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EM-Qualifikation: Die Georgier werden sich gegen die Schweiz nicht verstecken

Zum Start der EM-Qualifikation tritt die Schweizer Nationalmannschaft in Georgien an. Der georgische Fussball hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht – das sieht man auch in der Schweiz.
Raphael Gutzwiller
Georgische Fans feiern ihre Stars nach einem Spiel gegen Kasachstan. (Bild: Levan Verdzeuli/Getty (Tiflis, 19. November 2018))

Georgische Fans feiern ihre Stars nach einem Spiel gegen Kasachstan. (Bild: Levan Verdzeuli/Getty (Tiflis, 19. November 2018))

Georgier sind stolze Menschen. Sie schwärmen von ihrem Land, das zu den schönsten der Welt zählt, über das Essen, bei dem einem das Wasser im Mund zusammenläuft, sie erklären gerne ihre ungewohnte Schrift und ihr Alphabet mit 33 Buchstaben. Derzeit sind sie aber vor allem auch stolz auf ihr Fussballteam. 2018 war das erfolgreichste Jahr in der noch jungen Geschichte des georgischen Nationalteams. In zehn Partien verlor Georgien nur einmal und siegte achtmal. Auch wenn Georgien dabei auf keine Topmannschaften traf – die Resultate sind beein­druckend.

«Wir sind in einer Euphorie», sagt Aussenverteidiger Otar Kakabadze vom FC Luzern. «Wir wollen und können uns für die Europameisterschaft qualifizieren.» Dazu hat Georgien zwei Möglichkeiten: Die EM-Quali­fikation oder das Finalturnier der Nations League. Nach dem souveränen Gruppensieg in der Liga D gilt Georgien gegen Kosovo, Mazedonien und Weissrussland als Favorit auf die EM-Teilnahme. Auch in der klassischen Qualifikation rechnen sich die Georgier etwas aus. Nationaltrainer Vladimir Weiss sagt: «Dänemark und die Schweiz sind zwar Favoriten in der Gruppe, aber nach den Erfolgen in der Nations League haben wir grosse Hoffnung für die Zukunft.»

Verbandsstrukturen werden verbessert

Jene Hoffnung für den georgischen Fussball rührt zum einen daher, dass das Nationalteam aus vielen jungen Spielern besteht, zum anderen, weil sich endlich etwas auf Verbandsstufe verändert. Lewan Kobiaschwili, ehemaliger Spieler von Hertha, Schalke und Freiburg ist seit 2015 Präsident. «Ich will nicht sagen, dass die vorherige Verbandsspitze schlecht war», sagt Kakabadze diplomatisch. «Aber es ist schon eine Entwicklung spürbar.» Kobiaschwili sagte in der «Sonntagszeitung»: «Gestartet sind wir bei null.»

Nun aber tut sich etwas. Die Infrastruktur wird verbessert, die Ausbildung professioneller. Das ist nötig, wie die Beispiele der drei in der Schweiz angestellten Georgiern zeigt. Kakabadze, der junge FCZ-Spieler Levan Kharabadze und Valeriane Gvilia, derzeit von Luzern an Górnik Zabrze ausgeliehen (Ausgabe vom Dienstag), haben allesamt Offensivdrang, sind technisch beschlagen. In der ­Defensive und im taktischen Verständnis fehlt aber einiges. Vielleicht auch darum, weil Georgien stets das Spiel gestalten will – egal, wer der Gegner ist. «Wir werden uns gegen die Schweiz nicht verstecken», verspricht Kakabadze, der wegen einer Verletzung wohl nicht spielt.

Während sich Georgien politisch in Richtung Europa bewegt, trauert man im georgischen Clubfussball der Sowjetunion nach. Zweimal holte sich der Vorzeigeverein Dinamo Tiflis den sowjetischen Meistertitel (1964 und 1978) und 1981 den Europacup der Cupsieger. Es waren glorreiche Zeiten für das Team, das für viele als Nationalteam Georgiens galt. Das damalige Stadion für fast 80 000 Zuschauer war meist ausverkauft. Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Dinamo wurde zwar 2016 letztmals georgischer Meister, im Schnitt kommen aber weniger als 1000 Zuschauer. Dies notabene in einem Stadion, das 55000 Zuschauern Platz bietet. Die Georgier interessieren sich nur für das Nationalteam. Gegen die Schweiz dürfte das Dinamo-Stadion fast ausverkauft sein. «Der Clubfussball ist in Georgien leider zu schlecht», sagt Kakabadze. Zwar gibt es viele talentierte Fussballer in Georgien, so früh wie möglich wechseln diese aber nach Europa, weil kaum Geld vorhanden ist. Kein Stammspieler des Nationalteams spielt in der heimischen Liga.

Georgier wandern immer häufiger aus

Damit gibt es Gemeinsamkeiten zur georgischen Gesellschaft. Weltweit gibt es fast 5 Millionen Georgier, nur 3,7 Millionen davon leben in Georgien. Aus wirtschaftlichen Gründen verlassen viele das eurasische Land gen Europa. Spätestens seit 2016 das Assoziierungsabkommen mit der EU in Kraft trat und die Georgier somit für ein Schengen-Land kein Visum brauchen, ist die Zahl von georgischen Asylbewerbern auch in der Schweiz deutlich angestiegen. «Ich verstehe diese Menschen», sagt Kakabadze. «Viele wollen in einem anderen Land ein besseres Leben.»

Am Samstag aber, wenn Georgien spielt, fiebern alle mit gegen die Schweiz. Nicht ­dabei ist der Star des Teams. Giorgi Chakvetadze von Gent. Der 19-jährige Flügelspieler wurde zuletzt von Bayern München und Barcelona umworben, ist jedoch verletzt. «Das ist ein grosser Ausfall», sagt Kakabadze. Dennoch dürfte die Schweiz vor Georgien gewarnt sein. Wie sagte auch der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic? «Die Georgier sind ein stolzes Team, das ­gefährlich ist.»

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