Die Formel 1 muss Krach machen

Das will ja keiner hören. Oder besser – das hört ja niemand. Zum Unterhaltungs-Business Formel 1 gehört der ohrenbetäubende Lärm der Motoren. Das sehen nicht nur die Fans so.

Thomas Werner
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Das will ja keiner hören. Oder besser – das hört ja niemand. Zum Unterhaltungs-Business Formel 1 gehört der ohrenbetäubende Lärm der Motoren. Das sehen nicht nur die Fans so. Ron Walker, der Geschäftsführer des GP von Australien, wirft den Formel-1-Verantwortlichen wegen der zu leisen Sechszylinder-Turbomotoren nun gar Vertragsbruch vor. «Ich war absolut erfreut über das ganze Wochenende, aber ich war nicht besonders glücklich über den Sound», wird Walker in der australischen Zeitung «The Age» zitiert. Er prophezeit Beschwerden von weiteren GP-Veranstaltern, wenn sich nichts ändere. Walker suchte deshalb bereits das Gespräch mit Chef-Promoter Bernie Ecclestone. Und stiess dabei sicher auf offene Ohren. Der 83jährige Brite hatte schon vor Einführung der neuen Turbomotoren gewarnt: «Die Leute wollen Lärm – etwas Besonderes.»

Lärm verkauft Tickets

Nicht nur die Zuschauer wollen etwas für ihr Geld. Auch die Veranstalter, welche Ecclestone Beträge in zweistelliger Millionenhöhe überweisen müssen, um ein Rennen in der Königsklasse des Automobilsports zu erhalten. Bei den WM-Rennen in Asien soll diese Antrittsgage bis zu 40 Millionen Dollar betragen. Da müssen einige Tickets verkauft werden, wollen auch die Veranstalter auf ihre Kosten kommen. «Man muss eine Nachfrage schaffen, und Teil der Nachfrage ist auch, dass die Menschen den Krach der Boliden mögen», so Walker.

Auch Weltmeister Sebastian Vettel vermisst den Sound der Achtzylinder-Saugmotoren. Es höre sich an, als würde nebenher der Staubsauger laufen, und nicht, als würde ein Rennauto fahren, so der 24-Jährige nach dem Auftaktrennen. Einen Vorteil machte er aber trotzdem noch aus: Konnte man sich früher per Boxenfunk kaum mit seinem Ingenieur verständigen, sei eine Unterhaltung nun problemlos möglich. Viel brachte dies dem vierfachen Weltmeister in Melbourne allerdings noch nicht, das Rennen dauerte für ihn nur gut vier Runden.

Vettels Staubsauger

Ecclestone ist bemüht, das Problem der zu geringen Lärmbelastung zu beheben. Er will untersuchen lassen, ob es einen Weg gibt, damit die neuen Autos bald so tönen wie «richtige Rennautos», sagte er gegenüber der englischen Zeitung «The Telegraph». Dann wird Vettel den Staubsauger-Sound nur noch beim Hausputz erleben.