Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die FIS will Kombi aus dem Skiweltcup streichen - eine Ersatzdisziplin ist schon gefunden

Der Internationale Skiverband FIS hat konkrete Pläne, die Kombination abzusetzen. Die Mischdisziplin aus Abfahrt und Slalom leidet an fehlendem Zuschauerinteresse. Mit den Parallelrennen hat die FIS bereits ein potenzielles Nachfolgeformat im Weltcup etabliert.
Pascal Koster
Die Schweizer Skirennfahrerin Michelle Gisin ist wohl die letzte Olympiasiegerin in der Kombination. Die Engelbergerin gewann Gold in Pyeongchang 2018. Bild: Jean-Christophe Bott/KEY

Die Schweizer Skirennfahrerin Michelle Gisin ist wohl die letzte Olympiasiegerin in der Kombination. Die Engelbergerin gewann Gold in Pyeongchang 2018. Bild: Jean-Christophe Bott/KEY

Wenn in Cortina d’Ampezzo 2021 die Spitzenathleten des Skirennsports um WM-Gold fahren, schauen die wenigen verbliebenen Kombinationsspezialisten in die Röhre. Der Internationale Skiverband FIS will die drittälteste Disziplin bis 2020 sowohl aus dem Weltcupkalender als auch aus dem Programm von Titelkämpfen streichen. Die Engelbergerin Michelle Gisin dürfte deshalb die letzte Kombinationsolympiasiegerin überhaupt sein.

Nostalgiker haben Mühe mit den Plänen der FIS. In einer SRF-Umfrage haben knapp 70 Prozent der 10000 Befragten angegeben, dass sie das Format gerne weiterhin sehen würden.

Einst die Königsdisziplin

Die Kombination ist 1928 erstmals ausgetragen worden; damals in Form einer alpinen Kombination, die aus einem Abfahrtslauf und zwei Slalomläufen bestand. In den Anfangszeiten des Skirennsports genossen die Kombinierer grosses Ansehen. Die alpine Kombination galt gar als Königsdisziplin. Die Begründung: Nur ein kompletter Skifahrer könne ein solches Rennen gewinnen.

Von ebensolch kompletten Skifahrern gibt es heute nicht mehr viele. Die Rennen wurden mehr, die Belastungen grösser und die Kluft zwischen den schnellen und den technischen Disziplinen ging immer weiter auf. Im Weltcup hat das Spezialistentum längst Einzug gehalten. In den vergangenen Jahren gelang es nur Ausnahmeathleten wie Ivica und Janica Kostelic, Bode Miller, Tina Maze oder Anja Pärson, in allen Disziplinen regelmässig Siege einzufahren.

Kombination rentiert kaum noch

Von den Aktiven wäre dieses Kunststück lediglich der US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin zuzutrauen. FIS-Renndirektor Markus Waldner kritisierte ebendiese Entwicklung im Gespräch mit der «Nordwestschweiz»:

«Wenn man die besten Abfahrer teilweise Slalom fahren sieht, ist das keine Werbung für den Skisport.»

Für die geplante Einstellung der Kombination gibt die FIS nicht nur sportliche Gründe an. Das Format rentiert schlicht nicht mehr. Die Rennen liessen sich in den vergangenen Jahren kaum vermarkten.

Dies bestätigt Thomas Stauffer, Cheftrainer der Männer bei Swiss Ski: «Es stimmt, dass zum Teil das Zuschauerinteresse nicht so gross ist, was aber direkt von den Sendezeiten abhängt.» Die Kombinationsrennen werden normalerweise am Freitagnachmittag ausgetragen, wodurch das TV-Publikum und die Zuschauermassen am Pistenrand ausbleiben. Stauffer:

«Es wird schwierig, Rennen zu solch unattraktiven Zeiten zu finanzieren.»

Darüber hinaus ist die Organisation einer Superkombination extrem aufwendig für das veranstaltende Skigebiet. Nur wenige Weltcup-Destinationen haben die Kapazitäten und Ressourcen, eine Abfahrt und einen Slalom auf demselben Berg und an demselben Tag durchzuführen.

Aufwertung der Parallelrennen

Eine definitive Abschaffung der Kombination wurde von Seiten der FIS noch nicht kommuniziert; mit den Parallel­rennen hat der Weltverband allerdings schon eine potenzielle Ersatzdisziplin gefördert. Derzeit fungieren sie als Zusatz zu den fünf bestehenden Wertungen und haben noch keinen eigenen Weltcup.

Gemäss Stauffer plane die FIS aber, den Parallelwettkampf künftig als eigenständige Disziplin einzuführen. Dies würde bedeuten, dass solche Anlässe demnächst auch auf Nachwuchsebene auf dem Programm stünden. Atle Skaardal, FIS-Renndirektor der Frauen, will im Weltcup langfristig fünf bis sechs Parallelrennen pro Winter austragen.

Die Rahmenbedingungen müssen noch festgelegt werden. Einiges ist ungewiss. Mit welchen Torabständen fährt man? Sollen der Parallelriesenslalom und der Parallelslalom voneinander getrennte Wertungen erhalten? Nach welchem System werden die Punkte verteilt?

Eine Schweizer Erfolgsgeschichte

Für Stauffer macht die Umdisponierung durchaus Sinn: «Der Vorteil von Parallelrennen ist, dass es für dieses Format viele beleuchtete Pisten gibt (da der Kurs extrem kurz ist, Red.) und damit zu besseren TV-Zeiten gesendet werden kann. Das würde die Zuschauerzahlen sicher positiv beeinflussen.» Überdies kann die neuartige Disziplin als City Event durchgeführt werden und bringt den Skiweltcup damit vermehrt in europäische Grossstädte.

Letztendlich haben die nationalen Verbände über die Disziplinenreform zu entscheiden. Hinsichtlich Olympia 2022 in Peking hat ausserdem das Internationale Olympische Komitee IOC noch ein Wörtchen mitzureden. Und auch die Fahrer können sich einbringen. «Die Athleten haben einen Vertreter im FIS Council. So können sie ein Stück weit mitentscheiden», sagt Stauffer. Aus Schweizer Sicht wäre die Absetzung der Mischdisziplin äusserst bedauerlich. Unsere Kombinierer fuhren an den Grossanlässen verlässlich Medaillen heraus (siehe Infografik unten).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.