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Die Formel-1-Party kommt nicht auf Touren

Leere Ränge, wenig Flair: Eine rauschende Party ist der 1000. Formel-1-Grand-Prix in Schanghai bislang nicht. Selbst die Fahrer messen dem grossen Jubiläum kaum Bedeutung bei.
Marco Heibel (SID), Schanghai
Die Fahrer konzentrieren sich vor allem aufs Rennen - Jubiläum hin oder her. (Bild: Keystone (Schanghai, 13. April 2019))

Die Fahrer konzentrieren sich vor allem aufs Rennen - Jubiläum hin oder her. (Bild: Keystone (Schanghai, 13. April 2019))

Ein 200 Meter langer roter Teppich ist ausgerollt, ein riesiger Schriftzug mit der Zahl «1000» prangt kamerafreundlich auf dem Betonboden des Fahrerlagers von Schanghai. Doch die Party zum grossen Jubiläum der Formel 1 kommt nicht so recht auf Touren. Ein paar allem Anschein nach willkürlich ausgewählte Motorsport-Reliquien zierten am Freitag das Paddock, Helden von früher machen sich rar – und für die Stars von heute scheinen die Feierlichkeiten ohnehin keine Rolle zu spielen.

«Ich bin keiner für Geburtstage, Jubiläen oder sonstige besondere Tage», sagte Weltmeister Lewis Hamilton. «Ob es das 1000., 2000. oder das 10.000. Rennen ist, das ist irrelevant für mich», führte der Mercedes-Pilot aus England aus. In dieselbe Kerbe schlug Red-Bull-Star Max Verstappen. «Es ist das 1000. Rennen, das letzte war das 999. Rennen. Für mich ändert das nichts», erklärte der Niederländer gewohnt lakonisch.

Das Programm ist spärlich, wenn man bedenkt, dass die Formel 1 das 1000. Rennen seit Wochen offensiv bewirbt und die gesamte Saison unter das Jubiläumsmotto gestellt hat. Neben den drei noch aktiven Weltmeistern Vettel, Hamilton und Kimi Räikkönen haben lediglich vier weitere Champions von einst ihr Kommen angesagt: Alain Prost, Damon Hill, Jacques Villeneuve und Nico Rosberg. Das Quartett wäre allerdings ohnehin vor Ort, der Franzose Prost (vier WM-Titel) ist Renault-Repräsentant, die anderen drei berichten als TV-Experten über die Formel 1. Hill immerhin drehte am Freitag eine Demorunde im Lotus 49, dem Weltmeisterauto seines Vaters Graham aus der Saison 1968.

Ecclestone bleibt auf seiner Farm

Die meisten Heroen aus vergangenen Zeiten treten die beschwerliche Reise nach China aber gar nicht erst an, und «Mister Formel 1» fehlt ebenfalls: Bernie Ecclestone, langjähriger Promoter der Motorsport-Königsklasse, ist dem neuen Eigner Liberty Media seit seiner Entlassung im Januar 2017 gelinde gesagt nicht freundlich gesonnen. Der 88-Jährige bleibt lieber auf seiner Farm in Brasilien.

Auch die Stimmung auf den Zuschauerrängen entlang der Strecke im Nordwesten der Mega-Metropole Schanghai liess zum Auftakt zu wünschen übrig. Obwohl laut Veranstalter das Rennwochenende ausverkauft ist, verloren sich zu den Freitagstrainings nur wenige Tausend Zuschauer auf den Rängen. Anders hätte das gewiss in Silverstone ausgesehen, wo am 13. Mai 1950 das allererste Rennen stattfand – doch der Formel-1-Führung war das Risiko einer Regenschlacht in England zu gross. Nun also China, das Formel-1-Boss Chase Carey als «einen der aufregendsten Orte für die Zukunft in der Formel 1» bezeichnete.

Zu den unrund anlaufenden Jubiläumsfeierlichkeiten passt, dass es nach Ansicht von Motorsport-Puristen an diesem Wochenende nicht einmal einen Grund zum Feiern gibt. Ihrer Rechnung nach findet heute nämlich erst der 972. Grand Prix statt. Elfmal, von 1950 bis 1960, wurde im Rahmen der Formel-1-WM bei den 500 Meilen von Indianapolis gefahren, obwohl kaum ein Königsklassenpilot am Start war – und kein Indy-Sieger an den weiteren WM-Läufen teilnahm. Zudem wurde 1952 und 1953 aus Mangel an geeigneten Fahrzeugen nach Formel-2-Reglement gefahren, auch diese 17 Läufe zählen eiserne Statistiker nicht mit.

Schanghai. Grand Prix von China. Startaufstellung: 1 Bottas (FIN), Mercedes. 1:31,547 (214,355 km/h). 2 Hamilton (GBR), Mercedes, 0,023 zurück. 3 Vettel (GER), Ferrari, 0,301. 4 Leclerc (MON), Ferrari, 0,318. 5 (NED), Red Bull-Honda, 0,542. 6 Gasly (FRA), Red Bull-Honda, 1,383. 7 Ricciardo (AUS), Renault, 1,411. 8 Hülkenberg (GER), Renault 1,415.

Ohne Zeit: 9 Magnussen (DEN), Haas-Ferrari. 10 Grosjean (FRA/SUI), Haas-Ferrari. -

Nach dem zweiten Teil des Qualifyings ausgeschieden: 11 Kwjat (RUS), Toro Rosso-Honda. 12 Perez (MEX), Racing Point-Mercedes. 13 Räikkönen (FIN), Alfa Romeo-Ferrari. 14 Sainz (ESP), McLaren-Renault. 15 Norris (GBR), McLaren-Renault.

Nach dem ersten Teil des Qualifyings ausgeschieden: 16 Stroll (CAN), Racing Point-Mercedes. 17 Russell (GBR), Williams-Mercedes. 18 Kubica (POL), Williams-Mercedes. 19* Giovinazzi (ITA), Alfa Romeo-Ferrari. 20** Albon (THA), Toro Rosso-Honda. – 18 Fahrer im Qualifying. – * Kein Start (Motorprobleme). ** Kein Start (Unfall im dritten Training). – Tagesbestzeit: Bottas im dritten Teil.

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