Die lange Geschichte eines Starts

SKI NORDISCH. Dass sich der Engadin Skimarathon wandelt, zeigt sich beim Start: Aus dem einstigen Massenstart ist ein raffiniertes Prozedere geworden. Am Sonntag wird zum zweiten Mal aus «Warteboxen» gestartet – was kuriose Bilder hergibt.

Ralf Streule
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Seit 2014: Die Läufer spazieren oder rennen aus ihren Warteboxen, Stärkeklasse um Stärkeklasse. Erst auf dem Startgelände ziehen sie ihre Ski an. Ein Chip hält danach fest, wann die Startlinie passiert wurde. (Bild: ky/Nicola Pitaro)

Seit 2014: Die Läufer spazieren oder rennen aus ihren Warteboxen, Stärkeklasse um Stärkeklasse. Erst auf dem Startgelände ziehen sie ihre Ski an. Ein Chip hält danach fest, wann die Startlinie passiert wurde. (Bild: ky/Nicola Pitaro)

Hört man sich bei Teilnehmern des Engadin Skimarathons um, wird schnell deutlich: Der Start ist für die meisten Langläufer nicht der liebste Abschnitt der Marathonstrecke zwischen Maloja und S-chanf. Im Gegenteil. Das frühe Aufstehen, das Warten in der Kälte, nach dem Startschuss das Gerangel um einige Zentimeter Gleitfläche, die Furcht vor einem Sturz und vor den Stockspitzen der Nebenläufer: All das lässt zwar Wettkampfstimmung aufkommen – richtig freudvoll wird das Rennen aber erst später, wenn auch einmal Zeit bleibt für einen Blick hinauf in die Engadiner Bergwelt.

Vom Massen- zum Blockstart

Der Start ist auch für die Organisatoren des «Engadiners» seit jeher eine Herausforderung. Das Prozedere hat sich in den 47 Jahren des Bestehens stark verändert. 1969, als man bei der ersten Durchführung bereits über 900 Personen am Start hatte, hielt sich die Hektik noch in Grenzen, dasselbe Anfang der 1970er. Doch bereits in den 1980er-Jahren – längst waren über 10 000 Läufer am Start – wurde der Massenstart immer unübersichtlicher. 1993 wurden die Blockstarts eingeführt: Die Läufer wurden aufgrund letztjähriger Resultate in Stärkeklassen zusammengefasst. Diese wurden in bis zu sieben Startfeldern auf dem Silsersee bei Maloja zeitlich gestaffelt losgeschickt. Hier sind besonders die Bilder in Erinnerung, wie sich die Ambitioniertesten aller Kategorien ihre Ski schon morgens um 6 Uhr hinter die Startlinie legten, um sich eine möglichst gute Ausgangslage zu schaffen.

Dieses Prozedere hielt sich sehr lange. Aus jener Zeit stammen die Farben der einzelnen Kategorien, die sich den Läufern eingeprägt haben und bis heute auf Startnummern und Effektensäcken wenig subtil auf die Laufstärke der Sportler hinwiesen. Ein blauer oder roter Effektensack wird im Postauto vor dem Start etwas weniger selbstgefällig getragen wie ein gelber.

Warten mit Ski in der Hand

Dann kam das Jahr 2014. Weil auf dem See zu viel Schnee lag, musste der Start aufs Land verlegt werden. Eine schwierige Angelegenheit, da zwischen Ufer und Dörfchen Maloja wenig Platz zu Verfügung steht. Das OK entschied sich entschuldigend für einen Start aus Warteboxen. Nur die Elite-Kategorie wird wie bisher mit einem Startschuss losgeschickt, der grosse Rest wartet, mit den Ski in der Hand, in eigentlichen Gehegen. Werden diese kategorienweise geöffnet, spazieren oder rennen die Läuferinnen und Läufer aufs Startfeld, ziehen ihre Ski an und skaten los. Erst wenn die Startlinie passiert wird, löst ein Chip in der Startnummer die Zeit aus.

Notfall- wird zur Ideallösung

Die Bilder dieses Boxenstarts sind kurios. Dennoch kam die neue Startvariante bei vielen Läufern gut an. Sie berichteten gemäss den Organisatoren, dass weniger Starthektik aufkomme und der Stau beim Start und später in engen Passagen erträglicher geworden sei. So wurde aus einer Notfall-Variante die von den Läufern bevorzugte Start-Prozedur. Neu ist die individuelle Zeitnahme beim Start, neu ist der Startort. Geblieben ist der Nachteil derer, die in einer hinteren Kategorie starten müssen: Wo Tausende Läufer vorbeigelaufen sind, wird der Schnee mehlig und schwer. Geblieben sind auch die Kategorien-Farben – und die Hoffnung, im kommenden Jahr endlich die nächstbessere Farbe tragen zu können.

1993–2013: Die Teilnehmerzahl liegt konstant über 10 000. Um Staus und Starthektik zu mindern, wird in vier bis fünf Stärkeklassen in Zeitabständen von fünf bis zwanzig Minuten gestartet. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

1993–2013: Die Teilnehmerzahl liegt konstant über 10 000. Um Staus und Starthektik zu mindern, wird in vier bis fünf Stärkeklassen in Zeitabständen von fünf bis zwanzig Minuten gestartet. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

1970: Bei der zweiten Austragung legen die 2000 Läufer im Massenstart los – die Hektik hält sich in Grenzen. (Bild: ky/str)

1970: Bei der zweiten Austragung legen die 2000 Läufer im Massenstart los – die Hektik hält sich in Grenzen. (Bild: ky/str)

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