Die grosse Ernüchterung

Trotz neuer Spieler kann sich der FC St. Gallen seiner alten Sorgen nicht entledigen. Nach dem 1:4 gegen die Grasshoppers rutscht er zum Rückrundenbeginn wieder auf den letzten Rang ab. Mario Frick erzielt für die Zürcher das 1:0.

Patricia Loher
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St. Gallens Verteidiger Daniel Dunst (links) versucht mit Goalie Germano Vailati, den Zürcher Innocent Emeghara am Abschluss zu hindern. (Bild: Ralph Ribi)

St. Gallens Verteidiger Daniel Dunst (links) versucht mit Goalie Germano Vailati, den Zürcher Innocent Emeghara am Abschluss zu hindern. (Bild: Ralph Ribi)

Fussball. Aus der Sicht eines St. Galler Anhängers präsentierte sich gestern vieles wie ein Spiegelbild der Vorrunde. Da war der vielversprechend offensive Beginn mit einer guten Chance. Da war aber auch ein frühes Gegentor, das ausgerechnet der ehemalige St. Galler Mario Frick erzielte. Da war der Ausgleich als Hoffnungsschimmer, den sich die Ostschweizer aber gleich zunichte machten, weil sie dem Gegner alles zugestanden, was sie ihm nicht hätten zugestehen sollen: Zeit und Platz – vor allem auch nach ruhenden Bällen. Die cleveren Grasshoppers kamen so mit relativ wenig Aufwand bereits vor der Pause zu einem 4:1. Denn nachdem der Schiedsrichter dem St. Galler Tor zum 2:2 die Anerkennung verweigert hatte, riss der Faden und regierte im Spiel der Einheimischen phasenweise die Panik.

Ein «rabenschwarzer Tag»

Höhepunkt war ein strenger, von Fernando verschuldeter Penalty nach 39 Minuten, den Boris Smiljanic souverän zum 4:1 verwertete. Für das Foul hatte Fernando die gelbe Karte gezeigt bekommen. Symptomatisch war, dass sich der Verteidiger praktisch mit dem Pausenpfiff in der eigenen Platzhälfte zu einem überflüssigen zweiten Foul hinreissen liess, was den Platzverweis zur Folge hatte. Eine Aufholjagd mit einem Mann weniger war ein hoffnungsloses Unterfangen, in der zweiten Halbzeit schien sich St. Gallen geknickt in die Niederlage zu schicken. St. Gallens Trainer Uli Forte sprach hinterher von einem «rabenschwarzen Tag». Dabei hätten sie sich so viel vorgenommen. Vielleicht zu viel? Forte verneinte. «Die Mannschaft war nicht nervöser als sonst.»

St. Gallen ist während der Winterpause und trotz der Verpflichtung von fünf neuen Spielern – gestern kamen vier von ihnen von Beginn weg zum Einsatz, Daniel Beichler musste krankheitsbedingt passen – die alten Sorgen nicht losgeworden und steckt vor den Auswärtsspielen in Basel und Zürich wieder tief im Sumpf des Abstiegskampfes. Dabei war die Zuversicht grösser als auch schon. Es kamen 16 963 Zuschauer in die AFG Arena – so viele wie zu keinem anderen Spiel in der Super League. Doch 30 Minuten in der ersten Halbzeit reichten, um hart auf dem Boden der Realität aufzuprallen. St. Gallen arbeitete während jener Phase defensiv schlecht und lud den spielstarken Gegner dazu ein, seine Angriffe aufzuziehen. Dabei konnte der neue Innenverteidiger José Gonçalves nicht verbergen, dass ihm die Spielpraxis fehlt, und war neben ihm vor allem Fernando mit den schnellen Gegenspielern immer wieder überfordert.

Das «erwartete» Tor von Frick

Dabei hatte St. Gallen gut begonnen. Nach 30 Sekunden eröffnete sich Neuzugang Alberto Regazzoni eine Chance, dieses so immens wichtige Spiel in gute Bahnen zu lenken. Doch der Stürmer, der nach 53 Minuten mit Adduktorenproblemen auswechselt werden musste, liess die Möglichkeit aus, und bereits nach acht Minuten erzielte Frick ein Tor, das eigentlich alle erwartet hatten, nachdem sein Vertrag in St. Gallen im Winter aufgelöst worden war und er zu den Grasshoppers wechselte. Die Vorarbeit geleistet hatte Innocent Emeghara, dem in der Folge mit zwei Toren zum 2:1 und zum 3:1 die Entscheidung gelang. Ein Lichtblick war St. Gallens 1:1. Der neue Stürmer Klemen Lavric traf nach einem Einwurf von Daniel Dunst, eines anderen neuen Spielers, per Kopf schön zum Ausgleich. Zu jenem Zeitpunkt, nach zwölf Minuten, zeichnete sich noch nicht ab, welch grosse Probleme auf St. Gallen zukommen sollten. Als ein Knackpunkt erwies sich die 19. Minute: Der Schiedsrichter verweigerte dem Kopfballtreffer von Lavric zum 2:2 die Anerkennung, weil der von der Lattenunterkante zurückgeprallte Ball die Torlinie nicht vollumfänglich überquert haben soll. Davon erholte sich die Mannschaft nicht mehr. «Wir machten vieles falsch, was noch in der Vorbereitung gut war», sagte Forte und fügte an: «Wir müssen nun nach vorne schauen.»

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