American Football
Die Green Bay Packers: Ein Footballteam, das erfolgreich aus der Zeit fällt

Die Green Bay Packers gehören nicht einem Milliardär, sondern der Bevölkerung. Dennoch kämpfen sie um die Teilnahme im Superbowl. Das ist eine gute Nachricht im Milliardengeschäft des Profisports.

Nicola Berger
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Aaron Rodgers, Quarterback der Packers, bejubelt den Sieg gegen die Los Angeles Rams.

Aaron Rodgers, Quarterback der Packers, bejubelt den Sieg gegen die Los Angeles Rams.

Mike Roemer / AP

Am Sonntag greifen die Green Bay Packers gegen Tom Brady und die Tampa Bay Buccaneers nach der Teilnahme im Superbowl vom 7. Februar in Tampa. Und schon das allein ist eine gute Nachricht, im Jahr 2021, wo Parität im Milliardengeschäft des Profisport allzu oft ein flüchtiges Gut geworden ist.

Green Bay, knapp 105'000 Einwohner, ist für amerikanische Verhältnisse ein Kaff, es steht im Verhältnis zu den Me­tropolen an den Küsten ungefähr da wie Ambri-Piotta im Vergleich mit den ZSC Lions.

Green Bay hat den kleinsten Markt, was bei TV-Verträgen, der Sponsorensuche und der Spielerakquise ein Nachteil ist. Und während sich die Konkurrenz in den Händen von mal mehr und mal weniger schillernden Milliardären aus aller Herren Ländern befindet, gehören die Packers: den Menschen. Sie sind als Non-Profit-Organisation aufgebaut und werden von Kleinaktionären kontrolliert; niemand darf mehr als vier Prozent besitzen.

Es ist das gefürchtetste Gastspiel in der NFL

Das macht Green Bay zu einem faszinierenden Konstrukt, das wie aus der Zeit gefallen wirkt. Über die Heimstätte Lambeau Field lässt sich das Gleiche sagen. In der 1957 erbauten Trutzburg kann es kälter als minus 20 Grad werden, es ist das gefürchtetste Auswärtsspiel in der National Football League (NFL). Die mitunter garstigen Verhältnisse im Winter in der Käsehochburg Wisconsin sind ein Mitgrund dafür, weshalb Tom Brady und die Buccaneers von den Buchmachern als Aussenseiter geführt werden.

Das Playoff-Spiel der Green Bay Packers gegen Tennessee fand letztes Jahr kurz nach Weihnachten im Schneetreiben statt.

Das Playoff-Spiel der Green Bay Packers gegen Tennessee fand letztes Jahr kurz nach Weihnachten im Schneetreiben statt.

Keystone

Den oft unwirtlichen Bedingungen zum Trotz beträgt die Warteliste für Saisonkarten mindestens 30 Jahre, manchmal sogar mehr als 60, sie werden hingebungsvoll gehütet und vererbt. Es hat sich in der Region deshalb eingebürgert, dass Familien ihre Kinder gleich bei der Geburt dafür registrieren lassen. Es sind solche Details, die den Eindruck verstärken, die Packers seien die letzte Bastion für Romantiker in der National Football League; sie geniessen so etwas wie einen globalen Underdog-Bonus. In dieser Woche sagte sogar Julian Nagelsmann, der Coach von RB Leipzig, schwärmerisch, die Packers seien «eine spezielle Organisation».

Bereits 13 Titel gingen nach Wisconsin

Aber die Franchise bietet mehr als nur Nostalgie: 13 Titel holten die Packers schon, Rekord, Green Bay wird als «Titletown USA» referenziert. Allerdings stammen nur vier Triumphe aus der Superbowl-Ära, die 1967 begann. Die Superbowl-Trophäe ist heute nach Vince Lombardi benannt, dem langjährigen Coach der Packers.

Zuletzt jedoch enttäuschte Green Bay beständig, obwohl sie mit Aaron Rodgers einen der besten Quarterbacks der Liga beschäftigen. Erst der Trainerwechsel von 2019 vom bemerkenswert unkreativen Mike McCarthy zum jungen Innovator Matt LaFleur sorgte für eine Renaissance. Sie könnte nun in der ersten Superbowl-Teilnahme seit 2011 münden – es wäre der Beweis, dass Parität in der NFL mehr als nur eine Propagandalüge ist.