Die heilsame Macht der Trainer: Langnau-Ambri ist auch das Duell zwischen Heinz Ehlers und Luca Cereda

Die Aussenseiter Langnau und Ambri stehen überraschend in den Playoffs: Sie verdanken es in erster Linie ihren Trainern Heinz Ehlers und Luca Cereda.

Klaus Zaugg
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Begabung: Ambri-Trainer Luca Cereda. (Bild: Michela Locatelli / Freshfocus)

Begabung: Ambri-Trainer Luca Cereda. (Bild: Michela Locatelli / Freshfocus)

Kein Kanadier, kein Finne und kein Schwede, auch keiner aus dem Welschland oder der Deutschschweiz könnte Ambri-Piotta als Trainer zu seinen Ursprüngen zurückführen. Das vermag nur ein Sohn der Leventina. Und allein kann er das auch nicht. Er braucht einen Sportchef, der mit dieser Kultur vertraut ist und ihm den Rücken frei hält. Präsident Filippo Lombardi hat die zwei Männer gefunden, die in der Seele Ambri-Traditionalisten und moderne hockeytechnische Revolutionäre sind.

Paolo Duca (37) wird im Frühjahr 2017 vom Captain zum Sportchef befördert und Luca Cereda (37) der Trainer. Luca Cereda hat die Begabung, aus einem Minimum ein Maximum herauszuholen. Er fordert ein «totales» Hockey wie Heinz Ehlers in Langnau. Die Scheibe oder der scheibenführende Gegenspieler werden unter Beibehaltung von Ordnung gejagt. Dank des Rückhalts durch den Sportchef ist er in seiner ersten Saison trotz eines zweitletzten Platzes nie in Frage gestellt worden. Die Geduld hat sich gelohnt. Gleich in seiner zweiten Saison hat Luca Cereda (mit einem jederzeit kündbaren, «gewöhnlichen» Arbeitsvertrag) Ambri zum ersten Mal seit 2014 in die Playoffs geführt.

Diese Playoffs 2019 sind wertvoller als alle vorangegangenen, ja sogar als der gegen Lugano verlorene Final von 1999. Nie war Ambri so populär wie heute. Aber nun hat Ambri das Pech, im Viertelfinal ausgerechnet auf Biel zu treffen. Gegen Langnau, Servette, ja sogar gegen Lugano wären die Siegeschancen höher als 50 Prozent. Aber nicht gegen Biel. Ambri hat in der Qualifikation alle vier Partien verloren. Weil Biel Individualisten wie Damien Brunner hat, die auch mit bester defensiver Ordnung nicht ganz in Griff zu bekommen sind. Auch in Langnau spielt der Trainer eine so zentrale Rolle wie Luca Cereda in Ambri. Heinz Ehlers ist Langnaus wichtigster Trainer der Neuzeit. Am 4. Oktober 2016 steht er zum ersten Mal an der Bande (0:3 gegen Ambri). Scott Beattie ist nach neun Niederlagen in zehn Spielen gefeuert worden. Heinz Ehlers ist kein Besserwisser. Er ist ein Bessermacher. Er verbindet die soziale Kompetenz der Skandinavier mit der Akribie eines helvetischen Buchhalters. Er hat die notwendige Sturheit, um sein Konzept durchzusetzen, die schmerzhafte Direktheit, um ohne Umschweife zu erklären, was er will, sowie ein feines Gespür für die Stimmung in der Kabine.

Bessermacher: Langnau-Trainer Heinz Ehlers. (Bild: Anthony Anex / Keystone)

Bessermacher: Langnau-Trainer Heinz Ehlers. (Bild: Anthony Anex / Keystone)

Aus Heinz wird in Langnau nicht Hene

Wie sehr Heinz Ehlers (mit Vertrag bis 2021) inzwischen in Langnau verehrt und respektiert wird, zeigt sich an einer Nebensächlichkeit. Die Emmentaler pflegen, die Vertrautheit mit einem Menschen mit dem Vornamen auszudrücken. Aus Hans wird «Hausi», aus Fritz «Fridu» und aus Jakob «Köbu». Aber keiner nennt Heinz «Hene». Stets ist vom «Heinz» die Rede. Es ist die höchste Form von Respektsbezeugung. Heinz Ehlers lässt «totales» Hockey spielen wie Luca Cereda in Ambri: Die Scheibe oder der scheibenführende Gegenspieler werden unter Beibehaltung von Ordnung gejagt. Wie weit kann Langnau kommen? Gegen Biel, Ambri oder Servette hätte es eine Erfolgschance von über 50 Prozent gehabt. Aber gegen Lausanne haben sie drei von vier Qualipartien verloren. Weil Lausanne taktisch die welsche Antwort auf Langnau ist. Mit doppelt so viel Talent.