Formel 1
Die Formel 1 huldigt Niki Lauda - doch Zeit zum Trauern bleibt den Fahrern kaum

Nach dem Tod von Legende Niki Lauda regiert im Fahrerlager beim Grand Prix in Monaco die Trauer. Doch der PS-Zirkus lässt den Fahrern kaum Zeit, die Schocknachricht zu verdauen. Die Show muss weitergehen. Vor diesem Hintergrund muss Ferrari die Doppelsieg-Serie von Mercedes stoppen.

Marco Heibel, Monaco
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Trotz Schock laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Ferrari will die Doppelsieg-Serie von Mercedes unbedingt stoppen.

Trotz Schock laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Ferrari will die Doppelsieg-Serie von Mercedes unbedingt stoppen.

Keystone

Am Tag nach der Schocknachricht vom Tode Niki Laudas nahm eine der schnellsten Sportarten der Welt zügig wieder ihre gewohnte Geschwindigkeit auf. Die Rennwagen sind bereit für ihre ersten Ausritte, die Motorhomes entlang der Hafenpromenade von Monte Carlo gewappnet für den Ansturm der Reichen und Schönen beim Grossen Preis von Monaco.

Niki Lauda vor vier Jahren beim GP von Malaysia in Sepang. Der Österreicher verstarb am 20. Mai 2019 im Alter von 70 Jahren in Zürich.
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Abschied von einem grossen Champion: Niki Lauda.
Niki Lauda wurde 70 Jahre alt.
Der Österreicher war dreifacher Formel-1-Weltmeister (1975, 1977, 1984).
Lauda war später Pilot und Airline-Besitzer.
Die rote Kappe war sein Markenzeichen.
Lauda mit Ehefrau Birgit an den Laureus Sport Awards in Berlin 2016.
Lauda erhielt die Auszeichnung für sein Lebenswerk.
Lauda (rechts) und sein Rivale James Hunt 1976. Es war die Saison von Laudas schrecklichem Unfall auf dem Nürburgring.
Die Formel-1-Legende Niki Lauda zieht sich beim Horrorunfall im Jahr 1976 auf dem Nürburgring schwerste Verbrennungen zu.
Der Rennfahrer war auch über einen Monat nach dem Unfall noch schwer gezeichnet. Niki Lauda an einer Pressekonferenz nur fünf Wochen nach der Feuerhölle.
Auch ein halbes Jahr nach dem Unfall waren die Spuren der Verbrennungen noch deutlich sichtbar.
Seine erste Station in der Formel 1 war 1971 das Team March.
Lauda fuhr für McLaren (1982 - 1985), Brabham (1978 - 1979), Ferrari (1974 - 1977), BRM (1973) und March (1971 - 1972).
Niki Lauda.
Bei Ferrari war er Teamkollege von Clay Regazzoni.
Gehörten zu den erfolgreichsten Fahrer ihrer Zeit (von links): Regazzoni, Lauda und Emerson Fittipaldi im April 1974 auf dem Podest des Grand Prix von Spanien.
1979 gründete er die erste Lauda Air. 2003 folgte Flyniki.
Lauda im Cockpit des Airbus A320 im Rahmen des Erstfluges von Flyniki am Freitag, 28. November 2003, am Wiener Flughafen Schwechat.
Mit Laudamotion wollte der Unternehmer 2004 ins Leihwagenservice-Geschäft einsteigen. 2009 zog er sich zurück.
Der Selfmade-Millionär präsentiert 2015 sein Buch "Reden wir über Geld".
Eine Frohnatur war Niki Lauda nicht, dafür hatte er sein Herz auf der Zunge.
Lauda und Alain Prost.
Lauda und Michael Schumacher 1996.
Lauda und Nico Rosberg 2015.
Niki Lauda verstarb am 20. Mai 2019.

Niki Lauda vor vier Jahren beim GP von Malaysia in Sepang. Der Österreicher verstarb am 20. Mai 2019 im Alter von 70 Jahren in Zürich.

