Die Könige von morgen

Für junge Schwinger ist es eine einzigartige Chance: Am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag können sie nur einmal in ihrem Leben teilnehmen und sich mit den Besten der Schweiz messen. Die Festsieger dürften eine erfolgreiche Zukunft vor sich haben.

Laura Inderbitzin
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Werner Schlegel (rechts) konnte als erst 15-Jähriger schon am Schwägalp-Schwinget teilnehmen und am Sonntag vor 1 (Bild: Urs Bucher)

Werner Schlegel (rechts) konnte als erst 15-Jähriger schon am Schwägalp-Schwinget teilnehmen und am Sonntag vor 1 (Bild: Urs Bucher)

Kilian Wenger, Joel Wicki und Samuel Giger. Das sind nicht etwa die Favoriten für das Eidgenössische in Zug nächstes Jahr, sondern alles Sieger von vergangenen Nachwuchsschwinger­tagen. Dieses Schwingfest findet am Sonntag in Landquart zum fünften Mal statt und ist quasi das Eidgenössische für den Nachwuchs: Es wird ebenfalls nur alle drei Jahre durchgeführt, nur die Besten der fünf Teilverbände dürfen teilnehmen, und die Sieger haben eine vielversprechende Zukunft vor sich.

Anders ist beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag einzig, dass in drei verschiedenen Kategorien geschwungen wird. Die Jahrgänge 2001, 2002 und 2003 machen jeweils die Sieger unter sich aus. So gibt es am Ende für jede Altersklasse einen kleinen «Schwingerkönig».

Zahlreiche Nordostschweizer haben die Chance, sich am Schwinget zu beweisen. Insgesamt 33 fahren nach Landquart. Allen voran der Hemberger Werner Schlegel. Obwohl erst Jahrgang 2002, ist er der erfolgreichste Nordostschweizer Teilnehmer. Am St. Galler Kantonalfest in Tübach klassierte er sich überraschend auf dem zweiten Platz und holte damit seinen ersten Kranz. Am Sonntag durfte Schlegel, der im Oktober 16 Jahre alt wird, ausserdem am Schwägalp-Schwinget teilnehmen.

Grösser, schwerer und bescheidener

Im Hinblick auf den Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag gibt sich der Zimmermannlehrling aber bescheiden. «Ich weiss nicht, ob ich Favorit bin. Ich kenne schliesslich nur meine Konkurrenten aus der Ostschweiz – die Schwinger aus den anderen Teilverbänden nicht.» Da könne es stärkere Sportler haben, deshalb sei sein Ziel erst mal der Zweig. Alles andere lasse er auf sich zukommen. Der Hemberger wirkt bedacht für einen 15-Jährigen und kommt auch sonst nicht wie ein typischer Jugendlicher daher. Er ist 1,85 Meter gross, 100 Kilo schwer und wirkt damit wie ein Erwachsener.

In seiner Freizeit ist Schlegel Geissen- und Bienenzüchter. «Ich fand, Geissen gehören einfach auf einen Hof, und ausserdem sind es lustige Tiere. Also habe ich die Initiative ergriffen.» Die Ziegen leben nun bei seinen Eltern auf dem Bauernbetrieb, doch sie gehören ihm. Und mit seinen beiden Bienenvölkern produziert er Honig für sich und seine Familie. «Ja, andere finden meine Hobbys vielleicht ungewöhnlich. Für mich sind sie das nicht», sagt Schlegel kurz angebunden.

«Du musst auch so gut sein wie dein Vater»

In der jüngsten Alterskategorie 2003 schwingt Thomas Burkhalter. Er kommt aus Homburg im Thurgau und ist Sohn von Stefan Burkhalter, seinerseits Eidgenosse und 105-facher Kranzgewinner. «Zuschauer sagen manchmal zu mir: ‹Du musst auch so gut sein wie dein Vater.› Das macht schon Druck», sagt der 15-Jährige. Aber bis jetzt sei es ihm meist gelungen, damit umzugehen. «Mein Vater hilft mir dabei und gibt mir viele Tipps.» In dieser Saison hat der Landwirtlehrling neun Feste gewonnen und startet als Favorit in seiner Altersklasse. «An diesem Fest kann jeder nur einmal teilnehmen, und ich will meine Chance nutzen.»

Verletzung wirft Bollhalder zurück

Auch Manuel Bollhalder will seine Chance nutzen. Der Flawiler schwingt bei den Ältesten mit Jahrgang 2001. «Mit der Teilnahme an diesem Fest erfüllt sich ein Traum von mir», sagt er. Der Zimmermannlehrling schwingt seit zwei Jahren bei den Aktiven, für einen Kranz hat es bisher nicht gereicht. «Diese Saison wäre ein Kranz eigentlich das Ziel gewesen. Aber im Winter hatte ich mir den Bauchmuskel angerissen und konnte deshalb nicht voll trainieren.» Trotzdem hat Bollhalder drei Nachwuchsfeste gewonnen und will auch am Sonntag um den Sieg mitreden.

Wenn die jungen Nordostschweizer in ihren Kategorien den Titel holen, ist das ein Versprechen für die Zukunft. Bollhalder könnte seinen ersten Kranz gewinnen. Burkhalter in die Fussstapfen seines Vaters treten. Und Schlegel könnte an die Erfolge von Samuel Giger oder Kilian Wenger anknüpfen.