Die Last der glorreichen Zeiten

Lausanne-Sports stand einst für Erfolg. Sieben Meister- und neun Cuptitel gewann der Traditionsverein. Heute darbt der Club, der wegen des Konkurses das «s» im Namen opfern musste, in der Challenge League. Am Ostermontag will er St. Gallen am Einzug in den Cupfinal hindern.

Markus Scherrer
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Die Lausanner Rodrigo Antonio Tosi, Guillaume Katz und Luis Pimenta (von rechts) feiern ihren Cupsieg gegen die Berner Young Boys. (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Die Lausanner Rodrigo Antonio Tosi, Guillaume Katz und Luis Pimenta (von rechts) feiern ihren Cupsieg gegen die Berner Young Boys. (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Fussball. Die Liste der bekannten ehemaligen Spieler ist lang. Auf ihr sind unter anderen die Namen von Max Abegglen, des St. Gallers Richard Dürr, den der Verein 1961 für 65 000 Franken von den Young Boys abgeworben hatte, von Ely Tacchella, Erich Burgener, Dominique Herr, Marc Hottiger, Stefan Huber und Christophe Ohrel zu finden. Sie standen für die Erfolge von Lausanne-Sports, des siebenfachen Meisters und neunfachen Cupsiegers. Die glorreichen Zeiten sind jedoch längst Vergangenheit.

Der Westschweizer Traditionsclub darbt heute in der Challenge League und hat 2003, als er Konkurs ging, den Buchstaben «s» in seinem Namen verloren. Heute heisst der Club aus der Waadtländer Metropole FC Lausanne-Sport. Er belegt derzeit in der zweithöchsten Spielklasse den siebten Platz und weist bei Heimspielen einen Zuschauerdurchschnitt von 1112 auf. Als Wil Anfang Dezember in Lausanne gastierte, verloren sich 900 Personen in der altehrwürdigen Pontaise. 14 500 Sitzplätze blieben leer. Und Jean-François Collet, der Präsident, sagte zur Ambiance: «C'est triste à mourir.»

2002 beginnt der Niedergang

Seit 2002 kämpft der Verein ums Überleben. Als der französisch-polnische Geschäftsmann Waldemar Kita den Verein verliess, begann der Niedergang. Die Schulden stiegen rasant an und führten zur Zwangsrelegation, weil der Club praktisch zahlungsunfähig geworden war. Der Konkurs und der in der Folge eingeleitete Neubeginn führte zu keiner Besserung.

Im Juni 2007, als Collet die Aktienmehrheit der LS Vaud Foot SA übernahm, stand der Club erneut vor dem finanziellen Aus. Seither besitzt Collet, oder vielmehr seine Sportmanagement-Firma Grand Chelem, 80 Prozent der Aktien. In sportlicher Hinsicht hat sich Lausanne-Sport seither aber nicht mehr erholt. «Wenn die Leute in der Stadt von LS sprechen», sagte Collet kürzlich gegenüber der Zeitung «Bund», «denken sie an den Club von einst, an die glorreichen Zeiten, an zweistellige Millionenbudgets.

Doch davon ist nichts mehr da.» Deshalb sei der traditionsreiche Name manchmal mehr ein Nach- als ein Vorteil. «Wir sind kein Grossclub.» Das Gesamtbudget beträgt heute 3,2 Millionen Franken. Davon fliesst eine Million in die Nachwuchsabteilung.

Solange der Club nicht in ein neues Stadion ziehen kann, wird er um sein Überleben kämpfen müssen. 2014 oder 2015 soll es so weit sein. Dann soll das neue Stadion am Lac Léman stehen.

Auf der Pontaise sei nicht mehr viel zu machen, so Collet und bezieht sich dabei auf die Vermarktungsmöglichkeiten. Der Präsident weiss, wovon er spricht. Denn mit seiner Sportmanagement-Firma organisiert er unter anderem das Tennisturnier in Gstaad.

Junge Spieler ausbilden

Collets Firma Grand Chelem besitzt nicht nur die Mehrheit an der LS Vaud Foot SA, sondern auch fast alle Transferrechte der Lausanner Spieler. Und sie bürgt für die Gesamtschulden, die nach wie vor 600 000 Franken betragen sollen.

Kurz- und mittelfristig versucht der FC Lausanne-Sport, über die Runden zu kommen. Langfristig strebt er die Rückkehr in die höchste Liga an. Aber nicht um jeden Preis. Der Club setzt auf die Ausbildung der jungen Spieler und will mittelfristig 50 Prozent eigene Akteure in die erste Mannschaft integrieren. Inmitten dieser Talente wird ab nächster Saison Fabio Celestini stehen. Nach seinen Jahren im Ausland kehrt er auf die Pontaise zurück. Auch sein Name ist mit glorreichen Lausanner Zeiten verknüpft.

Die Celestinis von heute heissen Guillaume Katz, Sébastien Meoli, Jérôme Sonnerat, Admir Bilibani oder Rodrigo Antonio Tosi. Vor allem letzteren dürfen die St. Galler am Ostermontag in der AFG Arena nicht aus den Augen verlieren. Tosi erzielte im Cup-Viertelfinal beim 4:1-Erfolg gegen die Young Boys zwei Treffer.

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