Die Hoffnung liegt im Thurgau

FÜNFKAMPF. Der moderne Fünfkampf hat das wichtigste Standbein in der Ostschweiz. Athlet Yves Walz aus Frauenfeld und Teamchef Patrik Riebli versuchen, die kleine Flamme nochmals zum Feuer zu entfachen. Walz könnte Olympiakandidat, aber auch der «letzte Mohikaner» sein.

Urs Huwyler
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Fünfkämpfer Yves Walz wird auch von Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig unterstützt. (Bild: Urs Huwyler)

Fünfkämpfer Yves Walz wird auch von Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig unterstützt. (Bild: Urs Huwyler)

Eigentlich wäre der moderne Fünfkampf mit Schwimmen, Fechten, Reiten, Schiessen und Laufen ebenso attraktiv wie modern. Vielleicht liegt in der Vielfalt ein Grund, weshalb die olympische Sportart in der Schweiz kaum betrieben und noch weniger wahrgenommen wird. Mit «grosser Aufwand, kleine Unterstützung» lässt sich die Situation zusammenfassen. «Ich muss 100 Prozent arbeiten und mich bei Einsätzen an den Kosten beteiligen», beschreibt der Frauenfelder Yves Walz die Ausgangslage.

Als Update-Zentrumsleiter in Münchwilen kann der als starker Fechter und Schütze (Laser-Pistole) bekannte CISM-WM-Zweite und dreifache Weltcup-Finalist die Fitness im «Haus» pflegen, doch damit hat er noch keine Disziplin trainiert. «Schwimmen ist wie Laufen und Fechten eine Trainingsdisziplin. Ein Pferd besitze ich nicht, Reitstunden müssen genügen. Schiessen läuft nebenher», erklärt der aktuell erfolgreichste Schweizer Fünfkämpfer.

Es fehlen Zeit und Geld

Die im Februar in den USA beginnende Weltcup-Serie wird kein Thema sein. Einerseits fehlt die Zeit, andererseits verfügt der Verband nicht über die finanziellen Mittel. So bleiben mit der WM Ende Juni in Berlin, der EM in Bath (GB) nach den Sommerferien und den CISM-Weltspielen in Südkorea (Oktober) je nach Stand der Dinge drei Saisonhöhepunkte. Der Amateur trifft dabei auf bei der Grenzwacht, Polizei oder dem Militär angestellte Profis. Trotz der unterschiedlichen Voraussetzungen hat sich der 32jährige Yves Walz entschieden, ein Jahr anzuhängen. Zur Seite stehen ihm technisch und beim Formaufbau Ex-Spitzenathlet und Nationaltrainer Andrej Ammann und Micarna-Teamkollegin Nicola Spirig. Für die Triathlon-Olympiasiegerin ist es kaum vorstellbar, ohne reduziertes Arbeitspensum fünf Sportarten zu trainieren.

Keine Unterstützung

Einen Grossteil der Freizeit setzt Patrik Riebli (Ottoberg) für den «Pentathlon» ein. Sportchef, Teamchef Olympische Spiele 2016 in Rio, Chef Region Nordostschweiz – alles läuft über den 39jährigen Thurgauer. Unter jenen Funktionären, die bei einem zu Swiss Olympic gehörenden Verband tätig sind, hat Riebli am meisten Pech. Weil die Erfolge fehlen, fehlt die Unterstützung des Dachverbandes und das Sponsoreninteresse. Dadurch fehlt das Geld und es wird noch schwieriger, die nötigen Erfolge zu erzielen.

Hinweise folgen in nächster Zeit

Daneben verfügt der Verband über einzelne talentierte Athleten. «Heute setzen jedoch viele Talente nicht mehr konsequent auf den Sport. Sobald der harte Trainingsalltag folgt, stossen sie an ihre Grenzen», sagt Riebli, der auch die Eishockeyspielerinnen des SC Weinfelden betreut. Ist Yves Walz also letzter Mohikaner oder Olympiakandidat? «Schwierig zu beurteilen. Die nächsten Monate werden Hinweise liefern», antworten der Athlet und sein Sportchef unabhängig voneinander.