Die junge Generation der Fussballtrainer – und wie sie tickt

National wie auch international ist dieser Trend zu beobachten, Trainer werden immer jünger. Sportpsychologe Jörg Wetzel erklärt, warum das so ist.

Raphael Gutzwiller
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Luzerns Cheftrainer Fabio Celestini und YB Trainer Gerry Seoane.

Luzerns Cheftrainer Fabio Celestini und YB Trainer Gerry Seoane.

Alexandra Wey / Keystone (1. Februar 2020)

Der 44-jährige Fabio Celestini steht sinnbildlich für die jüngere Trainergeneration. Als er 2016 erstmals in der Super League an der Linie steht, ist er der jüngste Trainer der Liga. Heute sind mit Ludovic Magnin (40, Zürich), Gerardo Seoane (41, YB), Marc Schneider (39, Thun) und Ricardo Dionisio (37, Sion) weitere Jungtrainer hinzugekommen. Auch international ist dieser Trend zu beobachten, Trainer werden immer jünger. Beispiele dafür sind etwa der 32-jährige Julian Nagelsmann von RB Leipzig, der 37-jährige Mikel Arteta von Arsenal oder der 41-jährige Chelsea-Trainer Frank Lampard.

Zwischen ihnen und den alteingesessenen Trainern gibt es grosse Unterschiede, erklärt der Sportpsychologe Jörg Wetzel, der unter anderem die Schweizer Olympiadelegation berät. «Die jüngere Trainergeneration ist in vielen Belangen anders als etwa die Generation rund um Ottmar Hitzfeld. Die meisten Trainer waren früher eher vom autoritären Schlag. Sie haben gesagt, wie es ist, die Spieler hatten wenig bis kein Mitspracherecht. Das hat sich etwas verändert.»

Wichtig sei dies insbesondere deshalb geworden, weil die Kinder der 1990er- oder 2000er-Jahre schon früh ein grösseres Selbstvertrauen entwickelt haben, als dies bei jüngeren Spielern vor 20 Jahren der Fall war. Auch viele erfahrene Trainer haben diese Entwicklung mitgemacht, sagt Wetzel. «Es ist heute noch wichtiger als früher, dass man allen Spielern ein wichtiges Gefühl gibt. Es können im Fussball nur elf Spieler spielen, im Kader sind aber mehr als doppelt so viele Akteure. Und sie alle haben ihre Fähigkeiten, sonst wären sie nicht im Kader. Deshalb ist es entscheidend, dass der Trainer klar machen kann, welche Rolle jeder Einzelne im Team hat und dass er wichtig ist.»

Die Speziallrolle des Fussballs

Laut Wetzel ist dies in allen Sportarten wichtig, der Fussball nimmt jedoch eine Spezialrolle ein. «Der Unterschied zu anderen Sportarten liegt darin, dass die Aufmerksamkeit deutlich höher ist», sagt er. Daher sei das Anspruchsdenken von vielen Profi-Fussballern auch anders, als es in anderen Teamsportarten der Fall ist. Vielleicht ist es jene Aufmerksamkeit, die dazu führt, dass viele ehemalige Top-Profis auch Trainer auf höchster Stufe sind. «Zum einen haben sie natürlich auch Kontakte, zum anderen können sie sicher auch mit dem Druck umgehen. Doch das Wichtigste ist: Die Fähigkeiten als guter Trainer müssen vorhanden sein. Es reicht nicht, nur zu verstehen, wie der Fussball funktioniert.»

Das Entscheidende als Trainer sei es, immer authentisch zu bleiben, ist Sportpsychologe Wetzel überzeugt. Dazu zähle auch, dass der Trainer in jedem Fall ein Vorbild bleibt. «Egal ob es nach dem Training oder sonst irgendwo ist: Der Trainer muss in jedem Moment eine Vorbildfunktion wahrnehmen. Denn wenn das ein Trainer nicht tut, verliert er bei den Spielern automatisch an Anerkennung – ob bewusst oder unbewusst», so Wetzel.

Den Vorteil den jüngeren Coaches sei zudem noch ein anderer: «Die meisten jungen Trainer bringen viel mehr Leichtigkeit hinein als die erfahrenen Trainer. Es ist aber entscheidend, dass Trainings immer mal wieder auch Spass machen, um erfolgreich zu sein.»