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Die kuriosesten Fussballligen: Wenn Mörder um eine Ziege spielen

Die besten Fussballer pendeln derzeit zwischen Liga, Champions League und Nations League. Doch der Sport schreibt auch abseits der grossen Bühne seine Geschichten – beispielsweise in einem Gefängnis in Uganda. Ein Blick auf vier einzigartige Ligen.
Text: Sergio Dudli / Illustrationen: Martina Regli

Hinter schwedischen Gardinen

Auch Verbrecher spielen Fussball. Zumindest in einem Gefängnis in Uganda. In einem Vorort der Hauptstadt Kampala gelegen, ist es das schmucklose Zuhause von 3500 Häftlingen. Unter ihnen sind Mörder, Vergewaltiger und Drogenbarone. Auch wenn die Insassen ihre Freiheit verloren haben – die Leidenschaft für Fussball macht vor den Mauern und dem Stacheldraht keinen Halt. Im afrikanischen Gefängnis wird elf gegen elf gespielt, die Mannschaften tragen Namen von europäischen Spitzenteams. Am beliebtesten sind die Clubs aus der englischen Premier League.

Eine Equipe besteht aus 16 bis 25 Häftlingen, dazu kommt je ein Trainer, Sekretär und Finanzverwalter. Letzter wird benötigt, da andere Häftlinge ihre Lieblingsmannschaften finanziell unterstützen können. Mit den Spenden werden Trikots, Schuhe und Essen bezahlt. Die Spiele sind einer der raren Höhepunkte im tristen Alltag, bis zu 1500 Häftlinge verfolgen die Partien auf dem hauseigenen Platz. Für die Sieger winken Preise, die auf den ersten Blick bizarr anmuten, im Gefängnisalltag aber Gold wert sind: Zahnbürsten, Seife, Kleidung – und dem Meister winkt eine Ziege. Sie liefert entweder frische Milch oder eine deftige Mahlzeit. Beides eine Rarität hinter Gittern.

Den Fussballgott auf seiner Seite

Wenn es den Papst nach Fussball dünkt, muss er nur vor die Tür gehen, denn auch der Vatikan hat eine Liga. 16 Teams spielen seit 2007 zwischen März und Mai um den Clericus Cup. Bei den teilnehmenden Mannschaften handelt es sich beispielsweise um Ordensniederlassungen oder Teams bestehend aus Absolventen des Priesterseminars. Über 50 Nationalitäten sind vertreten. Auch die Schweizergarde stellte in den Anfangszeiten der Liga ein Team. Gespielt wird auf dem Campo Cardinale Spellmann, der rund einen Kilometer von der Peterskirche entfernt liegt und nach dem langjährigen Erzbischof von New York benannt ist.

Gespielt wird mit elf Spielern, eine Halbzeit dauert 30 Minuten, und es sind fünf Auswechslungen erlaubt. Steht es nach der regulären Spielzeit unentschieden, kommt es zum Penaltyschiessen. Wie bei einer Liga mit religiösem Hintergrund zu erwarten, gibt es ein spezielles Regelwerk: So wird vor dem Anpfiff auf dem Platz gebetet. Fluchen ist verboten und wird mit einer blauen Karte bestraft, die eine Zeitstrafe mit sich zieht. Meistens geht es friedlich zu und her, aber keine Regel ohne Ausnahme: In der zweiten Austragung des Cups fluchte ein Absolvent des Priesterseminars aus Burkina Faso nach einem Platzverweis so lange, bis sein Team wegen Gotteslästerung ausgeschlossen wurde.

«Dich kenn ich doch ...»

Die Scilly Inseln sind eine Ansammlung aus über 140 Inseln, die rund 50 Kilometer vor der Südwestküste Englands liegen – und Heimat der kleinsten Fussballliga der Welt. Die Woolpack Wanderers und die Garrison Gunners sind die einzigen Teams. In 18 Partien machen sie den Meistertitel unter sich aus. Anpfiff ist jeden Sonntag um 10.30 Uhr auf der Hauptinsel St. Mary’s, die Heimat von 1700 Menschen ist. Nicht immer schaffen es die berufstätigen Spieler, den sonntäglichen Pflichttermin wahrzunehmen. Kein Problem: Oft wird spontan neun gegen neun gespielt oder ein Spieler kurzfristig transferiert, damit der Gegner ebenfalls elf Mann auf den Platz bringt. Im Profifussball undenkbar. Zuschauerschnitt? Knapp unter zehn.

Neben der Meisterschaft gibt es zwei Pokalwettbewerbe sowie den Boxing Day, den zweiten Weihnachtsfeiertag, an dem es zu einem Kräftemessen zwischen Alt und Jung kommt. Speziell ist auch die Zusammensetzung der Teams: Vor dem ersten Spiel treffen sich alle Akteure in einem Pub. Zuerst werden zwei Captains gewählt, dann eine Münze geworfen. Der glückliche Gewinner hat das Recht, sich zuerst einen Spieler auszusuchen. Abwechselnd stellen die beiden Captains Schritt für Schritt ihre Mannschaft zusammen – alles ein bisschen so wie früher in der Schule.

Sieben Spieler sind genug!

Fussball spielt in Indien eine Nebenrolle. Im Bundesstaat Kerala hat sich aber eine eigene Art des Spiels etabliert: Es wird auf kleineren Feldern und mit sieben Feldspielern gespielt. So fallen mehr Tore, die Spiele sind spektakulärer. Bis zu 6000 Zuschauer besuchen die Partien, die auf Ascheplätzen gespielt werden und 60 Minuten dauern.

Es gibt keine Liga, sondern über 100 Turniere. Spieler dürfen für mehrere Clubs auslaufen, pro Team sind zwei Ausländer erlaubt. Viele von ihnen stammen aus Afrika, für jedes Spiel erhalten sie 75 Franken. Sie absolvieren bis zu 150 Partien in einer Saison – und verdienen damit genug Geld, um ihre Familien zu ernähren.

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