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«Die Kinder wären enttäuscht, wenn wir keine Rute dabei hätten»: Was Ostschweizer Samichläuse zur Debatte um die Fitze sagen

Keine Rute, kein Tadel: Die Samichläuse der St.Galler Chlausgruppe St.Martin wollen nicht mehr böse sein. Für andere Ostschweizer Chlausgruppen ist die Rute für den Schmutzli Pflicht – aber nicht zum Schlagen.
Maria Kobler-Wyer
Samichlaus und Schmutzli zu Besuch bei einer Familie: Das goldene Buch und die Rute gehören dazu. (Archivbild: Michel Canonica)

Samichlaus und Schmutzli zu Besuch bei einer Familie: Das goldene Buch und die Rute gehören dazu. (Archivbild: Michel Canonica)

«Es ist nicht mehr notwendig, den bösen Mann zu spielen»: Das sagte Dominik Hollenstein von der St.Galler Chlausgruppe St.Martin gegenüber dem Tagblatt. Die Chläuse von St.Martin verzichten mittlerweile aufs Tadeln – und aufs Mittragen von Ruten. Hintergrund: Während der Nikolaus früher ein Zuchtmittel für Eltern gewesen sei, werde die Erziehung heutzutage anders gelebt. Man wolle den Kindern lieber Werte vermitteln, anstatt sie zu tadeln. «Wir reden offener mit ihnen, führen einen Dialog. Wir sind nicht mehr allwissend.»

Im Gegensatz zur Chlausgruppe St.Martin in St.Gallen haben die Samichläuse und Schmutzlis der Klausaktion Romanshorn meistens eine Rute dabei. «Sonst wären vor allem die Kinder enttäuscht», sagt Rainer Nobs, Präsident der Klausaktion Romanshorn. Gerade bei Schulbesuchen würden die Kinder immer nach dem Esel, der Fitze und dem goldenen Buch fragen. «Aber die Rute wird natürlich nicht zum Schlagen eingesetzt», sagt Nobs.

Bei der Chlausengruppe Appenzell gehört eine Rute ebenfalls zur Ausrüstung des Schmutzlis dazu. «Der Schmutzli braucht die Rute aber, um seine Schuhe zu putzen, oder er klopft sich selber mal an die Beine, wenn es zu laut ist», wie es auf Anfrage heisst. «Unser Samichlaus ist auch lieb.» Die Appenzeller Chläuse sind gut gekleidet. «Man sieht nicht auf den ersten Blick, dass der Bart nicht echt ist», lässt die Chlausengruppe verlauten. So haben auch grössere Kinder Respekt vor ihm.

Auf Augenhöhe mit den Kindern

Der Schmutzli aus Buchs hat eine Rute dabei. (Bild: Urs Bucher)

Der Schmutzli aus Buchs hat eine Rute dabei. (Bild: Urs Bucher)

Auch bei der St.Niklausvereinigung Buchs-Grabs haben Samichlaus und Schmutzli eine Rute dabei. «Mich erinnert es eher an einen Besen als an eine Rute», sagt Romy Gaug, die für die Anmeldungen zuständig ist. «Und Schmutzli tönt sowieso viel netter als etwa Knecht Ruprecht.»

Während früher Samichlaus und Schmutzli mahnend vor den Kindern standen, sitzen sie heute auf Stühlen und sind damit auf Augenhöhe mit den Kindern. Denn Nikolaus und Schmutzli sollen lieb sein. «Aber mit Mitra und Stab sieht der Nikolaus schon beeindruckend aus», sagt Gaug.

«Wenn mal die Eltern den Stab halten sollen, flösst selbst ihnen der Chlaus Respekt ein.»

Knapp 190 Anmeldungen sind bei der St.Niklausvereinigung dieses Jahr eingegangen. Die Eltern füllen jeweils eine Lob- und Tadelliste aus. Schreiben die Eltern Sätze wie «Du bist kein Baby mehr, gib deinen Nuggi ab» oder «Du bist schon fünf Jahre alt und trinkst immer noch aus der Flasche», spricht diese der Samichlaus nicht aus. «Die Kinder sollen ein positives Erlebnis haben», sagt die vierfache Mutter Romy Gaug. So beginnt ein Nikolaus-Besuch vielfach mit einer Geschichte. Der Samichlaus nimmt sich für eine Familie 20 bis 30 Minuten Zeit, auf die Minute genau planbar ist der Besuch aber nicht. Romy Gaug wünscht sich deshalb, dass sich auch die Familien bewusst Zeit nehmen.