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Äusserlich geht die Show weiter im PS-Zirkus – ein Ansatz, der dem stets rastlosen und effizienzorientierten Ex-Weltmeister Niki Lauda gefallen hätte. Nur der Schnellste von allen, Weltmeister Lewis Hamilton, durfte in seiner Trauer noch innehalten.

Der WM-Spitzenreiter wurde auf Antrag seines Mercedes-Teams von der Teilnahme an der Fahrerpressekonferenz freigestellt. Sebastian Vettel äusserte sich dagegen gestern erstmals zu dessen Tod.

Teammitglieder tragen Trauerflor

«Niki hinterlässt eine Lücke, die schwer zu füllen sein wird. Er war eine echte Rennsportikone. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich ihn einen Freund nennen konnte.»

Er könne «nur den Hut vor dem ziehen, was er geleistet hat. Michael Schumacher oder Ayrton Senna haben die Latte immer höher gelegt. In Nikis Zeit traf das auf ihn zu», ergänzte der 31-Jährige, der sich mit seinem Ferrari-Team im nunmehr fünften Jahr erfolglos am Mercedes-Team abarbeitet.

Der Silberpfeil-Rennstall, zu dessen Erfolgsserie Lauda als Team-Aufsichtsratschef seit 2012 erheblich beigetragen hatte, erweist dem dreimaligen Weltmeister beim Glamour-Grand-Prix in angemessener Weise die Ehre. Auf den Silberpfeilen ist eine Hommage Laudas angedacht, zudem soll jedes Teammitglied ab Donnerstag Trauerflor tragen.

Dominanz von Mercedes

Auf den Toro-Rosso-Boliden war am Mittwoch bereits der Schriftzug «Danke Niki» zu lesen, daneben prangte in Schwarz-Weiss das Konterfei Laudas vor seinem schweren Feuerunfall 1976. Auch Laudas frühere Rennställe Ferrari und McLaren wollen ihre Trauer beim sechsten Grand Prix des Jahres im Fürstentum zum Ausdruck bringen.

Sportlich geht es vor allem um die Frage, ob die erdrückende Dominanz von Mercedes ein Ende findet. Selbst der fünfmalige Weltmeister Lewis Hamilton beklagte zuletzt bereits die aufkommende Langeweile.

«Was die Formel 1 ausmacht, sind die Momente, in denen du gegen andere Teams kämpfst», sagte der WM-Spitzenreiter. Der Engländer und sein finnischer Mercedes-Stallkollege Valtteri Bottas machten in den ersten fünf Rennen die Plätze eins und zwei unter sich aus.

«Auf dem Papier wird Monaco schwierig»

Sechs Doppelsiege in Folge wären ein Novum in der fast 70-jährigen Geschichte. Dass dieser Rekord im Leitplankengeschlängel des Fürstentums fällt, ist nicht unwahrscheinlich, denn besonders in den Kurven war Mercedes der Konkurrenz von Ferrari und auch Red Bull zuletzt deutlich voraus.

«Auf dem Papier wird Monaco schwierig, wir sind in den Kurven zu langsam», räumt auch Vettel ein, der als WM-Vierter bereits 48 Punkte Rückstand auf Hamilton aufweist. Allerdings gebe es «Anzeichen, die uns optimistisch sein lassen.»

Auf das falsche Pferd gesetzt

Ferrari scheint beim Konzept des SF90 auf das falsche Pferd gesetzt zu haben. Der Speed des roten Renners auf den Geraden ist beeindruckend, doch dies reicht im Gesamtpaket nicht aus, weil in den Kurven zu viel Zeit eingebüsst wird.

Eine grundlegende Umstellung des komplexen Systems mitten in der Saison funktioniert nur in kleinen Schritten. Das weiss auch Vettel: «Wir haben ein gutes Auto. Aber Mercedes ist einfach schneller. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das zu ändern.»

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