Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die Kunst des Neuanfangs

Die acht Schüler, welche die Frauenfelder Time-out-Klasse besuchen, haben viel Seich gemacht und waren manchmal ziemlich frech. Nun wollen sie zeigen, dass sie sich geändert haben. Ihre Ausstellung in der Baliere soll der Beweis dafür sein.
Stephanie Martina
Frauenfeld TG - Schueler der Timeout-Schule in Frauenfeld werden ihre Kunstwerke in der Baliere Galerie ausstellen. Bild: Nana do Carmo / TZ 06.06.2012 (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Frauenfeld TG - Schueler der Timeout-Schule in Frauenfeld werden ihre Kunstwerke in der Baliere Galerie ausstellen. Bild: Nana do Carmo / TZ 06.06.2012 (Bild: Nana do Carmo / TZ)

FRAUENFELD. Kunst kann vieles sein. Es gibt solche, die sagen, Kunst sei die schönste Nebensache der Welt, gleich nach der Liebe. Dann gibt es jene, die behaupten, mit ihr nichts anfangen zu können. Für wieder andere bedeutet sie die Welt. Und für die Schüler der Time-out-Klasse bedeutet sie vor allem eines: eine neue Chance.

Die derzeit acht Schüler kamen ins Time-out (siehe Kasten), weil sie in ihrer ehemaligen Sekundarklasse Probleme hatten oder durch ihr Verhalten zum Problem wurden. Nun sollen sie auf die Rückkehr in ihre ehemalige Klasse vorbereitet werden. Doch die Vorurteile sind damit nicht aus dem Weg geräumt. Mit einer Ausstellung, die am kommenden Freitag in der Stadtgalerie Baliere in Frauenfeld beginnt, möchten die Teenager nun beweisen, dass sie sich geändert haben.

Qualität, kein Gebastel

Gemeinsam mit Künstlern aus der Region haben die Schüler während dem Werken und Zeichnen insgesamt an vier Projekten zum Thema «Schweiz» gearbeitet. Simon Mazenauer (15) aus Sirnach war von Anfang an dabei: «Als erstes haben wir gelernt, wie man Scherenschnitte macht. Zu Beginn war ich nicht so begeistert, weil es sehr viel Geduld brauchte, all die feinen Tierchen, Bäume und Berge auszuscheiden.» Doch mit der Zeit sei er immer besser geworden, und es hätte viel Spass gemacht, sagt er zufrieden. Anschliessend beschäftigten sich die Schüler mit der Malerei. Kühe und der Schweizerpsalm erstrahlen nun in bunten Farben. Danach ging's ans Schnitzen von Holzfiguren. «Ich war zuerst skeptisch, weil ich eigentlich nicht so der Künstler bin», gesteht der 14jährige Miro Antoniol aus Frauenfeld. Doch plötzlich hätte es ihn gepackt, so dass er innert Kürze eine Kuh, einen Senn und ein Schweinchen geschnitzt habe. Zum Schluss versuchten sie sich noch im Buchbinden. «Das war toll. Wir haben je ein leeres Buch, also ein Tagebuch, gebunden und dann noch eines, das <Natürlich die Schweizer> heisst und mit Schweizer Geschichte gefüllt ist», sagt Lea Homberger (14) aus Frauenfeld.

Passend zum Thema «Schweiz» nimmt sich Mister Schweiz Luca Ruch die Zeit, um die Laudatio zu halten. Lea ist begeistert. «Er gefällt mir schon ziemlich gut», schwärmt sie, während Simon und Miro der Ansicht sind, dass sie mit der Miss Schweiz vermutlich besser bedient gewesen wären. Aber Miro meint: «Schön wäre, wenn ich ihm etwas verkaufen könnte.»

Guten Eindruck hinterlassen

Simon, Lea und Miro haben ihr ganzes Umfeld zur Vernissage eingeladen. Angefangen bei Familie und Freunden bis hin zu ehemaligen Lehrkräften und Schulleitern. Auf den Besuch aus der ehemaligen Schule freuen sich Simon und Miro besonders. Beide möchten unbedingt einen guten Eindruck hinterlassen. «Ich bin gespannt auf die Reaktion meines früheren Klassenlehrers. Er war nicht immer begeistert von mir und meiner Arbeit. Aber jetzt kann ich ihm endlich zeigen, dass ich auch anders kann», sagt Simon. Miro geht es ähnlich: «Ich möchte meinem Lehrer beweisen, dass ich mir Mühe geben kann und dran bleibe, wenn ich etwas wirklich möchte.» Lea hingegen freut sich vor allem darauf, ihre Mutter durch die Galerie zu führen. «Ich möchte meiner Mutter zeigen, dass ich nicht nur faul bin und Blödsinn mache, damit sie endlich auch mal stolz auf mich sein kann», erklärt sie.

Auch Lehrerin Franziska Stöckli ist sichtlich stolz auf ihre Schüler. «Ich bin immer wieder beeindruckt, wie engagiert Jugendliche sein können, die zuvor als Faulpelze, Störefriede und Verweigerer galten.» Und gerade weil jeder von ihnen eine Geschichte habe und einen Rucksack mit negativen Erlebnissen und schlechten Erfahrungen mit sich herumtrage, sei ihre künstlerische Arbeit umso mehr zu würdigen.

Alle Bilder verkauft

Doch nicht nur für die Schüler sei diese Ausstellung wichtig, betont Stöckli. Auch für die Eltern sei es schön, dass nun einfach mal etwas gut sei. Zumal sie in den letzten Jahren meist nur zu hören bekommen hätten, was alles nicht gut sei bei ihren Kindern.

Bereits seit Jahren veranstaltet das Time-out Kunstausstellungen. Und jedes Mal sind die Werke innert Kürze verkauft. Doch viel wichtiger als die Einnahmen sei die positive Atmosphäre, das Lob, die Anerkennung für die Schüler. Fragen wie «Das hast aber nicht etwa du gemacht, oder?» hallen jedes Mal durch die Galerie. Die meisten Besucher könnten kaum glauben, dass diese Schüler, mit all ihren Problemen und Sorgen, solche Kunstwerke zustande bringen würden, erklärt Stöckli. «Man traut es ihnen wegen ihrer Vorgeschichte nicht zu, das sie für Kunst prädestiniert sein könnten. Doch jeder einzelne hat das Gegenteil bewiesen.»

Vernissage: Fr, 15.6., 17–20, Stadtgalerie Baliere, Frauenfeld. Ausstellung: Sa, 16./23.6., 14–17. So, 17./24.6., 10–14. Finissage: Fr, 29.6.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.