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Die Leih-Armee des FC Chelsea

Der Londoner Premier-League-Club hat aus dem Verleih von Spielern ein Geschäftsmodell entwickelt. Das Leihgeschäft habe sich in einen «Wilden Westen des Fussballs» verwandelt, so englische Medien. Auch die Fifa ist gegen diese Auswüchse.
Adrian Lobe
Chelsea kauft Dortmunds Christian Pulisic – und leiht den Spieler gleich wieder an den Bundesliga-Leader aus. (Bild: Francisco Seco/AP)

Chelsea kauft Dortmunds Christian Pulisic – und leiht den Spieler gleich wieder an den Bundesliga-Leader aus. (Bild: Francisco Seco/AP)

Man stelle sich vor, man unterschreibt einen Arbeitsvertrag bei einem Unternehmen und wird vom neuen Arbeitgeber sofort wieder zum alten zurückgeschickt. Was auf dem regulären Arbeitsmarkt als ein halbseidenes Stühlerücken anmuten würde, ist im Fussball gängige Praxis. So verpflichtete jüngst Chelsea für umgerechnet 64 Millionen Euro Christian Pulisic von Dortmund, um diesen sofort nach Deutschland zurückzuleihen. Dort wird der US-Nationalspieler bis zum Saisonende geparkt – wie knapp 30 weitere Spieler unter 25 Jahren, die der FC Chelsea an Clubs in ganz Europa ausgeliehen hat. Stürmer Michy Batshuayi etwa, der für den FC Valencia spielt und auch schon bei Dortmund kurzzeitig unter Vertrag stand.

Vereine sind Verschiebebahnhöfe

Eine ganze «Leih-Armee», so nennt es die englische Presse, hält für Chelsea den Banner hoch. Seit Jahren entsendet der vom russischen Milliardär Roman Abramowitsch gesponserte Club Spieler an Teams auf der ganzen Welt – von Kolumbien bis in die Türkei. Das Ziel: Den Talenten aus der Jugendakademie Spielpraxis zu gewähren, um ihren Marktwert zu steigern. Nach der Leihe werden sie bei entsprechender Leistungssteigerung in das Stammkader inte­griert, verkauft oder, was die Regel ist, erneut ausgeliehen. Michael Hector wurde seit seiner Unterschrift bei Reading sage und schreibe elfmal an unterklassige Teams verliehen, ehe er 2015 vom FC Chelsea verpflichtet wurde und von dort viermal ausgeliehen wurde. Aktuell spielt er für Sheffield Wednesday. Die Vereine sind Verschiebebahnhöfe, und die Spieler bloss Manövriermasse in der grossen Geldmaschinerie namens Fussball.

Fifa will die Zahl der Leihspieler begrenzen

Der «Guardian»-Kolumnist Owen Gibson kritisierte diese Praxis: Das Leihsystem habe sich in einen «Wilden Westen des Fussballs» verwandelt. An dieser neuen Grenze wisse man nicht, was die Folgen sind – sowohl für das Financial Fairplay als auch für den Steuerzahler. Durch den juristischen Kniff der Leihe können Clubs Gehälter einsparen und Transferausgaben auf die nächste Saison stunden – und so ihre Bilanz liften. Frankreichs Kylian Mbappé wurde von Paris St-Germain zunächst nur ausgeliehen, ehe die Pariser die Kaufoption in der Höhe von 180 Millionen Euro zogen. Die Fifa, die Paris St-Germain wegen Verstösse gegen das Financial Fairplay schon einmal im Visier hatte, will daher stärker gegen diese Auswüchse vorgehen. Laut einem Bericht der englischen Zeitung «The Times» hat der Weltfussballverband eine Task Force eingerichtet, die rechtliche Mittel ausloten soll, um die Zahl der Leihspieler zu begrenzen. Chelsea droht jedoch noch wegen einer anderen, indirekt damit verbundenen Sache Ungemach: Bei der Übernahme von Vitesse Arnheim 2010 durch den Bau­löwen Alexander Chigirinsky, einem langjährigen Geschäftspartner und Intimus von Chelsea-Eigner Abramowitsch, sollen zwei seiner Geschäftsführer eine zentrale Rolle gespielt haben. Pikant: Nach dem Deal hat Chelsea in den zwei verbleibenden Wochen vor Schliessung der Transferperiode drei Spieler an Vitesse Arnheim ausgeliehen, darunter den serbischen Nationalspieler Nemanja Matic. Wurde hier gemeinsame Sache gemacht? Der niederländische Verband hat den Fall zweimal geprüft – mit negativem Ergebnis.

Filialen auf der ganzen Welt

Mehrfachbeteiligungen von Unternehmen oder Privatpersonen an Vereinen sind nicht per se regelwidrig – und haben sich gehäuft. So gehört zum Imperium der millionenschweren Pozzo-Familie – der Patron Giampaolo Pozzo hat sein Vermögen in der Metallbranche gemacht – neben Udinese und Watford bis zuletzt auch Granada – der spanische 2.-Liga-Club wurde im vergangenen Jahr an ein chinesisches Konsortium veräussert. Die Pozzo-Eigentümer betrieben jahrelang ein ausgeklügeltes System von Spielertransfers, bei dem Talente geparkt und verschoben wurden. Die City Football Group, deren Flaggschiff Manchester City ist, hat eine Franchise-Struktur mit Filialen auf der ganzen Welt etabliert.

Trotzdem wirft die «Kooperation» zwischen dem FC Chelsea und Vitesse Arnheim die Frage auf, inwieweit kleinere Clubs Beiboote zu grösseren Vereinen sein dürfen und wo die Grenze zum Ausbildungsverein überschritten ist. Auch im hochbezahlten Fussballgeschäft dürfte die Arbeitnehmerüberlassung nicht grenzenlos sein. Spätestens dann, wenn die Fifa ernst macht.

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