«Es kommt schon vor, dass bei einer Familie der Chlaus-Besuch zwischen Coiffeur-Termin und Fussballtraining hineingequetscht wird.»

Auch in Romanshorn geben die Eltern vor, für was die Kinder vom Samichlaus gelobt oder getadelt werden. «Am häufigsten müssen wir den Kindern sagen, dass sie ihr Zimmer besser aufräumen oder anständiger mit ihren Geschwistern umgehen sollen», sagt Nobs, der selber seit über 15 Jahren als Samichlaus unterwegs ist. «Wir schauen aber, dass das Lob überwiegt.» Denn der Samichlaus ist wohlwollend – nicht böse. So nimmt er auch keinen Nuggi mit, wenn er sieht, dass das Kind noch zu sehr an diesem hängt und ihn nur die Eltern loswerden wollen. Im Vergleich zu früher sind heute auch elektronische Medien Thema beim Samichlaus. «Er redet mit den Kindern über die Nutzungszeit von Handy oder Tablet», sagt Rainer Nobs. «Das gab es vor 20 Jahren noch nicht.»

Auf Themen wie Bettnässen geht der Samichlaus hingegen nicht ein. «Schimpfen würde hier das Gegenteil bewirken», heisst es bei der Chlausengruppe Appenzell. Und auch den Nuggi nimmt der Samichlaus nur mit, wenn das Kind ihn von sich aus abgeben will. Er hat aber jedes Jahr ein besonderes Geschenk für die Familien dabei, die er besucht. Einmal verschenkte er eine Salbe. Diese konnte das Kind zum Beispiel benutzen, wenn es traurig war. Das Geschenk soll als Erinnerung an den Samichlaus-Besuch dienen. Und wenn die Eltern dies möchten, können sie das Kind damit auch daran erinnern, was es mit dem Samichlaus besprochen hat.

Samichläuse üben in Rollenspielen

An der Hauptversammlung üben junge Chläuse der St.Niklausvereinigung Buchs-Grabs in Rollenspielen, wie sie sich in Konflikt- oder Spasssituationen verhalten sollen. «Dieses Jahr sind ein paar junge Schmutzlis aus der Jungwacht hinzugekommen», sagt Gaug. «Nach einigen Lehr-Jahren können diese dann Samichlaus werden.» 90 Prozent der Samichläuse seien aber seit Jahren dabei und wüssten, wie sie sich verhalten sollen.

Die Samichläuse sind aber auch offen für Neues: «Eine Familie, die aus dem Aargau zugezogen ist, wünschte sich, dass der Samichlaus einen ungeschmückten Tannenbaum in ihr Haus trägt, so wie es in ihrer alten Heimat Brauch ist», sagt Gaug. «Diesen Wunsch haben wir gerne erfüllt.» Abgelehnt wurde hingegen der Besuch bei 14- bis 15-Jährigen eines Vereins. «Sind ein paar Jugendliche zusammen, entsteht eine Gruppendynamik», sagt Gaug. «Sie machen sich über den Nikolaus lustig und haben keinen Respekt mehr.»

Aber auch der Nikolaus ist nicht ohne Fehler. «Im letzten Jahr haben Chlaus und Fahrer bei einem Haus den Schmutzli vergessen», sagt Romy Gaug.

Musik spielen, Lieder singen oder Verslein aufsagen

Insgesamt scheint der Samichlaus wieder populärer zu werden. «Bei uns melden sich wieder mehr Familien für einen Chlaus-Besuch als noch vor fünf bis zehn Jahren», sagt Rainer Nobs.

«Eltern setzen auf alte Werte und lassen alte Traditionen gerne wieder aufleben.»

Für Samichlaus Rainer Nobs ist es jeweils ein besonderes Highlight, wenn Kinder bei seinem Besuch auf ihrem Instrument ein Stück spielen, spontan ein Liedlein singen oder einen langen Vers aufsagen. «Ich freue mich auch sehr über die vielen Zeichnungen, gebastelten Samichläuse, Guetzli oder Grittibänze, die wir erhalten», sagt Nobs.

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