «Wir wollen, dass unser Trainer und unsere Spieler interessant sind für andere Vereine.» Preist da der Sportdirektor seine Angestellten zum Verkauf an, während diese in der Kabine das Weiterkommen in der Champions League feiern?

Nein, natürlich nicht. Es ist die Antwort auf die Frage, die der Klubleitung nach jedem sportlichen Meilenstein gestellt wird. Befürchten Sie jetzt den Abgang von Schlüsselspielern?

Bei Teilen des Publikums war das Unverständnis jeweils gross, wenn Spieler wie Aleksandar Dragovic, Mohamed Salah oder Yann Sommer den Verein verlassen haben. Ihnen will Heitz mitteilen, dass der FCB auch 2014 und in der Zukunft angewiesen ist auf den Erlös von Spielerverkäufen.

Budget ohne Erfolgsprämie

Der Klub budgetiert, obwohl er seit fünf Jahren pausenlos europäisch überwintert, immer noch ohne die fetten Erfolgsprämien der Uefa. Und für den im Moment unwahrscheinlichen Fall, dass diese in naher Zukunft einmal wegbleiben sollten, müssten andere Geldflüsse das strukturelle Defizit von rund 10 Millionen Franken ausgleichen: eben Spielerverkäufe.

Entsprechend dieser Philosophie wird es auch in Zukunft die Ausnahme sein, dass der FCB Spieler wie Delgado (32) oder Samuel (36) verpflichtet, die ihren Zenit längst überschritten haben. Heitz: «Wir wollen keine Spieler, die sagen: ‹Basel ist meine Endstation.› Wir sind und bleiben ein Sprungbrettklub.»

Mit Blick auf die finanziellen Realitäten sind dies vernünftige Worte. Ein Beispiel: Basel als Schweizer Serienmeister erhält pro Saison gut zwei Millionen Franken Fernsehgelder. Eine lächerliche Summe im Vergleich mit England: Dort wird dem Letztplatzierten der Abstieg aus der Premier League mit knapp 100 Millionen Franken aus dem TV-Pool versüsst.

Die Vergangenheit zeigt: Die lukrativen Deals hat der FCB jeweils im Sommer getätigt. 2012 Xherdan Shaqiri (Bayern München) und Granit Xhaka (Mönchengladbach), 2013 Aleksandar Dragovic (Dynamo Kiew), zuletzt Yann Sommer (Mönchengladbach) und Valentin Stocker (Berlin). Die Ausnahme war Mohamed Salah, für den Chelsea im Januar 2014 von heute auf morgen 20 Millionen bot – eine Offerte, die weder Klub noch Spieler ablehnen konnten.

Viele Kandidaten für einen Transfer

Auch der bevorstehenden Transferphase im Januar kann der FCB relativ entspannt entgegenblicken. In der Spielervermittler-Szene heisst es, der kurzfristige Abgang eines Schlüsselspielers deute sich nicht an. Ausser natürlich, es kommt zu einer Wiederholung des Falles «Mohamed Salah und Chelsea».

Hingegen ist davon auszugehen, dass im Januar Vorbereitungen getroffen werden für allfällige Sommertransfers in die europäischen Topligen. Die Kandidatenliste ist so lang wie noch nie: Tomas Vaclik, Derlis Gonzalez, Fabian Frei, Fabian Schär, Marek Suchy, Taulant Xhaka (Vertrag läuft aus), Mohamed Elneny, Luca Zuffi, Shkelzen Gashi und Breel Embolo – sie alle sind verhältnismässig jung und haben ihre internationale Klasse bewiesen.

Anders ist die Situation bei Geoffroy Serey Die, Giovanni Sio und Arlind Ajeti: Sie haben aus zwischenmenschlichen (Serey Die) oder sportlichen Gründen keine Perspektive mehr unter Trainer Paulo Sousa – alles andere als ihr Abgang im Winter wäre eine Überraschung.

Apropos Sousa: Auch sein Name dürfte in mehr Notizblöcken stehen als noch im Sommer. Für Sportdirektor Heitz ist es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass der Portugiese den FCB nach einem halben Jahr bereits wieder verlässt: «Trainer wollen eine gewisse Stringenz in ihrem Lebenslauf.»

Wobei eine solche bei Sousa bislang nicht zu erkennen ist: Ob freiwillig oder entlassen – bei seinen früheren Arbeitgebern hat er sich spätestens nach 18 Monaten wieder verabschiedet, um in einem anderen Land ein Projekt zu starten. Sousa sagt: «Es ist fantastisch, nach einem halben Jahr in Basel bereits Geschichte geschrieben zu haben. Die Türen stehen immer offen, wenn man wie ich die Einstellung hat, immer weiter zu wachsen.»

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